In der Europafrage ist die Schweiz dreigeteilt
Die Schweizer und Schweizerinnen beurteilen die Auswirkungen der bilateralen Verträge mit der EU nüchtern. Trotz der klaren Zustimmung zu den Verträgen vom 21. Mai dieses Jahres herrscht kein Konsens über die Gestaltung der Europapolitik.
Gemäss «Europa-Barometer Schweiz», einer Erhebung des GfS-Forschungsinstituts, gibt es weiterhin drei Lager in der Schweiz: die Integrationisten, die Bilateralisten und die Isolationisten.
Keine Europa-Euphorie
Je 26 Prozent der Stimmberechtigten rechnen mit Vor- oder Nachteilen für die Schweiz aus dem Vertrag mit der EU. 41 Prozent gehen von einer ausgeglichenen Bilanz aus und bleiben damit in ihren Erwartungen nüchtern.
Der Bilateralismus als Grundhaltung in der Europa-Frage ist auch nach der Abstimmung vom 21. Mai allein nicht mehrheitsfähig. Seine Bedeutung hat er aber, weil er die Brücke herstellt zwischen den zwei anderen verbreiteten Positionen, der Isolationisten und der Integrationisten
Das zeigt sich am besten bei der Beurteilung der künftigen Europa-Strategie der Schweiz. Für 28 Prozent ist das Maximum an Zusammenarbeit mit der Zustimmung zu den Bilateralen gegeben. 37 Prozent wünschen eine verstärkte Integration über einen EU-Beitritt oder dass die EWR-Beitrittsdiskussion wieder aufgenommen wird.
Rund 27 Prozent befürworten, dass der eingeschlagene bilaterale Weg fortgeführt wird. Keine der drei Positionen hat demnach alleine eine Mehrheit.
Wären die Stimmbürger heute schon aufgerufen, über einen EU- Beitritt zu entscheiden, wäre die Schweiz zweigespalten. 21 Prozent wären bestimmt dafür und weitere 26 Prozent eher für einen EU- Beitritt. 29 Prozent würden bestimmt dagegen stimmen und 15 Prozent wären eher dagegen. 9 Prozent können sich nicht entscheiden.
swissinfo und Agenturen
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