«Enttäuschendes Jahr»
Die Zurich Financial Services (ZFS) haben nach drei Gewinnwarnungen ihre definitiven Zahlen präsentiert. Der Millionen-Verlust fällt mit dem Abschluss der ZFS-Neupositionierung zusammen.
«Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Volatilität und des unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes bleiben wir vorsichtig», sagte Konzernchef Rolf Hüppi am Donnerstag an der Bilanz-Medienkonferenz.
Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Zurich einen Verlust von 387 Mio. Dollar erlitten nach einem Gewinn von 2,3 Mrd. Dollar im Vorjahr. Der normalisierte Gewinn ist von 2,1 Mrd. Dollar im Jahr 2000 auf 348 Mio. Dollar eingebrochen. Das ist weitaus weniger als die im Dezember angekündigten Werte zwischen 700 Mio. und 900 Mio. Dollar.
Aktien leiden
Die Verlust-Zahlen wurden schon am 11. März bekannt gegeben. Bereits damals musste die Aktie an der Börse einen herben Absturz hinnehmen. So auch diesmal: Die Aktien brachen in den ersten Handelsminuten um 3,9% auf 357 Franken ein und pendelten sich am späteren Nachmittag auf 360,50 ein; 11 Franken tiefer als sie am Vorabend geschlossen hatten.
Wenig erfreut zeigte sich die Finanzgemeinde auch darüber, dass die Zurich noch keine Angaben zu einem neuen Konzernchef machte. Laut Hüppi ist ein Gremium mit der Suche beschäftigt. Er selbst gehöre diesem Komitee nicht an.
Hüppi hatte Ende Februar bekannt gegeben, dass er sein Doppelmandat als CEO und Verwaltungsrats-Präsident per Mitte Jahr abgeben werde. Er bleibt aber im Amt des Verwaltungsrats-Chefs.
Terror schuld
2001 sei ein enttäuschendes Geschäftsjahr gewesen, sagte Hüppi. Er erklärte den Gewinneinbruch in erster Linie mit den Folgen der Attentate in den USA, die mit 700 Mio. Dollar zu Buche schlugen sowie mit den schwachen Finanzmärkten und einer Verschlechterung des versicherungs-technischen Ergebnisses.
Das Eigenkapital sei wegen niedrigeren, nicht realisierten Kapitalgewinnen um 2,923 Mrd. Dollar auf 17,742 Mrd. Dollar geschrumpft. Die Fremdverbindlichkeiten wurden dagegen um 1 Mrd. Dollar reduziert. Die Dividende soll von 17,15 Franken auf 8 Franken reduziert werden.
Neupositionierung abgeschlossen
Die ZFS hat im Rahmen des vor Jahresfrist angekündigten Konzentrierungsprozesses Devestitionen im Umfang von rund 5 Mrd. Dollar getätigt.
Dazu zählen neben dem Börsengang des Rückversicherungsgeschäfts (2 Mrd. Dollar) der Verkauf der Bâloise-Beteilung (1 Mrd. Dollar) und der hängige Scudder-Deal mit der Deutschen Bank (2 Mrd. Dollar). Der Nettoerlös aus diesen Transaktionen beträgt 2,7 Mrd. Dollar, die Kapitalgewinne 0,6 Mrd. Dollar.
Die Neupositionierung des Konzerns sei im vergangenen Jahr praktisch abgeschlossen worden, sagte Hüppi weiter. Damit sei eine solide Ausgangslage für die Zukunft geschaffen worden. Die Kosten wurden im vergangenen Jahr um 266 Mio. Dollar gesenkt.
Manager-Löhne als Thema
Zu den Boni sagte Hüppi, dass diese stark erfolgsabhängig seien. Die Bezüge des Verwaltungsrates seien fix. Für das Jahr 2000 wurden total 1,8 Mio. Dollar ausbezahlt. Die Angaben zu den Honoraren für 2001 sind im noch nicht publizierten Jahresbericht enthalten.
swissinfo und Agenturen
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