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Isabelle Chassot: «Den Interessen der Auslandschweizer wird hier besondere Aufmerksamkeit geschenkt»

Isabelle Chassot
«Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Auslandschweizer nicht auf allzu grosse Hindernisse stossen, wenn sie in unser Land zurückkehren möchten», meint Ständerätin Isabelle Chassot. Swissinfo / Katy Romy

Die Mitte-Ständerätin Isabelle Chassot setzt sich für den bilateralen Weg zwischen der Schweiz und der EU ein – ein zentrales Thema auch für die Auslandschweizer-Community. In unserer Serie spricht die Freiburgerin über ihr Engagement diesbezüglich.

Isabelle Chassot sagt es selbst: Sie ist von der Politik begeistert. Die 61-jährige Freiburgerin, die 2021 für die Partei Die Mitte in den Ständerat gewählt wurde, blickte bereits damals auf eine abwechslungsreiche Laufbahn zwischen Politik und Verwaltung zurück. Sie war elf Jahre lang Mitglied des Staatsrats (Regierung) des Kantons Freiburg, bevor sie die Leitung des Bundesamtes für Kultur übernahm.

In Bundesbern gewann Isabelle ChassotExterner Link unter anderem an Einfluss, indem sie den Vorsitz der parlamentarischen Untersuchungskommission zum Credit-Suisse-Debakel übernahm. Ihre Erfahrungen setzt sie auch für die Vertretung der Interessen der Auslandschweizer ein.

Im Gegensatz zu Frankreich oder Italien, die ihren im Ausland lebenden Bürgerinnen und Bürgern Wahlkreise einräumen, haben die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer keine direkte Vertretung unter der Bundeskuppel.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass ihre Interessen nicht berücksichtigt werden. Mehr als 60 Mitglieder von National- und Ständerat (von 246) sind in der Parlamentarischen Gruppe «Auslandschweizer» versammelt.

In jeder Sessionswoche lassen wir einen von ihnen in unserem Format «Die Fünfte Schweiz im Bundeshaus» zu Wort kommen.

Swissinfo: Was hat für Sie in dieser Session Priorität?

Isabelle Chassot: Ich habe in dieser Session keine alleinige Priorität, aber ein Thema beschäftigt mich bereits seit einem Quartal besonders: die neuen bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU. Als Mitglied der Aussenpolitischen Kommission, der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie der Rechtskommission bin ich eng in die Vorarbeiten, die Diskussionen mit meinen Kolleginnen und Kollegen und den Austausch mit der Verwaltung eingebunden.

Was ist das wichtigste Thema der Session für die Fünfte Schweiz?

Die Auslandschweizer sind von mehreren Dossiers betroffen, die auf unseren Tisch kommen. Das Europa-Dossier ist zweifellos das zentralste, da fast die Hälfte von ihnen in der EU lebt. Aber die Herausforderungen im Zusammenhang mit der digitalen Souveränität des Landes sind ebenso wichtig. Die Einführung der E-ID, die letztes Jahr vom Volk angenommen wurde, stellt einen grossen Fortschritt für die Auslandschweizer dar.

Ich hoffe, dass sie uns einen weiteren Schritt in Richtung digitaler Sicherheit ermöglicht, damit wir die elektronische Stimmabgabe oder die elektronische Unterschriftensammlung unter sicheren Bedingungen weiterentwickeln können. Dennoch sind in diesem Bereich noch Fortschritte erforderlich.

Wie sehen Sie die Schweiz derzeit in der Welt?

Die Weltordnung wurde auf den Kopf gestellt. Wir haben eine lange Phase der Globalisierung erlebt: eine offene, vernetzte und auf Regeln basierende Welt. Heute sind wir von der Herrschaft des Rechts zum Recht der Stärke übergegangen. In diesem Zusammenhang darf die Schweiz, deren Wohlstand auf einer offenen Wirtschaft beruht, nicht isoliert bleiben.

In diesem Sinne unterstütze ich den bilateralen Weg mit der EU, die nach wie vor unsere wichtigste Partnerin ist und mit der wir viele Werte teilen. Ich wünsche mir aber auch, dass wir ein Handelsabkommen mit den USA finden und weitere Freihandelsabkommen abschliessen, wie mit Mercosur.

Als kleines Land mit einer starken Wirtschaft hat die Schweiz auch die Aufgabe, daran zu erinnern, dass die Welt auf Regeln, Vorhersehbarkeit, Sicherheit und der Achtung der Menschenrechte basiert.

Warum setzen Sie sich für die Wählerschaft der Auslandschweizer:innen ein?

In erster Linie, weil es sich um unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger handelt. Als solche verdienen sie es, anerkannt, verteidigt und bei Bedarf unterstützt zu werden.

