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Jean Frey geht nicht an Ringier

Um die Zukunft der Zeitungen und Zeitschriften des Jean Frey-Verlags wird hinter den Kulissen heftig gerungen. Keystone

Die Basler Mediengruppe hat die Verhandlungen mit Ringier abgebrochen: Die Jean Frey AG geht an die swissfirst Bank. Ringier prüft rechtliche Schritte wegen Vertragsbruchs.

Die Käuferin swissfirst Bank AG will den Verlag, der unter anderem die «Weltwoche», den «Beobachter» und die «Bilanz» herausgibt, nicht selbst behalten. Dies sagte Geschäftsführer Thomas Matter am Freitag an einer Medienkonferenz.

Die Aktien werden bis Ende März an 10 bis 20 Schweizer Anleger – Private und Unternehmen – weitervermittelt. 80% sind bereits platziert. 15% des Aktienkapitals sind reserviert für Mitarbeitende.

Nicht bekannt gegeben wurde die Identität der Investoren. Christoph Richterich, neuer Verwaltungspräsident der Jean Frey, sagte einzig, dass die Anleger aus der Schweiz kämen und nicht im Medienbereich tätig seien.

Die swissfirst Bank, seit 1999 börsenkotiert, macht ihr Geschäft neben Private Banking und Asset Management hauptsächlich mit dem Handel von Wertpapieren. Sie ging aus der Zürich Financial Products hervor, einer 1994 gegründeten Finanzgesellschaft.

Verhandlungen mit Ringier geplatzt

Eigentlich war vorgesehen, dass Ringier die Jean Frey übernehmen sollte. Am 27. Dezember war ein Vorvertrag abgeschlossen worden. Der Verkauf der Jean Frey an die swissfirst Bank sei eine «eklatante Vertragsverletzung», teilte der Ringier-Verlag am Freitag nun mit. Es würden rechtliche Schritte geprüft.

Die Basler Mediengruppe habe Ringier bis zum 8.Februar die Exklusivität bei den Kaufverhandlungen zugesichert. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten auch keine Gespräche mit anderen Interessenten geführt werden dürfen.

Zu den Differenzen, die nun eine Übernahme der Jean Frey AG verhindern, wollte sich Ringier-Mediensprecher Fridolin Luchsinger auf Anfrage nicht konkret äussern. Die Due Diligence (Prüfung der Finanz- und Ertragslage) habe «gravierende Probleme» an den Tag gebracht, die Thema der geplanten Verhandlungen vom nächsten Montag gewesen wären. Aus der Sicht von Ringier wäre es möglich gewesen, eine Lösung dieser Probleme zu finden.

Matthias Hagemann, Verwaltungsratspräsident der Basler Mediengruppe sagte, Ringier habe die Verhandlungen verschleppt, habe trotz dringender Mahnung seitens der Basler die Wettbewerbskommission nicht eingeschaltet. Der Verwaltungsrat sei deshalb «sehr besorgt» gewesen und habe die Entstehung grösserer Schäden befürchtet.

Vom Chefredaktor zum CEO

Geschäftsführer der neuen Jean Frey AG wird Filippo Leutenegger, bisheriger Chefredaktor von SF DRS. Das Angebot sei «relativ kurzfristig» gekommen, sagte er. Wie es mit den Jean-Frey-Produkten weitergehe, werde sich nun zeigen.

«Es sind alles Perlen und teils eigentliche Institutionen», sagte Leutenegger. Ihr Weiterbestand sei deshalb von grossem Interesse. Dies sei jedoch nur in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen möglich. Er sehe durchaus Möglichkeiten zu Kosteneinsparungen oder Mehreinnahmen. Von einem Arbeitsplatzabbau ist bisher nichts bekannt.

Den für die «Weltwoche» vorgesehenen Relaunch will Leutenegger nochmals genau analysieren. Die renommierte Wochenzeitung ist laut swissfirst-Finanzchef Knell die einzige «Verlustquelle» des Verlags.

Kaufpreis (nicht ganz) unbekannt

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Ganz im Dunkeln liegt er aber nicht: Das Transaktions-Volumen liegt insgesamt zwischen 90 und 110 Mio. Franken.

Darin inbegriffen seien der eigentliche Kaufpreis und die vorgesehene Kapitalerhöhung von 20 bis 30 Mio. Franken. 4 – 6% des gesamten Transaktions-Volumens streicht die swissfirst Bank als Gewinn ein.

Noch ist der Handel allerdings nicht perfekt: Es fehlt noch eine Unbedenklichkeits-Erklärung der Wettbewerbskommission. Wie Knell sagte, ist sie in den nächsten Wochen zu erwarten.

Reaktionen skeptisch

Der Schweizer Verband der Journalistinnen und Journalisten zeigte sich schockiert, dass die Jean Frey offenbar zum Spekulationsobjekt verkommen solle. Es sei zu befürchten, dass kritischer Wirtschaftsjournalismus bei den Jean Frey-Titeln in noch grösserem Ausmass verunmöglicht werde als bisher.

Die comedia will gewährleistet haben, dass die neuen Besitzer die Mitverantwortung für die Schweizer Medienlandschaft übernehmen und diese nicht kurzfristigem Profit opfern.

Medienwissenschafter Roger Blum wertete den Kauf der Jean Frey durch die swissfirst Bank als Überraschung. «Das fehlende Know-how müssen sich diese Leute erst beschaffen», sagte er. Ein Novum sei der Coup allerdings nicht, weder für das Verlagswesen als solches noch für Jean Frey; 1987 war die Jean Frey AG an den Financier Werner K. Rey gegangen.

swissinfo und Agenturen

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