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US-Präsidentschaftswahlen: Tausende Amerikaner haben in der Schweiz bereits gewählt.

Polit-Auguren sprechen von den möglicherweise knappsten Präsidentschaftswahlen in den USA seit 1960. Es könnte also durchaus sein, dass die im Ausland lebenden Amerikanerinnen und Amerikaner bei diesen Wahlen das Zünglein an der Waage spielen.

«Das Interesse an den Wahlen war unglaublich», meint Kevin Crowley, der Vorsitzende der in Europa lebenden Republikaner mit Sitz in Genf. Seiner Ansicht nach ist mit dem kappsten Wahlresultat zu rechnen, seit John F. Kennedy 1960 Richard M. Nixon nur um wenige hunderttausend Stimmen schlug.

Sein demokratischer Gegenspieler David Dichter stimmt zu und weist darauf hin, dass die Zahl der amerikanischen Staatsbürger, die sich in die Wahlregister eintragen liessen, rekordverdächtig sei. Seinen Landsleuten sei bewusst, dass ihre Stimme entscheidend sein könnte.

«Die Zahl der Leute, die mich kontaktierten, war noch nie so hoch», meint Dichter. Tag für Tag hätten ihn aus der ganzen Schweiz compatriots angerufen, um ihn zu fragen, wie sie an den Wahlen teilnehmen könnten.

Die Stimmzettel sind alle längst abgegeben, denn sie müssen bis zum Wahltag am jeweilig letzten Wohnort in den USA eingetroffen sein. Beide Parteien haben sich sehr bemüht, die Wählerinnen und Wähler in den vergangenen Monaten zu kontaktieren und ihnen bewusst zu machen, wie entscheidend ihre Wahlteilnahme sein könnte.

«Es hat einige Wahlkämpfe gegeben, die durch die Stimmen aus Uebersee entschieden wurden. Der Stimmenanteil der Ausland-Amerikaner kann bis zu zwei, drei Prozent ausmachen, was in einem knappen Rennen wie diesem durchaus den Ausschlag geben kann», sagt Kevin Crowley.

So haben offenbar die Stimmen aus Uebersee vor vier Jahren dazu beigetragen, die republikanische Mehrheit im Kongress zu halten. Denn rund 15 Sitze wurden mit Mehrheiten gewonnen, die nicht grösser waren als die Zahl der Wahlzettel aus dem Ausland.

In diesem Jahr wird nicht nur der Präsident gewählt, sondern auch das ganze Repräsentantenhaus, ein Drittel des Senats und die Gouverneure in mehreren Bundesstaaten.

Es gibt einige Hauptthemen, die von den beiden Parteien besonders betont wurden, um die Unterstützung der sogenannten expatriates, der im Ausland lebenden Landsleute, zu gewinnen. So legen die Republikaner z.B. besonderen Wert auf das Problem der Doppelbesteuerung und die Tatsache, dass amerikanische Staatsbürger im Ausland von der diesjährigen Volkszählung ausgeschlossen wurden.

Die Demokraten wiederum sind der Ansicht, dass die Aussenpolitik eine Trumpfkarte sein könnte: «Hier in der Westschweiz arbeiten viele Amerikanerinnen und Amerikaner für die UNO oder andere internationale Organisationen», erklärt David Dichter. «Sie erleben, dass die Demokraten die internationalen Organisationen sehr unterstützen und dass die Partei ihre Interessen vertritt. Sie machen sich Sorgen, wenn sie sehen, dass Leute wie (der Republikanische Senator) Jesse Helms die Aussenpolitik diktieren», sagt Dichter.

Dichter und Crowley sind beide Mitglieder der grossen amerikanischen Gemeinde in Genf. Der American International Club organisiert in der Regel die grösste Feier anlässlich des Nationalfeiertages am 4. Juli ausserhalb der Vereinigten Staaten. Daran nehmen rund 50’000 Menschen teil.

Am Dienstag wird der American International Club eine Wahlparty veranstalten, die bis weit in den Morgen hinein dauert. Demokraten und Republikaner werden dabei unbekümmert feiern bis der ernstere Teil der Wahlnacht beginnt und die eintreffenden Resultate Aufschluss darüber geben, ob George W. Bush oder Al Gore gewonnen haben.

Roy Probert


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