Ihre grosse Zahl – mehr als 800’000 Menschen – und ihre Präsenz auf der ganzen Welt ermöglichen es ihnen, wertvolle Brücken zwischen der Schweiz und dem Ausland zu schlagen. Unsere Aufgabe ist es daher, ihnen dabei zu helfen, ihre Verbindung zu ihrem Herkunftsland aufrechtzuerhalten. Aber auch sicherzustellen, dass sie nicht auf allzu grosse Hindernisse stossen, wenn sie in unser Land zurückkehren möchten, etwa in Bezug auf Sozialversicherungen oder die Schulbildung ihrer Kinder. Sie müssen sich voll und ganz als Teil der nationalen Gemeinschaft fühlen und dieses gemeinsame Schicksal teilen können.

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Welche Verbindungen haben Sie zur Gemeinschaft der Auslandschweizer?

Ich habe erstmals Kontakte zu Freiburger Auslandschweizern geknüpft, als ich Staatsrätin war. Ich hatte insbesondere die Gelegenheit, Nova Friburgo in Brasilien und Punta Arenas in Chile zu besuchen. Zwei Orte, die von Freiburger Auswanderern gegründet wurden, die im 19. Jahrhundert der Armut in der Schweiz entflohen waren. Dort hat mich die tiefe Verbundenheit mit der Schweiz beeindruckt, auch wenn manche Menschen im Laufe der Generationen die Staatsbürgerschaft verloren haben.

Später bin ich als Direktorin des Bundesamtes für Kultur mehrfach mit Auslandschweizern in Kontakt gekommen. Ich war insbesondere für die Schweizer Schulen im Ausland zuständig, die ich fast alle besucht habe. Diese Einrichtungen spielen eine wesentliche Rolle, sowohl für die Schweizer Gemeinschaften vor Ort als auch als Aushängeschilder für die Qualität des Schweizer Bildungssystems im Ausland.

Welche Erfolge konnten Sie bei der Vertretung der Interessen der Auslandschweizer:innen erzielen?

Einer meiner ersten Referendums-Kämpfe war der um die E-ID. Er war für mich wegen der Fragen der digitalen Souveränität wichtig, aber auch für die Auslandschweizer.

Im Rahmen des Sparprogramms des Bundesrats für 2027 habe ich mich zudem dafür eingesetzt, dass die Schweizer Schulen im Ausland nicht von zu starken Budgetkürzungen betroffen sind. In der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur arbeiten wir an einer Initiative, die die Anstellung von Schweizer Lehrkräften an diesen Schulen erleichtern soll.

Ich bin mir auch bewusst, wie wichtig es für Auslandschweizer ist, über die Geschehnisse in unserem Land auf dem Laufenden zu bleiben. Ich habe mich daher gegen die Streichung des Bundesbeitrags an Swissinfo und TV5 Monde eingesetzt, aber auch dafür, Kürzungen bei den Subventionen für die Auslandschweizer-Organisation zu verhindern.

Mussten Sie auch Niederlagen hinnehmen?

Vielleicht in der Frage des E-Collecting. Mir ist bewusst, dass die Auslandschweizer sich ein schnelleres Vorankommen gewünscht hätten. Ich hatte auch die Motion von Ständerat Mauro Poggia unterstützt. Diese zielte darauf ab, PostFinance zu verpflichten, den Auslandschweizern das Recht auf ein Bankkonto zu ähnlichen Konditionen wie für Personen mit Wohnsitz in der Schweiz zu garantieren. Sie wurde leider abgelehnt.

Sind Sie der Meinung, dass die Interessen der Auslandschweizer:innen im Bundeshaus ausreichend vertreten sind?

Ich denke, dass den Interessen der Auslandschweizer besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es wird hingehört, und die Parlamentarier verfolgen die Dossiers. Die Schnittstellen funktionieren gut, insbesondere dank des Engagements der Auslandschweizer-Organisation und ihrer Vertreter, die eine effektive Verbindung zum Parlament gewährleisten.

Dennoch lässt sich immer noch etwas verbessern. Meiner Ansicht nach geschieht dies vor allem durch eine frühzeitigere Auseinandersetzung mit den Dossiers und eine stärker in den Kommissionen verankerte Arbeit. Postulate und Emotionen sind nützlich, führen aber nicht immer zu Ergebnissen. Sorgfältig vorbereitete und gründlich ausgearbeitete parlamentarische Initiativen führen oft zu effizienteren Ergebnissen. Es ist also vor allem eine Frage der Methode.

Wenn Sie auswandern müssten, wo würden Sie sich niederlassen?

Ich hänge sehr an meinem Umfeld, meiner Familie und meinen Freunden. Ich sage oft, dass man Wurzeln, aber auch Flügel braucht – und genau dieses Gleichgewicht würde ich auch im Ausland suchen.

Die erste Wahl, die mir in den Sinn kommt, wäre Österreich. Genauer gesagt würde ich mich für Tirol entscheiden, die Region, in der meine Mutter lebt und wo ich noch viele familiäre Bindungen habe.

Aber wenn ich ein anderes Reiseziel in Betracht ziehen müsste, wäre es wahrscheinlich Italien, in der Emilia-Romagna oder in der Toskana, oder auch Deutschland, an der Ostseeküste.

Editiert von Olivier Pauchard. Adaptiert aus dem Französischen: Giannis Mavris

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