Orkanschäden: Sturmholz soll nicht überall geräumt werden
Die riesigen Sturmholzmengen im Schweizer Wald sollen nur dort geräumt werden, wo konkrete Folgeschäden drohen. Der Weihnachtsorkan fällte nach neuesten Schätzungen rund 15 Millionen Bäume oder zwölf Millionen Kubikmeter Holz.
Die riesigen Sturmholzmengen im Schweizer Wald sollen nur dort geräumt werden, wo konkrete Folgeschäden drohen. Wie der Führungsstab «Lothar» am Dienstag (18.01.) vor den Medien in Bern bekannt gab, fällte der Weihnachtsorkan nach neuesten Schätzungen rund 15 Millionen Bäume oder zwölf Millionen Kubikmeter Holz.
Der vom Eidgenössischen Forstdirektor Werner Schärer geleitete Führungsstab will bei den Aufräumarbeiten klare Prioritäten setzen, die auf den Erkenntnissen nach dem Orkan «Vivian» vor zehn Jahren beruhen. Die Folge wird sein, dass wesentlich mehr Sturmholz im Wald liegen bleiben wird als damals. «Der Bund will das Aufräumen des Sturmholzes prioritär dort finanziell unterstützen, wo Menschen, Sachwerte oder intakt gebliebene Wälder gefährdet sind», sagte Schärer.
Die grossen Probleme auf dem Holzmarkt sollen mit finanziellen Beiträgen an die werterhaltende Lagerung von Holz und an Massnahmen zur Absatzförderung gelindert werden. Wie viel Geld der Bund locker machen will, konnte Schärer noch nicht sagen. Das Parlament soll in der Frühlingssession über die ausserordentlichen Massnahmen befinden, die sich auf den Katastrophenartikel im Waldgesetz stützen.
Die Bundesbehörden mussten unterdessen das Schadenausmass von «Lothar» noch einmal nach oben korrigieren. Inzwischen wird mit zwölf Millionen Kubikmeter Sturmholz gerechnet. Dies entspricht rund 15 Millionen Bäumen. Buwal-Vizedirektor Willy Geiger bezeichnete das Ausmass als erschütternd. Das ist etwa zweieinhalb Mal so viel wie eine Jahresnutzung. Am meisten Holz liegt im Kanton Bern mit 4,5 Millionen Kubikmetern. Im Vergleich zur Waldfläche hat der Weihnachtsorkan in Nidwalden am stärksten gewütet: Dort liegt so viel Holz am Boden, wie sonst in zehn Jahren genutzt wird.
Holz in Bannwäldern wird liegen gelassen
Die neue Philosophie bei den Aufräumarbeiten stützt sich auf Forschungsergebnisse nach dem Orkan «Vivian». Demnach hat diedamals mit viel Geld betriebene grossflächige Räumung nicht überzeugt. Denn die Vermehrung des Borkenkäfers konnte nicht verhindert werden, wie der Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Mario Broggi, sagte. Hingegen lohne es sich, die im Wald verstreuten kleinen Schadenflächen rechtzeitig aufzuräumen. In den Schutzwäldern sei es in der Regel das Beste, das Sturmholz liegen zu lassen. Würden die Flächen geräumt, erhöhe sich die Gefahr von Lawinen, Steinschlag und Erosion. Das Holz liegen zu lassen, ist nach den Erkenntnissen der Experten auch ökologisch sinnvoll, ist doch die Artenvielfalt auf den Sturmflächen reicher als im angrenzenden Wald.
Der Bund hat die Forschungserkenntnisse nach «Vivian» in Entscheidungshilfen zusammengefasst, die den Forstverantwortlichen nun als Leitlinie zur Bewältigung der Folgen von «Lothar» dienen sollen.
SRI und Agenturen
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