SVP und SP von Sympathisanten im Stich gelassen
Die beiden stärksten Schweizer Parteien, SVP und SP, sind bei der Volksabstimmung vom 12. März von ihren Sympathisanten mehrheitlich im Stich gelassen worden. Dies ist eine Erkenntnis der Vox-Analyse, die am Mittwoch (03.05.) veröffentlicht wurde.
Die in Zusammenarbeit mit dem GfS-Forschungsinstitut durchgeführte Nachbefragung ergab im Falle der mit 69,8 Prozent Nein verworfenen Beschleunigungsinitiative des Discounters Denner, dass auch die Anhängerschaft der SVP das Volksbegehren mehrheitlich verwarf.
Mit 57 Prozent Nein war der verwerfende Anteil unter den Sympathisanten der SVP jedoch deutlich kleiner als im übrigen bürgerlichen und im links-grünen Lager. Unter Einbezug der anderen Rechtsaussenparteien sagte das rechtskonservative Lager laut der Befragung mit 53 Prozent Nein zum Begehren, die Behandlungsfrist für Volksinitiativen auf ein Jahr zu begrenzen.
Die Untersuchung der Motive kam zum Schluss, dass die bereits vor der Abstimmung reduzierten Behandlungsfristen dem Initiativkomitee den Wind aus den Segeln genommen hatten. Zwar waren den Ja-Stimmenden die Fristen auch in der Initiative noch zu lang. Sie blieben aber so stark in der Minderheit, dass das Institut für Politikwissenschaft an der Universität Zürich weitergehenden Begehren, wie der so genannten «Maulkorb»-Initiative, wenig Erfolgsaussichten gibt.
SP-Parolen zweimal von Basis nicht befolgt
Gleich zweimal versagte die Anhängerschaft der SP den Parolen ihrer Partei die Gefolgschaft. Sowohl bei der Quoteninitiative wie auch bei der Verkehrshalbierungsinitiative stimmte eine Mehrheit dagegen. Die Qutoteninitiative, die gesamtschweizerisch mit 81,9 Prozent Nein scheiterte, wurde gemäss der Umfrage von 53 Prozent der SP-Sympathisanten verworfen.
Allerdings zeigte sich ein starker Unterschied im Stimmverhalten zwischen Männern und Frauen. Während die männlichen SP-Anhänger mit 65 Prozent Nein sagten, sprachen sich 56 Prozent der SP-Sympathisantinnen für die Einführung von Frauenquoten auf Bundesebene aus. Gesamtschweizerisch war der Anteil der Ja-Stimmen bei den Frauen mit 28 Prozent knapp dreimal so hoch wie bei den Männern (elf Prozent).
Auch bei der Verkehrshalbierungsinitiative stand ein gespaltenes links-grünes Lager einem geschlossenen Bürgerblock gegenüber. Auch die SP-Sympathisanten sagten aber trotz der Ja-Parole ihrer Partei mit 56 Prozent mehrheitlich Nein, verglichen mit einer Verwerfung von insgesamt 78,7 Prozent. Deutliche Unterschiede im Stimmverhalten machten die Politologen ferner zwischen den Automobilisten und den Nicht-Auto-Besitzern aus. Letztere nahmen die Initiative knapp an.
Internet für Abstimmungsinfo kaum genutzt
Die Analyse des März-Urnengangs, an dem ausserdem die Fortpflanzungsinitiative verworfen und die Justizreform angenommen worden waren, ging unter anderem auch der Mediennutzung und der Entscheidfindung der Stimmberechtigten nach. Dabei zeigte sich, dass das Internet für die Meinungsbildung der Stimmenden bloss sehr marginal verwendet wurde. Als bedeutendste der fünf Vorlagen wurde vom Stimmvolk die Verkehrshalbierungsinitiative eingestuft.
swissinfo und Agenturen
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