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Bundespräsident Rau ermuntert Schweiz zu weiteren Schritten Richtung Europa

Bundespräsident A. Ogi (l.) schreitet zusammen mit seinem Gast J. Rau, Präsident der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrengarde der Schweizer Armee ab. Keystone

Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau hat zu Beginn seines Staatsbesuchs der Schweiz Mut für eine weitere Annäherung an die EU gemacht. Das Verhältnis der Schweiz zur EU sei zu einer wichtigen Zukunftsfrage geworden, sagte in Bern.

Der «Staatsgast» Rau wurde am frühen Mittwochnachmittag (17.05.) bei bewölktem Himmel, aber trockener Witterung vom Gesamtbundesrat und mit militärischen Ehren auf dem Bundesplatz empfangen.

Bundespräsident Rau: Die Schweiz gehört zu Europa

Die Schweiz, im Herzen Europas gelegen, sei Teil Europas, auch wenn sie nicht EU-Mitglied sei, betonte Rau in seiner Ansprache im Bundeshaus. Er wünsche sich, dass das Verhältnis zur EU nicht nur als Last, sondern auch als Chance für eigenes politisches und wirtschaftliches Wohlergehen begriffen werde.

Es gehe um ein Europa der Nationen ohne Nationalismus, in dem es auf die Vielfalt der Kulturen ankomme. Er wünsche den Schweizern Weitsicht für die Abstimmung vom kommenden Sonntag über die bilateralen Verträge. Deutschland freue sich über jeden Schritt, der die Schweiz näher an die Europäische Union heranführe.

Wie der frühere britische Premier Winston Churchill in seiner berühmten Zürcher Rede von 1946 stellte Rau die Schweiz als Vorbild hin. Europa könne nur profitieren, wenn es beobachte, wie die Schweiz kulturelle Eigenständigkeit, ein humanistisches Menschenbild und eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft miteinander verbinde.

Mit grossem Interesse verfolge Deutschland das Bemühen der Schweiz, verstärkt internationale Verantwortung zu übernehmen: «Die Teilnahme an internationaler Verantwortung ist keine Gefahr für die Identität eines Landes», sagte Rau. «Im Gegenteil: Sie stärkt sein Selbstverständnis und seine Souveränität.»

Bundespräsident Ogi: Politik der «kleinen Schritte»

Von den Bergen geprägt betreibe die Schweiz eine Politik der kleinen und festen Schritte, sagte Bundespräsident Adolf Ogi in seiner Ansprache. Dies sei richtig in einem Land mit vier Kulturen und 26 Kantonen. Die Schweiz werde am Sonntag darüber befinden, ob sie ihre Beziehung zur EU auf ein neues bilaterales Vertragsfundament stellen wollen. Dies sei kein grosser Sprung, aber ein sicherer Schritt.

Rau führe eine bedeutungsvolle Tradition fort, sagte Ogi weiter. Seit der Gründung der Bundesrepublik habe jeder deutsche Bundespräsident die Schweiz besucht. Ihre Namen repräsentierten eine Reihe von grossen europäischen Staatsmännern, die auch für die Schweiz von Bedeutung gewesen seien. Beide Länder teilten ein gemeinsames kulturelles Erbe, Deutschland sei der wichtigste Handelspartner der Schweiz, und beide Staaten seien mit stabilen und freundschaftlichen Nachbarschaftsbeziehungen verbunden.

Rau war am Mittwochmorgen um 10.25 Uhr auf dem Flughafen Zürich-Kloten eingetroffen. Er und seine Frau Christina Rau wurden von Ogi, dessen Frau, Aussenminister Joseph Deiss, Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz sowie Rita Fuhrer, Regierungspräsidentin des Kantons Zürich, empfangen.

Per Sonderzug ging es anschliessend nach Bern. Dem Zeremoniell auf dem Bundesplatz und im Parlamentsgebäude schlossen sich die offiziellen Gespräche zwischen der deutschen und der schweizerischen Delegation an.

Besuch im Jura

Heute Donnerstag (18.05.) besucht Bundespräsident Rau den Kanton Jura. Der jurassische Regierungsrat lädt die beiden Delegationen auf das Schloss Pruntrut (Porrentruy) ein. Zuvor besichtigen sie noch die «Ecole d’horlogerie et de microtechnique» und das Archiv der Basler Fürstbischöfe in Pruntrut.

Abschluss im Tessin

In der Sonnenstube der Schweiz – im Tessin – wird der «Tross» morgen Freitag (19.05.) seinen letzten Halt einlegen. Nach dem Empfang durch kantonale und lokale Behörden ist die Besichtigung des Hermann-Hesse-Museums in Montagnola und der Kirchner-Ausstellung in Lugano vorgesehen.

Nach einem offiziellen Empfang im Rathaus durch den Stadtrat von Lugano steht anschliessend eine Rundfahrt auf dem Luganersee auf dem Programm. Am Nachmittag wird der deutsche Bundespräsident in Lugano-Agno schliesslich mit militärischen Ehren offiziell verabschiedet werden.

swissinfo und Agenturen

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