Spannung um Strom wächst
Schweizer Netzbetreiber kritisieren die italienische Behörde für Stromkapazitäten (AEEG) scharf. Die jüngste Verordnung diskriminiere den Schweizer Stromimport.
Der Grund der Empörung: Die Energiebehörde AEEG (Autorita Energia Elettrica e Gas) beschloss in ihrer jüngsten Verordnung, in Zukunft die Stromimporte aus Frankreich auf 2600 Megawatt zu erhöhen. Dies entspreche rund 50% der Kapazitäten, teilten die Schweizer Netzbetreiber am Freitag in einem Communiqué mit.
Die bestehenden Leitungen zwischen Frankreich und Italien seien aber für eine derart hohe Belastung nicht geeignet. Bisher importierte Italien rund 65% aus der Schweiz und lediglich 35% aus Frankreich. Das neue Abkommen kann für die Schweiz einen Verlust von mehreren Dutzend Millionen Franken bedeuten.
Schweizer Strommarkt diskriminiert
Durch die Verordnung müsste mindestens eine der acht Transitleitungen durch die Schweiz stillgelegt werden. Diese Massnahme diskriminiere den Schweizer Strommarkt und missachte internationale Vereinbarungen, hiess es.
Die Netzbetreiber weisen ausserdem darauf hin, dass die AEEG ihre Entscheidung lediglich in Absprache mit der französischen Energiebehörde und ohne Einverständnis der Schweiz getroffen habe. Die Netzbetreiber, allen voran die atel Aare-Tessin AG und die Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg AG, prüfen nun, juristisch oder technisch gegen die italienischen Behörden vorzugehen.
BFE will nicht einschreiten
Ob die Verordnung tatsächlich gegen internationale Abkommen verstösst, konnte das Bundesamt für Energie (BFE) nicht bestätigen. Grundsätzlich gehöre der Stromhandel der Privatwirtschaft, sagte Adrian Lüthi vom BFE. Es bestehe weder ein Auftrag noch eine gesetzliche Grundlage, hier aktiv zu werden.
swissinfo und Agenturen
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