Bundesrat Samuel Schmid: Besonnener Kämpfer für den Mittelstand
Samuel Schmid, Anwalt und Notar, politisiert seit drei Jahrzehnten für die Schweizerische Volkspartei (SVP) und gehört zu den prominentesten Vertretern des Berner Flügels der Partei. Er gilt als Baumeister von Kompromissen über die Parteigrenzen hinweg.
Mit der Wahl in den Gemeinderat 1971 begann Schmids politische Karriere. Von 1973 bis 1982 war er Gemeindepräsident von Rüti. 1982 folgte die Wahl ins Kantonsparlament, dem Schmid bis 1993 angehörte. Der Sprung ins Bundesparlament folgte 1994. Bis 1999 gehörte Schmid dem Nationalrat an. Bei den Wahlen im Herbst 1999 wurde er als Nachfolger von Ulrich Zimmerli schliesslich in den Ständerat gewählt.
Im Schatten des Bruders
Schmids politische Laufbahn stand lange Zeit im Schatten derjenigen seines älteren Bruders Peter, der vom SVP-Generalsekretariat aus den Sprung in die Berner Kantonsregierung geschafft hatte. Landesweit bekannt wurde Samuel Schmid dann aber als Präsident der SVP-Fraktion der Bundesversammlung in den Jahren 1998 und 1999. Dabei kreuzte er verschiedentlich die Klinge mit seinem Zürcher Parteikollegen Christoph Blocher.
Anderer Ansicht als die Partei
Schmids politische Ansichten stimmen nicht immer mit denjenigen seiner Partei überein. So hat er sich gegen die «Zuwanderungs-Initiative» ausgesprochen, die den Anteil der ausländischen Bevölkerung in der Schweiz auf 18 Prozent beschränken wollte; die Asylinitiative jedoch unterstützt er. Schmid befürwortet einen UNO-Beitritt der Schweiz sowie das Militärgesetz; einen baldigen EU- oder Nato-Beitritt lehnt er indessen ab. Wie sein Vorgänger Bundesrat Adolf Ogi ist Schmid für Auslandeinsätze der Schweizer Armee im Bereich von friedenserhaltenden Aktivitäten.
Sowohl in aussenpolitischen Fragen wie auch bei der Gold-Initiative und anderen Vorstössen aus der Zürcher SVP-Küche war Schmid meist auf der Verliererseite. Umso mehr Respekt wird dem bedächtig wirkenden Berner in den Fraktionen der bürgerlichen Regierungspartner und selbst bei der SP entgegengebracht. «Ich bin zuerst der Verfassung, nicht der Partei verpflichtet», kommentiert Schmid sein Verhältnis zur Partei.
Für den Mittelstand
Schmid versucht, wie er in Interviews immer wieder sagt, die persönlichen politischen Ziele zugunsten des Mittelstandes zu realisieren. Der Mittelstand respektiere, so Schmid, Staat und Behörden, ohne ihnen zu verfallen; er gebe dem Staat Kompetenzen, wolle ihn aber auch kontrollieren; er helfe den bedürftigen und fördere ein sicheres Sozialnetz; er wolle Chancen-Gleichheit und damit ein gutes Bildungs- und Weiterbildungssystem.
In Rüti bei Büren ist der neugewählte Bundesrat am 8. Januar 1947 geboren. Er studierte an der Universität Bern Jurisprudenz und arbeitet heute in seinem Geburtsort als Fürsprecher und Notar. Er ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Im Militär bekleidet er den Rang eines Oberst. In seiner Freizeit geht er mit seinen Hunde Lara und Burga spazieren oder fliegt mit dem Flugsimulator auf dem PC.
Carole Gürtler
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