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Warum unterscheidet sich die Anzahl der Kaiserschnitte so stark?

Wieso in manchen Spitälern mehr Kaiserschnitte durchgeführt werden als in anderen, könnte an der Praxis der Spitäler liegen.
Wieso in manchen Spitälern mehr Kaiserschnitte durchgeführt werden als in anderen, könnte an der Praxis der Spitäler liegen. Keystone/Christian Beutler

In der Schweiz kommt rund jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Je nach Region sind die Unterschiede in der Schweiz allerdings erheblich.

Besonders hoch ist die Kaiserschnittrate im Kanton Zug mit rund 40 Prozent. Der Kanton Jura liegt mit knapp 25 Prozent am unteren Ende der Skala.

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) hat Geburten zwischen 2015 und 2023 untersucht und nach Gründen für diese regionalen Unterschiede gesucht. Klar ist: An Faktoren wie zum Beispiel dem Alter der Mutter oder einer Mehrlingsgeburt allein kann es nicht liegen, sagt Florence Stempfel, Projektleiterin der Studie.

«Diese Unterschiede in den geburtsbezogenen Risikofaktoren können die kantonalen Unterschiede in der Kaiserschnittrate nur teilweise und nicht komplett erklären», so Stempfel.

Ein Grund, warum in manchen Kantonen mehr Kaiserschnitte durchgeführt werden als in anderen, liegt bei den Spitälern, sagt Stempfel.

«Es zeigt sich, dass das behandelnde Spital, die medizinische Praxiskultur in diesem Spital, einen grossen Einfluss auf die Kaiser­schnitt­wahrscheinlichkeit hat. Sobald wir das Spital einbeziehen, verschwindet der Einfluss des Wohnkantons praktisch vollständig», so die Projektleiterin der Studie.

Einfluss der Spitäler wichtiger als der Kanton

Wieso einige Spitäler hohe Kaiserschnittraten haben und andere nicht, vermögen allerdings auch die Autorinnen und Autoren des Berichts nicht abschliessend zu sagen.

Begleitet wurde der Bericht von verschiedenen Fachpersonen, auch von Anne Steiner vom Schweizerischen Hebammenverband und Leiterin des Geburtshauses im Kantonsspital Aarau.

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Sie sei nicht erstaunt über den Befund des Berichts. «Denn es ist sicher so, dass es aufs grosse Ganze gesehen gesünder ist, langfristig keinen Kaiserschnitt im Leben gehabt zu haben. Viele Risiken hat man dann einfach nicht. Aber vaginale Geburten können auch Probleme machen», sagt Steiner. Beispielsweise berge ein Kaiserschnitt auch das Risiko einer grossen Bauchoperation.

Werdende Mütter wünschten sich vor allem eines

«Wir wissen aus Studien, auch in der Schweiz: Die allermeisten Frauen, über 90 Prozent, wollen einfach nur ein Kind kriegen und wünschen sich so wenig Eingriffe wie möglich. Am Ende haben von diesen Frauen fast 35 Prozent einen Kaiserschnitt, das ist auch für die Frauen enttäuschend, weil dies nicht ihr primärer Wunsch war», so Steiner.

Das deutet darauf hin, dass der Entscheid für einen Kaiserschnitt oft eine Frage der gängigen Praxis im einzelnen Spital sei. Wenn es medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt gäbe oder dieser der ausdrückliche Wunsch einer Frau sei, dann sei ein Kaiserschnitt legitim. Anne Steiner kritisiert aber die unterschiedlichen Vergütungen von vaginaler Geburt und Kaiserschnitt.

«Es ist auch schwierig, dass eine vaginale Geburt viel aufwändiger ist als ein geplanter Kaiserschnitt. Rund um die Uhr müssen alle bereitstehen. Keiner weiss, wann die Geburt losgeht und wie sie verlaufen wird. Und ein Team aus Hebammen und Ärztinnen verschiedener Professionen steht bereit, in der Hoffnung, möglichst nichts tun zu müssen», sagt Steiner.

Zum Schluss gebe es, auch wenn die Geburt aufwändig gewesen sei, deutlich weniger Geld als für einen Kaiserschnitt, so Anne Steiner.

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