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Rote Zahlen und Kostenbremse

Krise bei ABB Keystone Archive

ABB weist für das dritte Quartal einen Verlust von 183 Mio. Dollar aus. Die Nettoverschuldung erhöhte sich auf 5,5 Mrd. Dollar.

Der Konzern will in den kommenden 18 Monaten zusätzliche 800 Mio Dollar einsparen. Ein weiterer Stellenabbau wird folgen.

ABB’s Zukunft steht einmal mehr in den Sternen. Die Wirtschaftsflaute und eine horrende Verschuldung machen dem Konzern zu schaffen. Das Unternehmen präsentierte dementsprechend enttäuschende Zahlen für das dritte Quartal 2002 und kündigte weitere Entlassungen an.

Weitere Entlassungen

Bereits im Rahmen des 2001 gestarteten Restrukturierungs-Programm waren weltweit 13’100 Arbeitsplätze gestrichen worden.

Heute arbeiten rund 150’000 Personen für den Konzern. Gemäss CEO Jürgen Dormann stellt ein Personalabbau den «Schlüsselfaktor» zur Erreichung des Sparziels dar. Laut der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG würden vorwiegend Mitarbeiter in den Stäben und in der Konzernführung betroffen sein, die in der Agglomeration Zürich beschäftigt sind. Das Unternehmen will im November weitere Informationen liefern.

Der Angestelltenverband (VSAM) befürchtet einen weltweiten Abbau von bis zu 20’000 Arbeitsplätzen. Allerdings seien die Schweizer ABB-Gesellschaften laut VSAM bereits restrukturiert worden und würden profitabel arbeiten.

Konzentration auf das Kerngeschäft



Mit der angekündigten Straffung der Divisionen wird sich der Konzern künftig auf die beiden neuen Divisionen Energietechnik (ehemalige Divisionen Versorgungsunternehmen und Energietechnik-Produkte) und Automationstechnik (Automationsprodukte und Industrieunternehmen) konzentrieren.
Die Division Group Processes wird aufgelöst, die Division Öl, Gas und Petrochemie verkauft oder in ein Joint Venture eingebracht. Letztere trug 2001 rund 15% zum Gesamtumsatz und fast 30% zum operativen Gewinn bei und beschäftigt 12’000 Personen. Diese Division ist nicht in der Schweiz angesiedelt.

Die Konzernleitung wird infolge der Restrukturierung von acht auf sechs Mitglieder reduziert. Das Management wird sich in den kommenden Monaten intensiv mit dem massiven Vertrauensverlust befassen müssen. CEO Dormann nahm die Schuld am eingetretenen Vertrauensverlust auf sich. Es sei ein Fehler gewesen, kurz nach seinem Antritt als Konzernchef Anfang September die Ertrags- und Umsatzprognosen zu bestätigen, sagte er. Anfang Woche hatte der CEO mit einer Gewinnwarnung die Investoren verärgert.

Massive Verschuldung



Der Verlust von 183 Mio. Dollar im dritten Quartal beschert dem Konzern für die ersten neun Monate 2002 einen Verlust von über 80 Mio. Dollar. Der Betriebsgewinn ist gegenüber dem Vorjahresquartal um über 60% eingebrochen. Der Konzern begründete den Einbruch mit der schwachen Konjunktur, höheren Projektabwicklungs-Kosten sowie den laufenden Restrukturierungs-Kosten.

Wie Damokles-Schwerter hängen ausserdem die Schadenersatzforderungen bezüglich der Asbestklagen und die massive (Netto)Verschuldung über dem Konzern. Diese hatte sich von Ende Juni bis Ende September um 300 Mio. Dollar auf 5.5 Mrd. Dollar erhöht. Der Konzern begründete diesen Anstieg mit höheren operativen Ausgaben.

Trotzdem hält CEO Dormann bis Ende Jahr eine Reduktion des Schuldenbergs um 1.5 Mrd. Dollar für realistisch.

Skepsis bei den Experten

Die Analysten bleiben skeptisch, das Vertrauen sei mit den neuesten Informationen nicht zurückgewonnen. Laut Andres Gujan, Analyst bei der Bank Vontobel ist sogar ein Bankrott nicht auszuschliessen. Sein Kommentar: «Die Situation ist sehr entmutigend.»

swissinfo, Elvira Wiegers

Geschäftszahlen

Verlust 3. Quartal 2002: 183 Mio. Dollar
Verlust Jan.-Sept. 2002: 82 Mio Dollar

Nettoverschuldung Ende Juni 2002: 5,2 Mrd. Dollar
Nettoverschuldung Ende September 2002: 5,5 Mrd. Dollar

Umsatz 3. Quartal 2002: 5,5 Mrd. Dollar
Umsatz Jan.-Sept. 2002: 16 Mrd. Dollar

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