Krisen und Katastrophen: Schweizer Hilfe gefragter denn je
Das Schweizerische Katastrophenhilfekorps (SKH) und die humanitäre Hilfe des Bundes wird es laut Bundesrat Deiss auch im 21. Jahrhundert zunehmend brauchen. Die Konflikte und Katastrophen seien zahlreicher, turbulenter und gefährlicher geworden.
Das Schweizerische Katastrophenhilfekorps (SKH) und die humanitäre Hilfe des Bundes wird es laut Bundesrat Deiss auch im 21. Jahrhundert zunehmend brauchen. Die Konflikte und Katastrophen seien zahlreicher, turbulenter und gefährlicher geworden. 1999 haben die Freiwilligen des SKH nicht weniger als 406 Missionen durchgeführt.
Das Ende des Kalten Krieges habe bei manchen die Illusion geweckt, das «Ende der Geschichte» oder der Anfang einer besseren Welt sei gekommen, sagte Bundesrat Joseph Deiss am Freitag (24.03.) in Bern an der Jahrestagung der Humanitären Hilfe und des SKH.
Viele hofften, das Wegfallen der Spannungen zwischen Ost und West würde die Zahl der Konflikte weltweit deutlich verringern. Leider sei das Gegenteil eingetreten. Und die humanitäre Hilfe werde es wie die Feuerwehr auch im 21. Jahrhundert brauchen.
Die Zunahme der Konflikte und Katastrophen rückte die humanitäre Hilfe laut Deiss auch vermehrt ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Medien zollten der Gewalt und dem Elend in den 90er Jahren eine nie gekannte Beachtung. Die Krisen seien in diesem Jahrzehnt aber nicht nur zahlreicher, sondern auch komplexer, turbulenter und gefährlicher geworden.
1999 kamen bei Natur- und Zivilisationskatastrophen weit über 100’000 Menschen ums Leben; die Schäden beliefen sich auf über 100 Milliarden Dollar. Die Freiwilligen desSKH waren 1999, wie berichtet, in einer Rekordzahl von nicht weniger als 406 Missionen im Einsatz, schwergewichtig in den Balkanstaaten, der Provinz Kosovo, aber auch in Zentralamerika im Nachgang zum Hurrikan «Mitch» sowie in Venezuela.
Wiederholt zum Einsatz kam auch die Rettungskette Schweiz, so gleich zweimal in der Türkei, in Taiwan, in Griechenland und im Anschluss an den Hurrikan «Lothar» sogar im benachbarten Frankreich. Ausserdem entsandte die Schweiz Menschenrechtsbeobachter nach Albanien, in die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien und in die Provinz Kosovo.
Gestützt auf die Erfahrung der Überschwemmungskatastrophe von Mosambik folgerte SKH-Chef Charles Raedersdorf an der Jahrestagung: Es sei unter anderem zu prüfen, ob die Rettungskette Schweiz, die über gut eingespielte Mittel zur Intervention nach Erdbeben verfügt, auch für die Intervention bei Überschwemmungen ausgerüstet werden könne. Raedersdorf nannte als Möglichkeit die Schaffung eines zusätzlichen Rettungsmoduls, zu dessen Einsatzmitteln unter anderem auch Schlauchboote der Schweizer Armee gehören könnten.
Kosovo und Tschetschenien als Schwerpunkte
Der Balkan forderte 1999 vom Bund ein Höchstmass an Einsatz, wie Toni Frisch, Chef der Sektion Europa und GUS, ausführte. Niemals seien in einem Konflikt in so kurzer Zeit so viele Mittel eingesetzt worden. Für das Jahr 2000 beträgt das Budget allein für den Kosovo 40 Millionen Franken. Fast 90 Prozent davon werden im Rahmen der Rückkehrhilfe vom Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) finanziert werden.
Für Tschetschenien hofft Frisch, dem so arg vom Schicksal heimgesuchten Land baldmöglichst die Hilfe bringen zu können, die es brauche. Bisher habe die Sicherheitslage dies verhindert. Schwergewicht dürfte vorerst die Unterstützung in den Flüchtlingslagern in Inguschetien haben. Sehr bald aber werden die
Menschen in ihre völlig verwüstete Heimat zurückkehren und dort vor dem Nichts stehen, so Frisch.
Für den Neubeginn brauchen sie Unterstützung in Form von Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und Unterkunft. Dazu kommen die logistische und finanzielle Unterstützung der Internationalen Organisationen, insbesondere des UN-Hochkommissariates für Flüchtlinge UNHCR und des IKRK.
swissinfo und Agenturen
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