Die Schweiz könnte den globalen Rohstoffhandel nachhaltiger gestalten
Die Schweiz ist ein bedeutender Handelsplatz für Rohstoffe. Sie könnte ihre Lage nutzen, um diesen Wirtschaftszweig zu beeinflussen und ihn nachhaltiger zu gestalten – zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Akademie der Naturwissenschaften.
Der Rohstoffhandel bietet wirtschaftliche Chancen, schadet aber auch der Umwelt, betont die Schweizerische Akademie der NaturwissenschaftenExterner Link (SCNAT). Allein der internationale Handel betrifft fast ein Drittel der bedrohten Tier- und Pflanzenarten und etwa ein Viertel des Wasserverbrauchs.
Die Schweiz nimmt in diesem Handel eine wichtige Stellung ein: Auf ihrem Staatsgebiet sind einige der weltweit führenden Handelsunternehmen ansässig. Sie ist eine Drehscheibe für den weltweiten Handel mit Kupfer, Aluminium, Erzen, Pflanzenölen und sogar Rohöl.
Die Schweiz kann aufgrund ihrer Position eine «katalytische Rolle bei der Förderung eines stärker koordinierten Vorgehens zwischen den Handelszentren spielen», heisst es in der Mitteilung der SCNAT. In den letzten Jahren hat sich der Rohstoffhandel enorm gewandelt. Er hat sich übermässig finanzialisiert.
Aus unserem Archiv (aktivieren Sie die Untertitel unten rechts): Die Rohstoff-Grossmacht Schweiz
Finanzintermediäre
Die Banken sind nicht die einzigen Akteure, die hier tätig sind. Auch Handelsunternehmen sind in diesen Markt eingestiegen und haben sich zu regelrechten Finanzintermediären gewandelt, die einen bedeutenden Teil ihrer Einnahmen aus Derivaten beziehen, wie die Autoren des Berichts an einer Medienkonferenz in Bern erklärten.
Diese Entwicklung hat jedoch ihren Preis. Die Finanzialisierung erhöht die Preisvolatilität. Bei Finanzkrisen beispielsweise können die Auswirkungen auf den Rohstoffhandel verheerend sein und in einigen Ländern zu Problemen bei der Energie- oder Nahrungsmittelversorgung führen.
Derzeit sind die regulatorischen Bestimmungen fragmentiert. Jedes Handelszentrum hat seine eigenen Richtlinien, was die Wirkung der Massnahmen für einen nachhaltigeren Handel einschränkt. Die Vorschriften betreffen im Wesentlichen die Handelstätigkeit, nicht jedoch die gehandelten Produkte.
Nationale oder regionale Nachhaltigkeitsvorschriften für Handelsunternehmen beziehen sich insbesondere auf das Verbot von Zwangsarbeit, das Verbot von Mineralien aus Konfliktgebieten oder von Gütern, die durch Abholzung gewonnen wurden. Zudem werden Massnahmen gegen Geldwäscherei ergriffen.
Kohärenz und Koordination
Dem Bericht zufolge sollte die Priorität im Bereich des Rohstoffhandels auf der Schaffung einer kohärenten und einheitlichen Regulierung liegen. Zudem ginge es darum, eine bessere Rückverfolgbarkeit der Produkte zu gewährleisten. In diesem Bereich befinden sich die meisten relevanten Daten heute in den Händen privater Unternehmen.
Die Schweiz könnte als wichtiges Handelszentrum für Rohstoffe diese Harmonisierung fördern, indem sie proaktiv auftritt. Der Bericht, der das Ergebnis der Arbeit von rund 30 Forschenden aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Soziales ist, hütet sich jedoch davor, direkte Empfehlungen auszusprechen.
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