Umfrage: Schweizer Bevölkerung wünscht mehr Kooperation mit der Nato
Jährlich messen die Militärakademie Milak und die ETH Zürich die Einstellung der Bevölkerung gegenüber der Welt, der Armee und der Neutralität. Die Studie zeigt: Der Wunsch nach einer starken Armee und mehr internationaler Kooperation ist gewachsen.
Die Weltlage ist düster: Russland führt im fünften Jahr Krieg gegen die Ukraine. China rüstet massiv auf. Und die USA führen Krieg gegen den Iran, Trump schielt auf Grönland und droht der Nato mit weniger militärischer Unterstützung.
Hören Sie den Beitrag von SRF:
Da überrasche es nicht, dass in der Schweiz der Rückhalt der Armee steige, kommen die Verantwortlichen der jährlichen Umfrage «Sicherheit 2026» der Militärakademie (Milak)Externer Link zum Schluss. «Unsere Erklärung ist die unsichere weltpolitische Lage», sagt Militärsoziologe Tibor Szvircsev Tresch von der Milak. Man merke, dass Krieg in der Ukraine sei. Damit stiegen die Umfragewerte zur Notwendigkeit der Schweizer Armee. Die gleichen Muster habe die Milak bereits beim Jugoslawienkrieg beobachten können.
Nato-Annäherung ja, aber kein Beitritt
Skeptisch sind die Schweizerinnen und Schweizer gegenüber einer autonomen Landesverteidigung. 56% der Befragten finden, die Schweiz müsse vermehrt mit den Nato-Ländern zusammenarbeiten.
Damit ist eine Annäherung an das westliche Verteidigungsbündnis mehrheitsfähig, aber nicht ein Beitritt. Doch die Unterstützung dafür ist mit einem Drittel der Bevölkerung so hoch wie noch nie.
Damit hat auch die Akzeptanz der Neutralität gelitten. Sie steht zwar prinzipiell mit 85% hoch im Kurs. Die Wissenschaftler der Milak sagen, das Neutralitätsprinzip werde breit akzeptiert: Dagegen werde der sicherheitspolitische Nutzen «immer stärker hinterfragt in der Schweizer Bevölkerung», ergänzt Militärsoziologe Szvircsev Tresch.
So sagen inzwischen 43%, ein Beitritt zu einem europäischen Sicherheitsbündnis würde mehr Schutz bieten als die Neutralität. Das sind 20 Prozentpunkte mehr als früher.
Mehrheit will keine zusätzlichen Armeemittel
Bezüglich der Armeefinanzierung gibt es aktuell drei gleich grosse Lager. Eines will mehr Geld für die Armee, das zweite findet, es werde gerade genug ausgegeben, und das dritte findet, es sei zu viel. Jenes Lager, das mehr Geld in die Armee investieren will, wächst, so die Umfrage weiter. Trotzdem wünscht eine Mehrheit, nicht mehr Geld auszugeben für die Armee.
Alles in allem kommt der Militärsoziologe zum Schluss: Das Bild der Schweiz als eine Insel der Glückseligen hat Risse bekommen. «Es ist jetzt nur noch eine Halbinsel der Glückseligen. Man merkt, dass man einen Zugang zum Rest der Welt hat und auch die Schweiz betroffen ist von diesen internationalen Krisen», sagt Szvircsev Tresch.
Der Rückhalt der Armee steigt. Gleichzeitig wächst in der Bevölkerung die Überzeugung, die Armee alleine schütze das Land nicht. Es brauche mehr Zusammenarbeit mit den Nachbarländern und Nato-Staaten.
Mehr
Unser Newsletter zur Aussenpolitik
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch