Ferienplätze für Kinder sind rar
Jeden Sommer ermöglicht das Hilfswerk Kovive sozial benachteiligten Kindern aus dem In- und Ausland Ferien bei einer Schweizer Gastfamilie. Solche Familien zu finden wird jedoch immer schwieriger. Schwierig ist auch der Schutz vor Missbrauch der vier- bis 14-jährigen Feriengäste.
Kovive braucht pro Jahr 200 bis 300 neue Gastfamilien. Von 800 Interessierten seien jedoch nur knapp 20 Prozent tatsächlich bereit, ein Ferienkind zu übernehmen, sagt Monika Ming, die für die Freiwilligenarbeit des Hilfswerks Kovive zuständig ist.
Die Gründe seien in der veränderten Familienstruktur zu suchen. «Oft sind beide Eltern berufstätig. Und die Solidarität mit anderen ist auch nicht mehr so selbstverständlich», sagte sie. Trotzdem sei es ganz toll, wie viele Familien jedes Jahr ihr Haus für die Kinder öffnen.
Plätze erst für 150 Kinder
Im vorigen Jahr hatte das Hilfswerk Kovive Kindern aus Paris, aus Deutschland und der Schweiz über 900 Schweizer Gasteltern zugeteilt. Als Kovive im letzten März bestimmte, wie viele Kinder für diese Sommerferien eingeladen werden, konnte nur für ungefähr 150 Kinder kein Ferienplatz gefunden werden, wie Ming sagt.
Ursula Ruch von der Stiftung Marcel Aeschbacher, die sei 40 Jahren ebenfalls Ferienplätze an deutsche Kinder vermittelt, berichtet: «Angefangen hat das vor ungefähr fünf Jahren. Seither finde ich sozusagen keine neuen Gastfamilien mehr.»
Bis kurz vor Beginn der Sommerferien hat Ming immer noch Anfragen für Ferienplätze erhalten. «Es handelt sich vorwiegend um Kinder aus Ein-Eltern-Familien», sagt sie.
Grosse Sorgfalt bei Auswahl der Gastfamilien
Trotz des Mangels an Gastfamilien bekommt nicht jede Familie, die sich bewirbt, ein Ferienkind. Bei Kovive werden jährlich ungefähr zwei Absagen gemacht. «Alleinstehende Männer werden einer besonders genauen Prüfung unterzogen und müssen Referenzen angeben», sagt Ming.
Auf Fälle von Missbräuchen angesprochen, sagte die Kovive-Mitarbeiterin, es sei schon vorgekommen, dass sich die deutschen oder französischen Partner-Organisationen nach der Rückkehr der Kinder gemeldet hätten, weil die Kinder «Bemerkungen» gemacht hätten.
Zwar habe es Aussprachen, jedoch nie eine Klage gegeben. Klage einreichen müssten die Eltern des Kindes selbst, weiss Ming und fügt hinzu: «Die Kinder haben zwei Anwälte, die sich für sie einsetzen: Kovive und die Partnerorganisation ihres Heimatlandes.» Bei der der Marcel Aeschbacher Stiftung sind laut Ursula Ruch keine Fälle von Missbrauch bekannt.
Attest der Gemeinde und Direktkontakt mit Helferinnen
Zur Vorbeugung gegen Missbrauch gehen beide Organisationen ähnlich vor. Kovive verlangt von den Gastfamilien ein Attest der Gemeinde, welches bestätigt, dass der Familie bedenkenlos ein Kind anvertraut werden kann. So werde es für potenzielle Täter oder Täterinnen schwierig, ein Kind heimlich aufzunehmen, sagte Ming.
Zudem findet mit jeder Gastfamilie ein obligatorisches Gespräch mit einer der 127 freiwilligen Kovive-Helferinnen statt. Dieses soll allfällige Probleme in der Familie frühzeitig ans Tageslicht zu bringen. «Zu 100 Prozent ausschliessen lässt sich Missbrauch aber leider nicht», sagt Ming.
Sara Leuthold (sda)
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