«Positive Zwischenbilanz»
An Ostern hebt die swiss ab, in einer Partnerschaft mit American Airlines. Für die Schweizer Presse Grund zu verhaltenem Optimismus.
Noch vor 5 Monaten gab es eine kleine regionale Fluggesellschaft namens Crossair und die marode Swissair. Nun wird am Ostersonntag die neue Schweizer Airline «swiss» abheben.
Mit einigem Stolz hat swiss-Chef André Dosé am Dienstag – an der letzten öffentlichen Orientierung vor dem Take-off – unter anderem die Partnerschaft mit American Airlines verkündet.
«Es ist beeindruckend, was swiss-Firmenchef André Dosé und seine Mitarbeiter seit vergangenem Oktober geleistet haben», so das Urteil am Mittwoch im Berner «Bund». Alles in allem zieht das Blatt eine «positive Zwischenbilanz».
Auch die «Neue Zürcher Zeitung» findet: «Vorbereitungen für nahtlosen Übergang weit gediehen.»
Allianzfrage altbekanntes Problem
Zu schreiben gibt vor allem die neue Partnerschaft: «Die grösste und die ‚beste‘ Airline fliegen Hand in Hand», so die «Aargauer Zeitung».
Allerdings ist es eben nur erst eine Partnerschaft, noch konnte die swiss der entsprechenden Allianz Oneworld nicht beitreten.
«Dieses Ziel wurde bisher nicht erreicht. Das ist der gravierendste Mangel an den Startvorbereitungen», schreibt die «Berner Zeitung». Und weiter:
«Bei der Allianzfrage kämpft ’swiss‘ mit dem Problem, das schon der Swissair stark zu schaffen machte. Offensichtlich ist eine Schweizer Fluggesellschaft zu klein für den Alleingang und zu gross, um problemlos von einer starken Allianz aufgenommen zu werden.»
Knackpunkt ist, dass die swiss für einen Beitritt mit jeder einzelnen Airline der Allianz verhandeln muss. Die «Neue Zürcher Zeitung» dazu:
«Das Ergebnis dieser Verhandlungen lässt sich nicht abschätzen; es ist hinlänglich bekannt, dass sich British Airways gegen die Einladung der swiss in diesen exklusiven Klub stemmt, und zwar nicht nur wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken auf der Strecke London-Zürich.»
Für Party noch zu früh
Die Genfer Zeitung «Le Temps» blickt voraus und weiss schon heute: «Les premières semaines seront cruciales.» – Die ersten Wochen werden entscheidend sein.
Verspätungen dürfe es nicht geben, kein Gepäckstück dürfe verloren gehen, immer müsse überall eine Ansprechperson da sein.
Dabei gibt die «Basler Zeitung» zu bedenken: «Die swiss hat nur einen Versuch.»
Es sei, so die «Handels-Zeitung», ein «Take-off in eine ungewisse Zukunft».
Der «Tages-Anzeiger» betont, die swiss habe «die Ziele fürs Erste mit so viel Bedacht gesteckt, dass sie kaum zu verfehlen sind».
Für die Party sei es aber zu früh: «Bisher ist das Unternehmen mit den anvertrauten Steuergeldern verantwortungsvoll umgegangen. Dies ist aber nur die Pflicht und noch lange nicht die Kür.»
Eva Herrmann
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