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Die Mobilisierung der französischen Diaspora

Die Residenz der französischen Botschaft in Bern.

Mehr als 92'000 Franzosen in der Schweiz sind auf den konsularischen Listen eingetragen, um am 22. April und 6. Mai ihren Präsidenten oder ihre Präsidentin zu wählen. Dreimal so viel wie 2002.

Eine Annäherung an die französische Gemeinde in der Schweiz zusammen mit Jean-Pierre Capelli, Präsident der Vereinigung der Schweizer Franzosen (AFS).

Die Zahl der expatriierten Franzosen, die auf den konsularischen Wahllisten eingetragen sind, haben sich seit den letzten Präsidentschaftswahlen praktisch verdreifacht.

Ein Phänomen, das nicht alleine auf das Charisma der Kandidaten von 2007 zurückzuführen ist, sondern auf eine administrative Erneuerung, eine Computerisierung und eine starke Mobilisierung durch das französische Aussenministerium.

Diaspora mit grossem Gewicht

Die französische Diaspora ist für die Wahlen von grosser Bedeutung: Ihr Gewicht könnte bei einem knappen Resultat ausschlaggebend sein. Erinnern wir uns nur an die letzten Wahlen in Italien, bei denen die Auslanditaliener, insbesondere jene aus der Schweiz, den Ausschlag zugunsten von Romano Prodis Union gegeben hatten.

«In der Schweiz sind rund 92’000 Franzosen registriert. 76’000 von ihnen dürften in den 59 Wahlbüros ihre Stimme abgeben. Das ist eine enorme Herausforderung!», stellt Jean-Pierre Capelli, Präsident der der Vereinigung der Schweizer Franzosen (AFS) und Berater des Auslandfranzosen-Rates (AFE) fest.

Zunehmender Ansturm

Die zunehmende Zahl von Registrierten in der Schweiz erklärt sich auch durch ein demografisches Phänomen: «Seit den 1990er-Jahren hat es einen stetig steigenden Zustrom von Franzosen, der seit 2002 infolge der bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU noch gestiegen ist», sagt Jean-Pierre Capelli.

Die französische Gemeinde in der Schweiz ist mittlerweise die grösste Auslandfranzosengruppe. Hat das mit dem Berufsprofil zu tun? «Die Schweiz repräsentiert soziologisch gesehen Frankreich. Am Genfersee zum Beispiel hat sich ein bedeutender Anteil an Rentnern niedergelassen», so Jean-Pierre Capelli.

Steuerflüchtlinge

Und dann sind da noch die berühmt-berüchtigten Steuerflüchtlinge. Gemäss einer jüngst veröffentlichten Studie leben über 4000 in der Schweiz, davon weit über 1000 Franzosen. «Es stimmt, dass für die Franzosen in Frankreich ein Franzose in der Schweiz Banker und reich ist! Auch wenn die Realität eine andere ist.»

Jean-Pierre Capelli ist ein überzeugter Sozialist, im Gegensatz zu den Schweiz-Franzosen, die traditionsgemäss mehrheitlich der politischen Rechten angehören. Aber die Zahlen ändern sich.

«Als ich 1984 in den Auslandfranzosen-Rat gewählt wurde, hatten die Rechten einen Anteil von 75%, die Linken von 25%. 1995 kam die Rechte auf 58, die Linke auf 42%. Es gibt also eine Veränderung. Für dieses Jahr wird man sehen!»

Ein Unbehagen?

Laut Jean-Pierre Capelli wurden die Franzosen im Ausland lange Zeit zu wenig wahrgenommen. Ein Phänomen, das sich mit der diesjährigen Präsidentschaftswahl ändern werde.

Für ihn kommen die umfassendsten und innovativsten Vorschläge von Ségolène Royal, denn sie wurden seit langem von der ADFE, der Demokratischen Vereinigung der Franzosen im Ausland, unterstützt, der die AFS mit ihrem sozialistischen Präsidenten angehört.

In Bezug auf französische Politiker und die Schweiz stellt Jean-Pierre Capelli eine ziemliche Zurückhaltung fest. «Einige kommen bis an die Grenze, aber nur wenige in die Schweiz. Im Vergleich mit anderen Ländern, in denen viele Auslandfranzosen leben, beobachte ich, was die Schweiz betrifft, ein spezielles Verhalten.

Ist das nun so wegen der Verhandlungen mit Europa, der Besteuerung von Holding-Firmen oder der Pauschalbesteuerung von Ausländern in der Schweiz? Jedenfalls all das hat ein spezielles Klima geschaffen, so dass die Politiker zögern, in die Schweiz zu kommen, aus Angst, einen Faux-Pas zu machen.»

Systemunterschied

In diesem ewigen Rechts-Links-Denkschema, wie das in Frankreich der Fall ist, könnte da eventuell der dritte Mann, François Bayrou, mit seiner These «weder links noch rechts» und seiner Konsensfähigkeit die Schweiz-Franzosen ansprechen.

«Ich habe den Eindruck, dass François Bayrou der Kandidat der Schweizer, jedoch nicht jener der Franzosen in der Schweiz ist. Es stimmt, dass Bayrou, der eine Zusammenarbeit zwischen Links und Rechts anstrebt, dem politischen System der Schweiz entspricht. Aber nicht dem französischen System.»

Was die Wahlen bringen, wird sich zeigen. «Ich weiss es nicht, ich bin nicht Gott», sagt Jean-Pierre Capelli und wiederholt sein Engagement für «seine» Kandidatin.

swissinfo, Bernard Léchot, Lausanne
(Übertragung aus dem Französischen: Gaby Ochsenbein)

Von den 2,3 Millionen Franzosen, die im Ausland leben, sind rund 160’000 in der Schweiz registiert.

Weltweit sind 940’000 Franzosen auf den Wählerlisten der Konsulate registriert. 820’000 werden in ihrem Wohnort im Ausland wählen, rund 120’000 in Frankreich, entweder persönlich oder mittels Vollmacht.

Im Wahlbezirk von Genf sind von den 135’779 Ausland-Franzosen 63’592 Wahlberechtigte eingetragen. In Zürich 12’856 der insgesamt 22’389 registrierten Franzosen.

50 Wahlbüros werden in den 6 Westschweizer Kantonen geöffnet sein. 20 in Genf, 10 in L.ausanne und Umgebung, in Neuenburg, Nyon, Montreux und Freiburg je drei.In der Deutschschweiz (Zürich, Basel, Bern, Luzern) stehen 8 Lokale zur Verfügung, im Tessin eines in Lugano.

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