Dürre als Spielverderber vieler 1.-August-Feiern
Die seit Wochen anhaltende Trockenheit sorgt dafür, dass am diesjährigen 1. August weniger Raketen in den Schweizer Nachthimmel steigen.
Während die Kantone in der Deutschschweiz ihre Verbote meist aufgehoben haben, halten die meisten in der Romandie daran fest.
Petrus meint es nicht mit allen Regionen in der Schweiz gleich gut. Während er es am Wochenende im deutschsprachigen Teil endlich mal wieder regnen liess, darbt die West- und Südschweiz weiterhin in der Dürre.
Und dies hat Folgen für eines der letzten verbliebenen Schweizer Nationalheiligtümer: Die Feuerwerke zum 1. August.
Insgesamt sprachen wegen der herrschenden akuten Brandgefahr acht Kantone ein generelles Verbot für das Abbrennen von Feuerwerken und Entfachen von Feuern aus: Graubünden, Tessin, Wallis, Waadt, Jura, Neuenburg, Freiburg und Genf. In diesen Kantonen ist es nur von Booten aus oder mit Ausnahmebewilligungen erlaubt, Feuerwerk abzuschiessen.
Abrücken vom Verbot
Einige Deutschschweizer Kantone hatten ebenfalls ein generelles Verbot erlassen, dies nach den Regenfällen am vergangenen Wochenende aber aufgehoben oder gelockert. So Thurgau, Schaffhausen, Basel-Stadt, Uri, St. Gallen, Appenzell-Innerrhoden und Glarus.
Andere Kantone wie Zürich, Aargau und Basel-Land überlassen den Entscheid den Gemeinden.
Allen Kantonen gemeinsam ist jedoch, dass sie zu grosser Vorsicht im Umgang mit Feuerwerk und 1.-August-Feuern mahnen. Viele Kantone schreiben beim Abbrennen von Feuerwerk ferner einen Abstand zu Wäldern und Hecken vor.
Behörden zählen auf Bürgersinn
Wird verhaftet, wer trotz Verbots eine Rakete in den Himmel schickt? Claude Gabarel, Chef des Zivilschutzes im Kanton Neuenburg, gibt sich bewusst diplomatisch. «Wir können nicht neben jedem Bürger einen Polizisten postieren. Vielmehr zählen wir auf die präventive Wirkung und dem Bürgersinn vor allem der Eltern statt auf eventuelle Repression der Polizei», so Gabarel.
Juli wieder zu heiss
Der ausklingende Juli ist gemäss provisorischen Zahlen von MeteoSchweiz
zu warm und zu trocken ausgefallen. Die Durchschnittstemperatur des diesjährigen Heumonats lag allgemein 2,0 bis 3,5 Grad über dem
langjährigen Juli-Mittelwert. Mit 6 bis 7 Grad über dem Mittelwert war bereits der Vormonat Juni zu heiss ausgefallen.
Verbreitet unter dem langjährigen Mittel sind die Niederschläge ausgefallen, während die Juli-Sonnenscheindauer aber praktisch dem Durchschnitt entsprach, so MeteoSchweiz.
Geschäfte laufen harzig
Keinen Gefallen am dürren Boden und dem Hin und Her der Kantone punkto Feuerwerks-Verbot haben erwartungsgemäss die Hersteller und Verkäufer von Feuerwerk-Artikeln.
Dass einige Kantone schon zwei oder drei Wochen vor dem 1. August generelle Abbrennverbote erlassen hätten, sei undifferenziert und voreilig gewesen, kritisiert Peter Züllig, geschäftsführender Präsident der Schweizerischen Koordinationsstelle für Feuerwerk.
Produzenten aber nicht gefährdet
Für die Feuerwerksbranche sei dies ein «schlechtes Jahr», sagte Züllig. Wegen der Trockenheit gebe es Verluste. Aber es sei nicht so schlimm, dass die Hersteller und Grossisten nun am Boden seien.
Auch der Detailhandel rechnet fest mit Einbussen. Der Verkauf laufe «nicht sehr gut», sagte Migros-Pressesprecherin Monika Weibel. Sie rechne nicht damit, alles eingekaufte Feuerwerk zu verkaufen.
Mit einem Verkaufsrückgang rechnet auch Coop-Sprecher Karl Weisskopf. Die Einnahmen aus dem Feuerwerks-Geschäft kämen dieses Jahr deutlich unter der sonst üblichen 5 Mio.-Franken-Marke zu liegen.
«Verbotene Ware» wird zurückgenommen
Bei der Rücknahme zeigen sich die Detailhändler grosszügig. In den Kantonen mit Feuerverbot können die Kunden gekauftes Feuerwerk zurückbringen – allerdings bei den meisten Händlern nur vor dem 1. August. Nicht verkauftes Feuerwerk geben die Detaillisten an die Grossisten zurück.
swissinfo und Agenturen
In der Schweiz werden pro Jahr 1450t Feuerwerk abgebrannt, Brand-Schäden 2 Mio. Fr./Jahr.
Zur Erinnerung: Feuerwerk nur in Distanz zu Wäldern, Getreidefeldern und Gebäuden abbrennen.
Wasser bereitstellen.
Kinder nie unbeaufsichtigt mit Feuerwerkskörpern hantieren lassen.
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