Irakische Journalisten als Ziele von Tötungen
Irakische Medienschaffende haben die Schweizer Regierung aufgefordert, wegen des anhaltenden "Massakers" an Berufskollegen zu intervenieren.
An einem Treffen in Genf beschuldigte die irakische Mediengewerkschaft die internationale Gemeinschaft, nichts gegen den Terror zu unternehmen, dem bereits Hunderte Journalisten zum Opfer gefallen seien.
Die Arbeit der Journalisten im Irak wird von Tag zu Tag schwieriger und gefährlicher. Dies erklärte eine Delegation von irakischen Medienschaffenden in Genf. Seit Beginn des Krieges im März 2003 seien bereits über 220 irakische Journalisten getötet worden.
Angesichts der gefährlichen Arbeitsbedingungen hätten zahlreiche Medienschaffende ihrem Land den Rücken gekehrt oder ihren Beruf an den Nagel gehängt, erklärte Muad Asis Gasim Allamy, Generalsekretär der irakischen Mediengewerkschaft. Von 5000 aktiven Journalisten im Land seien mindestens 40% bedroht, und Todesdrohungen gehörten zum Alltag.
Meinungsvielfalt im Visier
«Ich rufe die Schweizer Regierung auf, bei sämtlichen hier ansässigen UNO-Organisationen zu intervenieren und um Unterstützung und Schutz von irakischen Journalisten zu bitten», sagte Allamy.
Für den Gewerkschafter steht die Medien- und Meinungsvielfalt auf dem Spiel: Wenn sich die Arbeitsbedingungen noch weiter verschlechtern würden, blieben nur noch Regierungsmedien oder solche, welche unter dem Schutz der Koalitionstruppen arbeiteten.
Auch Regierungskoalition beteiligt
Die Anschuldigungen der Verfolgung von Medienleuten gehen an alle irakischen Parteien, Regierung und Koalitionstruppen eingeschlossen. Zwar habe sich die Beziehung zu Letzteren seit 2006 gebessert. Doch zeige die Zerstörung des Gewerkschaftssitzes durch Koalitionstruppen im Februar, dass die Beziehungen immer noch belastet sei.
Bis am Samstag will sich die Delegation in Genf mit Diplomaten und Vertretern der dortigen UNO-Organisationen treffen, um deren Unterstützung zu erhalten. So ist auch ein Treffen mit der UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour geplant.
Einschreiten dringend gefordert
Die Delegation schlug unter anderem eine Sondersession des UNO-Menschenrechtsrates zum Thema vor. Jede Verzögerung bedeute den Tod von weiteren Journalisten in Irak. «Wir werden getötet, weil wir die Wahrheit sagen», stellte Allamy fest. Dabei spiele es überhaupt keine Rolle, ob man Schiit oder Sunnit sei.
Allamy rief in der Rhonestadt die internationale Gemeinschaft, die irakische Regierung und die alliierten Streitkräfte auf, den Medienschaffenden die für ihre Arbeit nötigen Garantien abzugeben. Die Behörden müssten endlich die Urheber für die Entführung und Ermordung von Journalisten finden. Zurzeit herrsche für die Täter die totale Straflosigkeit, klagte Allamy.
swissinfo und Agenturen
Die siebenköpfige Delegation irakischer Journalisten weilt auf Einladung der Press Emblem Campaign in der Schweiz.
Die Organisation mit Sitz in Genf will weltweit den gesetzlichen Schutz und die Sicherheit der Medienschaffenden stärken.
Eine zweitägige Konferenz des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), die am Dienstag in Genf beginnt, behandelt die steigende Zahl der irakischen Flüchtlinge sowie Hilfsmassnahmen.
An der Rhone werden rund 450 Offizielle aus 60 Ländern sowie zahlreiche Vertreter von Hilfsorganisationen erwartet.
Immer mehr Menschen verlassen Irak, weil Selbstmordanschläge und andere Gräuel ihre Heimat in eine der schlimmsten Flüchtlingskrisen stürzen.
Es gibt kaum genaue Zahlen, aber das UNHCR geht von zwei Millionen Flüchtlingen aus, die das Land bereits verlassen haben. Weitere knapp zwei Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben.
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