Nur der soziale Aufstieg ermöglicht Integration
Ausländer in der Schweiz wählen ihren Wohnort auf Grund ihres sozialen Hintergrundes und ihres Einkommens, wie eine Studie zeigt.
Italiener leben in «Little Italy», die Chinesen in «China town» – dies stimmt in der Schweiz so nicht, zeigt eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Die Annahme, wonach immer mehr Ausländer aus immer ferneren Gebieten dazu geführt hätte, dass sich in einzelnen Schweizer Städten «Ghettos» bildeten, hält einer genauen Analyse nicht stand.
Finanzielle Situation ist bestimmend
Vielmehr bestimme die finanzielle Situation die Wahl des Wohnorts. «Wer es sich leisten kann, egal ob Schweizer oder Ausländerin, zieht in bessere Wohngegenden», konstatiert Andreas Wimmer, Ethnologe an der Universität Zürich und Verantwortlicher der Studie.
Selbst in eigentlichen Immigranten-Quartieren hänge die soziale Rangordnung nicht primär vom Pass, sondern vom Anpassungsgrad an die bestehende Ordnung ab.
Der Wille zur Anpassung von Immigranten der zweiten Generation unterscheidet sich ein wenig von derjenigen ihrer Eltern. Die Kinder von Einwanderern, so genannte «Secondos», versuchten sich oftmals bewusst vom kleinbürgerlichen Schweizer Alltag abzugrenzen, um sich selbst zu bestätigen, wie es heisst.
Neue haben’s schwierig
Alle Befragten, Schweizer wie Ausländer, lehnten neu Zugewanderte – etwa aus dem ehemaligen Jugoslawien – ab, so die Untersuchung. Diese Menschen sind tatsächlich noch nicht integriert in die «Schweizerische Ordnung» und werden daher an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Die Studie des Nationalfonds stützt sich auf Befragungen im Zürcher Hardquartier, im Basler St. Johann-Quartier und im Berner Nordquartier. Sie berücksichtigte Schweizerinnen und Schweizer wie auch italienische und türkische Migranten, die jeweils mindestens drei Jahre im Quartier wohnten und alle der Schicht von Arbeitern und einfachen Angestellten angehören.
Trotzdem unter sich, wenn auch nicht in «Wohn-Ghettos»
Gezeigt hat die Studie weiter, dass es eine starke «Binnenorientierung» bei der Wahl vor allem der engen Beziehungen gibt. Deswegen erwartet die SNF-Forschergruppe von einer Politik der Bevölkerungs-Durchmischung etwa im Rahmen von Integrationsprogrammen nur bedingte Erfolge im Hinblick auf soziale Kontakte. Im Bereich der persönlichen Beziehungen ändere sich dadurch nichts.
Auch von der Schule könne nicht erwartet werden, dass sie «Eingewanderte mit Altansässigen im Beziehungsalltag verbindet», wie es heisst. Allgemein überschätzt werde auch die kulturverbindende Wirkung von ausländischen Vereinen.
Die Verantwortlichen der Studie ziehen einen einfachen Schluss: Der soziale Aufstieg insbesondere der zweiten Generation von Immigranten müsse das oberste Ziel sein, um eine dauerhafte räumliche Segregation auch längerfristig zu verhindern.
swissinfo und Agenturen
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