In diesen Gemeinden wohnen die Superreichen der Schweiz
Die Schweiz zählt fast 6500 Personen, die mehr als eine Million Franken pro Jahr verdienen. Eine Auswertung der Daten der Eidgenössischen Steuerverwaltung zeigt, in welchen Gemeinden sie leben. Die höchste Konzentration findet sich zwischen Zürich und Zug.
Die Schweiz ist ein wohlhabendes Land. Gleichzeitig leben laut Caritas fast 750’000 Menschen in Armut, und die Mehrheit der Bevölkerung verfügt über ein Einkommen von unter 75’000 Franken pro Jahr. Demgegenüber stehen 6427 Steuerpflichtige, die mehr als eine Million Franken jährlich verdienen. Diese Zahl ergibt sich aus den Daten der Eidgenössischen SteuerverwaltungExterner Link (ESTV) für das Steuerjahr 2022 – den neuesten verfügbaren Zahlen.
RSI hat die Daten ausgewertet, um zu analysieren, wie sich die Einkommen natürlicher Personen landesweit verteilen und wo die höchsten Einkommen erzielt werden.
Die von der ESTV veröffentlichten Zahlen betreffen 5,4 Millionen Steuerpflichtige (Einzelpersonen und Familienhaushalte), die 2022 insgesamt rund 13 Milliarden Franken direkte Bundessteuer entrichteten. 80% der Steuerpflichtigen weisen ein Einkommen unter 80’000 Franken aus. Die Gruppe mit Einkommen von über einer Million Franken macht 0,12% aus – 16-mal weniger als jene mit einem Einkommen von null.
Das in der ESTV-Datenbank ausgewiesene Nettoeinkommen entspricht einem statistischen Wert. Es wird aus dem steuerbaren Einkommen berechnet, zu dem bestimmte steuerliche Abzüge wieder hinzugerechnet werden (etwa für Kinder, unterstützungsbedürftige Personen, Versicherungsprämien, Sparzinsen oder die Doppelerwerbstätigkeit von Ehepaaren).
Nicht enthalten sind Einkommensbestandteile, die nicht der direkten Bundessteuer unterliegen, insbesondere steuerfreie Kapitalgewinne oder öffentliche und private Unterstützungsleistungen.
Zudem kann das Nettoeinkommen durch steuerliche Abzüge erheblich beeinflusst werden – etwa durch Investitionen in die berufliche Vorsorge oder Renovationen an Liegenschaften.
Eine Karte mit den Einkommensklassen aller Steuerpflichtigen in sämtlichen Schweizer Gemeinden zeigt: Die Gebiete mit sehr hohen Einkommen sind klar begrenzt und zahlenmässig wenige. Knapp 200 von über 2000 Gemeinden zählen Steuerpflichtige, die mehr als eine Million Franken pro Jahr verdienen.
In absoluten Zahlen fallen vor allem die grossen Zentren auf: Zürich (498), Zug (432) und Genf (275) beherbergen jeweils mehrere hundert Steuerpflichtige mit einem Einkommen von über 83’000 Franken pro Monat. Gemeinden wie Freienbach, Wollerau oder Küsnacht (ZH) verzeichnen ebenfalls hohe Zahlen – teils mehr als Basel (172). Weitere Gemeinden mit vielen sehr hohen Einkommen sind Zollikon, Feusisberg, Baar und Kilchberg (ZH).
Hotspot Lugano
Lugano liegt mit 100 Steuerpflichtigen mit sehr hohem Einkommen auf Rang 12 der nationalen Rangliste. Dahinter folgt Collina d’Oro mit 26, gefolgt von Mendrisio (16). Bellinzona und Porza belegen mit je 11 den nächsten Rang.
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Der Grossteil der Schweizer Gemeinden ist auf der Karte hellgrün markiert: In fast 2000 Gemeinden gibt es keine Steuerpflichtigen, die ein Einkommen von über einer Million Franken deklarieren.
