Neue Lehrmittel zum Thema Flüchtlingspolitik
Im Beisein des israelischen Botschafters Yitzchak Mayer sind am Dienstag (27.06.) in Bern zwei neue Lehrmittel zur Schweizer Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg vorgestellt worden. Sie sollen den Lehrkräften neue Diskussiongrundlagen bieten.
Unter dem Titel «Retten Sie wenigstens mein Kind» bietet das Schweizerische Jugendschriftenwerk (SJW) zehn Porträts an, wo Betroffene aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ihre persönlichen Erfahrungen schildern. Neben Flüchtlingen äussern sich eine Fluchthelferin, ein Soldat, ein Student sowie ein Grenzwächter.
In den zehn Geschichten gehe es um viel mehr als nur um Mitleid, sagte Botschafter Mayer an einer Pressekonferenz. «Die Erzählungen setzen die Zeugen in eine Welt, in welcher man gezwungen ist, eine Wahl für das Recht zum Leben zu treffen oder sich selbst zu verleugnen. Einige taten es. Viele versagten», sagte Mayer. Die Publikation zeige ohne zu moralisieren auf, dass es Zeiten geben könne, in denen nur ziviler Mut den Unterschied zwischen ethischer Verantwortlichkeit und ausweichender Ausflucht sei.
Eine direkte Verbindung zwischen der Zeit des Zweiten Weltkriegs und dem Jahr 2000 stellt die vierte Ausgabe der Zeitschriftenreihe «Zur Zeit:» aus dem Berner Lehrmittel- und Medienverlag (BLMV) dar, wie Christian Graf-Zumsteg erklärte. Das neue Lehrmittel suche an exemplarischen Themen den Vergleich zwischen der Flüchtlingspolitik der Schweiz im Zweiten Weltkrieg und der Asylpolitik von heute. Es gehe dabei unter anderem um die Gründe und den Ablauf einer Flucht, die Aufnahme sowie die Arbeits- und Wohnsituation.
Die Porträts werden durch kurze Sachinformationen zu den unterschiedlichen Zeitabschnitten und zur weltweiten Flüchtlingsfrage ergänzt. Das vierfarbige Heft spreche Jugendliche ab 13 Jahren über einen stark personenbezogenen Zugang zum Thema an. Dieser Ansatz sei besonders geeignet, aus «bedrohlichen anonymen Fluten und Wellen von Flüchtlingen Gesichter und Individuen» zu machen, zeigte sich Nationalrätin Cecile Bühlmann (Grüne/LU) als Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus überzeugt. So könnten die Lernenden an deren Schicksal teilhaben und sich in deren Lage einfühlen.
swissinfo und Agenturen
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