Sergei Aschwanden sensationeller Europameister
Vier Monate vor den Olympischen Spielen und neun Jahre nach dem letzten Schweizer Judo-Titelgewinn hat der 24-jährige Sergei Aschwanden aus Bussigny (VD) am Samstag (20.05.) in Wroclaw (Polen) den Titel in der Klasse bis 81 kg gewonnen.
Dabei kämpfte Aschwanden wegen einer Operation von Anfang Jahr mit eingebundenem Handgelenk. Doch das konnte die Siegesserie von Aschwanden in der Klasse bis 81 kg nicht stoppen. Der 24-jährige Waadtläder gewann alle seine insgesamt fünf Kämpfe vorzeitig.
«Es lief mir besser als im Traum», meinte ein überglücklicher Aschwanden nach seiner imponierenden Erfolgsserie. Aschwanden liess am Finaltag weder dem Russen Alexej Scherschenej im Halbfinal noch im Final dem Spanier Ricardo Echarte, der in der Startrunde überraschend den Titelverteidiger Delgado (Portugal) besiegt hatte, eine Chance.
Nach einer Minute gegen Echarte konnte sich Aschwanden mit einem Beingreifer ein Yuko gutschreiben lassen. Nach zwei Minuten erhielten beide Kämpfer eine kleine Strafe wegen Inaktivität. Kurz darauf beendete Aschwanden den Kampf am Mattenrand mit einem Schulterwurf.
Gegen Scherschenej hatte Aschwanden bereits am A-Weltturnier in Prag und gewonnen. Er war wie Echarte ein «Linkskämpfer», der seinen Gegner vorzugsweise in diese Richtung zieht. Doch bei Aschwanden war er an der falschen Adresse und musste sich selbst dominieren lassen. Mit einem Haltegriff am Boden führte der Waadtländer dann die Entscheidung herbei. Die Vorarbeit zum Sieg hatte er mit einem angedeuteten Schulterwurf geleistet.
Auf diese Schein-Attacke folgte ein effektvoller Fussfeger, der die bereits zweite mittlere Wertung (Yuko) einbrachte. Doch Aschwanden gab sich damit nicht zufrieden und setzte sofort nach.
Höhepunkt der Laufbahn
Aschwanden, der als bislang einziger Schweizer bereits vor den Europameisterschaften für die Olympischen Spiele qualifiziert war, hatte zuvor noch nie eine EM- oder WM-Medaille gewonnen. Er glänzte im Vorjahr mit dem Triumph am Judo-Masters von München, das als WM-würdig besetztes A-Weltturnier gilt. Ausserdem gelang ihm beim kaum weniger stark besetzten Tournoi de Paris ein dritter Rang.
Für das Schweizer Judo ist der Titelgewinn von Aschwanden die bisherige Krönung in den dreieinhalb Jahren Tätigkeit von Leo Held, des ersten vollamtlichen Cheftrainers in der Schweizer Judo-Geschichte.
Der Deutsche übernahm vor drei Jahren das Schweizer Judo-Nationalteam und führte Monika Kurath (48 kg) im Jahre 1997 zu WM-Bronze oder Isabelle Schmutz (bis 52 kg) 1998 zu EM-Bronze. Ausserdem gewann Lena Göldi bei den Juniorinnen vor zwei Jahren den EM-Titel und WM-Silber.
swissinfo und Agenturen
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