Schweizer Ski-Sport vor Bewährungsprobe
14 Schweizer Athletinnen und Athleten starten an den alpinen Ski-Weltmeisterschaften, die am Samstag in Italien begannen.
In Bormio und Santa Catarina wollen sie an ihre Resultate von der letzten WM in St. Moritz anschliessen. Den Männern könnte dies gelingen. Die Frauen stecken jedoch in der Krise.
Erinnern wir uns, es war vor knapp zwei Jahren. Der Oberwalliser Silvan Zurbriggen fuhr im Slalom in St. Moritz auf den zweiten Platz und frischte damit die magere WM-Bilanz der Schweizer auf.
Neben ihm schafften es nur Corinne Rey-Bellet, Marlies Oester und Bruno Kernen auf einen WM-Podestplatz.
Die Schweizer waren in St. Moritz weit entfernt von ihren Grosserfolgen an den Weltmeisterschaften in Bormio 1985 (8 Medaillen) und in Crans-Montana (14 Medaillen), wo sie die Wettkämpfe überwältigend dominierten. Seit einigen Jahren hat der Schweizer Skisport seine Position an der Weltspitze eingebüsst.
Männer in Form
Unter dem neuen Trainer Martin Rufener haben die Männer jedoch wieder einen Teil ihrer einstigen Schlagkraft zurückgewonnen. Im diesjährigen Weltcup konnten sie bisher fünf Podestplätze in vier verschiedenen Disziplinen feiern.
«Es ist tatsächlich so, dass einige Fahrer aus dem Männer-Team ausgezeichnet in Form sind», bestätigt der ehemalige Abfahrer William Besse. «Der neue Trainer Martin Rufener hat dieser Mannschaft ein neues Gemeinschaftsgefühl und frischen Elan gegeben.»
Für Besse, der Skirennen nur noch als Co-Kommentator im Westschweizer Fernsehen (TSR) begleitet, ist der Ausfall von Didier Cuche an der WM ein schwerer Schlag. Cuche hatte sich im Vorfeld die Kreuzbänder im Knie gerissen. «Didier war das Zugpferd des Teams und ich hoffe, dass sich seine Abwesenheit hier in Bormio auf seine Kollegen nicht negativ auswirkt.»
Tatsächlich galten Didier Cuche, Bruno Kernen und vor allem Silvan Zurbriggen als die Medaillenhoffnungen für Bormio.
Wie sein Namensvetter Pirmin vor 20 Jahren ist Zurbriggen in allen Disziplinen sehr stark und hat im Slalom genauso gute Chancen wie in der Abfahrt oder in der Kombination.
Kleines Frauen-Team
Während die Männer allen Grund zum Hoffen haben, geht bei den Frauen gar nichts mehr. Seit Beginn der Saison werden sie von der St. Galler Ski-Legende Marie-Therese Nadig gecoacht und fahren Misserfolg um Misserfolg ein.
An der WM in Italien startet das Frauenteam mit nur gerade fünf Athletinnen – das kleinste Aufgebot seit Jahrzehnten.
Vor zwei Jahren traten die Frauen die WM in einer ähnlichen Ausgangsposition an. Dank Corinne Rey-Bellet und Marlies Oester schnitten sie dort dann doch überraschend gut ab.
Der Druck auf die Skifahrerinnen sei gross, gibt Besse zu bedenken. «Aber man darf nicht vergessen, dass in einem Rennen alles möglich ist. Wenn sie einen guten Tag erwischen, können Sonja Nef oder Sylvianne Berthod durchaus Glanzresultate erzielen.»
WM-Titel für die beste Ski-Nation
Angesichts des Schneemangels, unter dem die beiden Austragungsorte Bormio und Santa Catarina leiden, werden die Wettkämpfe auf harten, mit künstlichem Schnee präparierten Pisten stattfinden.
«Selbst wenn es dort nicht so viel Schnee haben wird wie in den Schweizer Alpen, bleiben die Konditionen für alle dieselben», relativiert William Besse. Darüber hinaus seien die Pisten optimal präpariert.
Zum ersten Mal in der Geschichte alpiner Weltmeisterschaften wird in Bormio die beste Ski-Nation ermittelt. Am Team-Wettbewerb sollen mindestens vier und höchstens sechs Athleten aus jedem Land in acht Wertungs-Durchgängen gegeneinander antreten. Dabei werden bei Damen und Herren je zwei Läufe in Super-G und zwei Läufe im Slalom absolviert.
«Der Welt-Skiverband (FIS) will mit dieser neuen Fun-Disziplin den Skisport attraktiver machen. Klar, man kann es versuchen, aber ich glaube nicht recht daran», erklärt Besse dazu.
Ein grösseres Potenzial sieht er dagegen in der neuen Super-Kombination, die vor zwei Wochen in Wengen erstmals ausgetragen worden war.
swissinfo, Mathias Froidevaux
(Übersetzung aus dem Französischen: Nicole Aeby)
Die alpine Ski-Weltmeisterschaft findet vom 29. Januar bis 13. Februar 2005 im italienischen Bormio statt.
Die Schweiz ist dort mit 5 Fahrerinnen und 9 Fahrern vertreten.
Zur Frauen-Auswahl gehören Fränzi Aufdenblatten, Sylviane Berthod, Sonja Nef, Marlies Oester und Nadia Styger.
Bei den Männern wurden Daniel Albrecht, Marc Berthod, Didier Défago, Marc Gini, Jürg Grünenfelder, Tobias Grünenfelder, Ambrosi Hoffmann, Bruno Kernen und Silvan Zurbriggen selektioniert.
An der WM in St. Moritz vor zwei Jahren gewann die Schweizer Delegation vier Medaillen – zweimal Silber und zweimal Bronze.
Bruno Kernen wurde Dritter in der Abfahrt, ebenfalls in der Abfahrt gewann Corinne Rey-Bellet Silber, Marlies Oester landete in der Kombination auf dem dritten Platz und Silvan Zurbriggen sicherte sich Silber im Slalom.
An der WM vor vier Jahren holten die Schweizer im österreichischen St. Anton zweimal Gold und einmal Bronze.
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