Langsam Klarheit für Personal
Das Bodenpersonal sowie das Swissair-Kabinenpersonal sollen mehr Lohn erhalten. Die Piloten müssen weitere Abstriche in Kauf nehmen. Der Verkauf von Swissair-Töchtern kommt derweil voran.
Beim Bodenpersonal ist das Lohnniveau bei der neuen Crossair im Vergleich zur Swissair durchschnittlich fünf bis maximal zehn Prozent tiefer, wie Crossair am Freitag in Basel bekannt gab.
1300 Vollzeitstellen von Swissair-Bodenpersonal
Um einschneidende Härten zu vermeiden, hat der Crossair-Verwaltungsrat beschlossen, das Lohnniveau beim Bodenpersonal für alle Mitarbeitenden generell um drei Prozent zu erhöhen. Weitere zwei Prozent werden in Form von individuellen, leistungsbezogenen Lohnerhöhungen ausgezahlt.
Sämtliche Mitarbeitende erhalten zudem zwei zusätzliche Ferientage, was einer weiteren Aufbesserung um ein Prozent entspricht. Bis spätestens Mitte nächsten Jahres soll ein erster Gesamtarbeitsvertrag für das Bodenpersonal festgelegt werden. Geplant ist, dass Crossair rund 1300 Vollzeitstellen des Swissair-Bodenpersonals übernimmt.
2500 Swissair-Leute fürs Fliegen
Das fliegende Personal wird durch den Übertritt von Swissair zu Crossair wieder besser gestellt. Crossair werde ab Anfang April die Mindestlöhne für Flight-Attendants wieder auf 3400 Franken anheben, sicherte Crossair-Personalchef Kurt Renggli zu.
Rund 2500 Vollzeitstellen will Crossair von der Swissair übernehmen. Bis Ende Januar solle ein angepasster Gesamtarbeitsvertrag vorliegen.
Noch Auseinandersetzung mit den Piloten
Noch offen ist, was mit den Piloten geschieht, wie Renggli sagte. Vorgesehen ist, dass knapp 800 Vollzeitstellen übernommen werden. Sie hätten bis jetzt Abstriche im Umfang von rund 30 Prozent gemacht. Das reiche aber noch nicht aus.
Renggli wies darauf hin, dass am Kostendach nichts mehr verändert werden könne. Wenn also beispielsweise die Aeropers auf höheren Löhnen beharre, könnten entsprechend weniger Piloten übernommen werden. Verhandlungen mit den Piloten sollen gleich zum Jahresbeginn aufgenommen werden.
Bei den Piloten deuten sich noch harte Verhandlungen an. Die Crossair will für den GAV weiterhin nur den Verband der Crossair-Piloten CCP als Vertragspartner. Die Swissair-Piloten-Gewerkschaft Aeropers könne ihre Anliegen in Gesprächen mit dem CCP einbringen.
Dies stösst Aeropers sauer auf: Crossair-Chef André Dosé und Personalchef Kurt Renggli hätten am Montag bei der Sitzung der Task Force Swissair Personal einen Anspruch der Aeropers auf Teilnahme an den GAV-Verhandlungen bestätigt, hiess es in einem Aeropers-Communiqué.
Weiterhin keine Sozialplan-Mittel aus Swissair-Nachlass
Derweil gibt es für die Entlassenen bei der Swissair keine positiven Nachrichten. Das Personal der in Nachlassstundung stehenden Swissair-Gesellschaften erhält vorerst kein Geld aus den Nachlassmassen. Swissair-Sachwalter Karl Wüthrich bekräftigte gemäss wöchentlichem Lagebericht vom Freitag, dass ihm die Finanzierung von Sozialplänen vorerst verwehrt sei.
Sofern Ende März das Projekt Phoenix Plus für eine neue nationale Fluggesellschaft endgültig implementiert werde und sobald feststehe, dass die privilegierten Forderungen der Arbeitnehmer mit Sicherheit durch die Aktiven der Gesellschaften gedeckt seien, könne eine allfällige Finanzierung von Sozialplänen in Betracht gezogen werden, schrieb Wüthrich.
Übernahme von Atraxis durch EDS definitiv
Derweil kommt der Ausverkauf von Tochterfirmen des zusammengebrochenen Swissair-Konzerns weiter voran: Die Informatikfirma Atraxis wird definitiv vom EDS-Konzern übernommen, die Swissair Flight Support AG von einer Lufthansa-Tochter.
Die Übernahme der Swissair-Informatiktochter Atraxis durch den US-Konzern EDS wurde laut einem Sprecher der zusammengebrochenen Luftverkehrsholding Swissair Group vom zuständigen Zürcher Nachlassrichter genehmigt. EDS erbringt künftig die Dienstleistungen für die ehemaligen Atraxis-Kunden. Über die finanziellen Einzelheiten wurde Stillschweigen vereinbart.
Ein Teil der Atraxis-Belegschaft in der Schweiz, in Südafrika und in den USA werde zu EDS wechseln. In der Schweiz gebe es für jene, die nicht zu EDS wechseln einen Sozialplan.
Swissair Flight Support AG geht an Lufthansa
Auch für einen Grossteil der Beschäftigten der Flight Support AG (SFS) gibt es eine Lösung: Die zur Lufthansa Systems gehörende Lido GmbH übernimmt auf 1. Dezember 2001 die auf Flugbetriebsunterstützung spezialisierte Swissair-Tochter. Über den Verkaufspreis ist Stillschweigen vereinbart worden. Betroffen sind vom Wechsel rund 70 Personen.
Die SFS unterstützt Piloten mit Navigationsdaten und Flugbetriebs-Dokumentationen, beispielsweise zu Wetter, Flugbahnkontrolle oder Flugplanung. Die Firma kommt gemäss eigenen Angaben auf einen Jahresumsatz von 20 bis 25 Mio. Franken.
swissinfo und Agenturen
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