Mehr Transparenz!
Die Parlaments-Kommission für Wirtschaft und Abgaben verlangt mehr Transparenz bei Tantiemen für Verwaltungsräte. Börse und Wirtschaft sollen aktiv werden.
Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats (WAK) hat einem entsprechenden Parlamentarischen Vorstoss des Waadtländer SP-Nationalrats Pierre Chiffelle einstimmig zugestimmt. «Mit der Annahme dieser Initiative setzt die Kommission ein politisches Zeichen», sagte Alexandre Füzesséry vom Kommissions-Sekretariat gegenüber swissinfo. «Wir erwarten, dass Wirtschaft, Börse und economiesuisse selber aktiv werden und Richtlinien ausarbeiten. Sonst wird die Kommission im Rahmen des Obligationenrechts (OR) Änderungen vorschlagen.»
Wirtschaft signalisiert Bereitschaft
Die Schweizer Börse hat gemäss einem Auftrag der Bankenkommission eine so genannte «Transparenz-Linie» ausgearbeitet. Dazu gehört die Offenlegung der Entschädigung für Verwaltungsräte. Jenen kotierten Unternehmen, welche diese Offenlegungs-Pflicht nicht erfüllten, drohe der Ausschluss von der Börse, erklärt Thomas Pletscher, Geschäftsleitungs-Mitglied von economiesuisse, gegenüber swissinfo.
Laut Pletscher entsprechen diese Vorschläge internationalen Standards, und die Schweiz liege damit in Sachen Transparenz weltweit nahe der Spitzengruppe.
Transparenz gegen Argwohn
Für den Initianten Pierre Chiffelle ist mehr Transparenz bei Verwaltungsrats-Honoraren absolut notwendig. Ihm gehe es nicht darum aufzuzeigen, dass Verwaltungsräte in der Schweiz «schockierende Tantiemen» kassierten, betonte Chiffelle in der Lausanner Zeitung «24 heures.» «Es geht um Transparenz. Und die fördert das Vertrauen.»
Debatte im Frühjahr
Die in der Kommission unumstrittene Initiative Chiffelles wird in der März-Session der eidgenössischen Räte zur Debatte kommen. Sollte das Parlament zustimmen, so würde sich die WAK dann an die Arbeit machen: Folgen könnten Änderungen im Aktien- und Obligationenrecht sowie im Börsengesetz sein.
Die Europäische Union (EU) kennt das Prinzip der Transparenz bereits seit 1983, als entsprechende Richtlinien eingeführt wurden. Und auch die USA sind ins Sachen Offenlegung der Schweiz einen Schritt voraus.
Mehr Transparenz auch bei Kaderlöhnen
Nicht nur die Entschädigungen für Verwaltungsräte, auch die Saläre von Topmanagern sorgen für heisse Köpfe. Eine Ständerats-Kommission hat nun einer Parlamentarischen Initiative von Christiane Brunner (SP/Genf) Folge gegeben, die Spitzenlöhnen in bundeseigenen Betrieben Höchstgrenzen setzen soll.
Ausgangspunkt der Initiative war laut Kommissions-Präsident Franz Wicki das Unbehagen über die im letzten Jahr bekannt gewordenen massiven Lohnerhöhungen in den Chefetagen von Bahn und Post. Brunner will dem Bundesrat künftig mehr Kompetenzen einräumen bei der Festlegung von Kaderlöhnen in Bundesbetrieben und Lohntransparenz sicherstellen.
Auch SVP-Nationalrat Christoph Blocher hat vor, mit einem Parlamentarischen Vorstoss dieses Thema aufs Tapet zu bringen. Es sei untolerierbar, wenn Manager «auch dann dick abkassieren, wenn sie versagen», so Blocher. Blochers Vorwurf richtet sich gegen den Lohnvorbezug von 12,5 Mio. Franken, den Swissair-Chef Mario Corti bezogen hatte.
Gaby Ochsenbein
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch