
Olympische Sommerspiele 2008 an Peking

Die Olympischen Sommerspiele 2008 gehen an Peking. Dies beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Freitag (13.07.) in Moskau. Die Schweiz hofft, dass China sich nun besser in die internationale Gemeinschaft integriere. Derweil sind die Schweizer Tibet-Aktivisten aus Moskau zurückgekehrt.
Die Delegationen hatten für ihre Präsentation bei der 112. IOC-Sitzung jeweils 45 Minuten Zeit und mussten sich dann nochmals den Fragen der 118 IOC-Mitglieder stellen. In einem ersten Wahldurchgang war Osaka als Austragungsort ausgeschieden.
Peking war Favoritin, doch waren auch Paris und Toronto noch gute Chancen eingeräumt worden. Kurz nach 16 Uhr (MESZ) gab IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch zum letzten Mal in seiner Amtszeit einen solchen Entscheid bekannt. Für Samaranch ist es der letzte Tag seiner 21-jährigen Amtszeit, am Montag wird sein Nachfolger gewählt.
«Bedeutendes Zeichen»
Das Schweizer Aussenministerium wertet die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008 an Peking als «bedeutendes Zeichen». Die Schweiz hoffe, dass China alles Mögliche unternehme, um sich besser in die internationale Gemeinschaft zu integrieren, insbesondere was die Menschenrechte betreffe, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.
Hodler: Der Beste kann nicht mehr gewinnen
«Die meisten IOC-Mitglieder waren der Meinung, dass mit der Vergabe der Spiele nach Peking eine Öffnung in China möglich sein wird», erklärte das Schweizer IOC-Mitglied Marc Hodler. «Man dachte auch an die Zukunft der Weltbevölkerung und darf auf die Dauer nicht einen Fünftel in die Ecke stellen.»
Hodler zeigte sich enttäuscht vom Resultat für Paris, das «die eleganteste aller Bewerbungen hatte. Aber offenbar ist es so, dass die sportlich beste Kandidatur einfach nicht mehr gewinnen kann.» Der Berner Anwalt gestand jedoch auch Peking durchaus hohe Qualitäten zu.
Das Schweizer IOC-Mitglied Gian-Franco Kasper störte sich daran, dass es «in den letzten Tagen nur noch um den Entscheid für Peking oder gegen Peking ging. Die sportlichen Voraussetzungen der einzelnen Kandidaten spielten leider keine Rolle mehr.»
Hoffnung auf Verbesserung der Menschenrechts-Situation
«Die Gier nach dem grossen Geld hat die Bedenken über die Unmenschlichkeiten Chinas zerstreut», lauteten erste kritische Kommentare zum Ergebnis der IOC-Abstimmung. Tatsächlich haben wirtschaftliche Interessen mitgespielt: Der noch kaum entwickelte riesige chinesische Markt lässt die halbe Welt auf einen Anteil am wachsenden Kuchen hoffen.
Und in der Tat werden Menschenrechte in China mit Füssen getreten. 1781 Personen wurden laut Amnesty International allein in den letzten drei Monaten in China hingerichtet.
Gemischte Bilanz der Schweizer Tibet-Aktisiten
Auch aus der Optik der von der Schweiz aus operierenden Tibet-Aktivisten blieben deren Demonstrationen gegen die Vergabe der Spiele nutzlos. Zufrieden zeigten sich die Schweizer Tibet-Aktivisten, die in Moskau selbst gegen die chinesische Olympia-Bewerbung demonstriert hatten.
Dank der grossen Medienpräsenz sei ihr Anliegen zur Geltung gekommen, sagten sie am Samstag (14.07.) bei ihrer Rückkehr in die Schweiz. Sie wurden im Flughafen Zürich-Kloten von rund hundert Tibeterinnen und Tibetern empfangen.
Hoffnung der IOC-Mitglieder
Die Hoffnung vieler IOC-Mitglieder, dass sich China mit dem durch Olympia entstehenden Druck liberalisieren wird, überwog offensichtlich die Bedenken.
«Olympische Spiele werden China viel schneller öffnen als es sonst der Fall wäre», sagten die führenden IOC-Mitglieder Un Yong Kim (SKor), der am Montag um die Nachfolge von Präsident Samaranch antritt, und Kevan osper (Au) unisono.
Auch Kims Gegenkandidat Jacques Rogge (Be) betrachtete den Ausgang der Wahl als positiv. Möglicherweise werden die Spiele auch eine Besserung der tibetischen Situation herbei führen.
swissinfo, Agenturen, Peter A. Frei

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