Die Gemeinden mit der höchsten Konzentration sehr hoher Einkommen liegen fast ausschliesslich an Seeufern.
An erster Stelle steht die Region zwischen Luzern, Schwyz, Zug und Zürich. In einzelnen Gemeinden ist der Anteil besonders hoch. In Wollerau (SZ) erzielen mehr als 4 von 100 Steuerpflichtigen ein Einkommen von über einer Million Franken – der höchste Wert schweizweit. Es folgen Feusisberg und weitere Gemeinden im Umkreis von rund 20 Kilometern um Zug. Faktoren wie geografische Lage, wirtschaftliches Umfeld, Steuerbelastung, Diskretion und Lebensqualität dürften eine Rolle spielen. Die Entwicklung ist seit mehreren Jahren zu beobachten.
An zweiter Stelle folgt die Region Genf. Gemeinden wie Cologny, Mies, Vandoeuvres, Collonge-Bellerive, Coppet, Anières, Founex, Corsier, Genthod, Commugny und Pregny-Chambésy weisen ebenfalls hohe Anteile sehr hoher Einkommen auf.
Andere Regionen – insbesondere Basel und Lugano – liegen deutlich dahinter. Rund um Basel gibt es mehrere Gemeinden mit sehr hohen Einkommen, doch der Anteil bleibt jeweils unter 1% der Steuerpflichtigen. Porza im Tessin erreicht mit 1,01% den höchsten Wert der italienischen Schweiz (Collina d’Oro: 0,84%) und steht national auf Rang 35 – vor St. Moritz (0,94%).
Porza und Collina d’Oro sind jedoch Ausnahmen im Tessin. Generell zeigt die Auswertung, dass in den meisten lateinischen Kantonen – insbesondere in der italienisch- und rätoromanischsprachigen Schweiz – hohe Einkommen seltener sind. Die Mittelschicht ist breiter vertreten, und der Anteil niedriger Einkommen ist höher. In verschiedenen Gemeinden südlich der Alpen – ähnlich wie im Jura – liegt das höchste deklarierte Einkommen unter 75’000 Franken. Im Mittelland kommt dies praktisch nicht vor.
Deutlich werden die regionalen Unterschiede auch beim Anteil der Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von über 100’000 Franken. Rund um Zürich, Zug, Genf, Lausanne und Basel liegt dieser Anteil in vielen Gemeinden über 20%. In alpinen Regionen und im Süden ist das seltener. In der italienischen Schweiz weist Comano mit 29,47% den höchsten Wert auf (Rang 206 national). Spitzenreiter ist Uitikon mit 49,31%.
Umgekehrt gibt es in der Schweiz 15 Gemeinden, in denen sämtliche Steuerpflichtigen ein Einkommen unter 100’000 Franken ausweisen. Drei davon liegen im Tessin: Bosco/Gurin, Campo (Vallemaggia) und Cerentino.
Die ausgewerteten Daten der ESTV umfassen sowohl «normale» Besteuerungsfälle (bei denen das satzbestimmende Einkommen dem steuerbaren Einkommen entspricht) als auch «spezielle» Fälle (bei denen beide Werte abweichen, etwa bei unvollständigen Steuerperioden oder im Ausland besteuerten Einkommen).
Eingeschlossen sind auch Nichtansässige, die der direkten Bundessteuer unterliegen, etwa aufgrund eines Zweitwohnsitzes. Nicht berücksichtigt sind Personen mit Quellen- oder Pauschalbesteuerung.
Zudem können Steuerpflichtige, deren Zivilstand sich im Laufe des Jahrs durch den Tod eines Ehepartners verändert hat, in der Datenbank mehrfach erscheinen – einmal bis zum Todesdatum als Ehepaar und einmal für den verbleibenden Zeitraum als Einzelperson.
Aus Datenschutzgründen veröffentlicht die ESTV nicht alle Detailangaben auf Gemeindeebene.
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