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Trumps Absage an den Klimaschutz hat weltweit Konsequenzen – fünf Beispiele

Ein riesiges Auto und eine Frau, die davor steht
US-Präsident Donald Trump hat die gesamte Macht der Bundesregierung für Fahrzeuge eingesetzt, die Benzin verbrennen, anstatt für Elektroautos. Keystone

Unter Donald Trump haben sich die Vereinigten Staaten erneut aus der globalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel verabschiedet: Die USA sind zum zweiten Mal offiziell aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen, haben wichtige Klimagremien der UNO verlassen und ihre nationale Umweltpolitik abgeschafft. Welche Folgen hat das? Und was bedeutet es für Länder wie die Schweiz?

Herber Schlag für die internationale Klimadiplomatie

Am 7. Januar kündigten die USA ihren Austritt aus 66 internationalen Organisationen anExterner Link. Davon sind mehrere für den Klimaschutz von zentraler Bedeutung, darunter das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC). Ziel dieses Vertrags, dem bisher sämtliche Länder als Mitglied angehört haben, ist es, die Erderwärmung zu verlangsamen.

Aus Sicht des Weissen Hauses dienen diese Organisationen aber «nicht mehr den US-Interessen» und betreiben eine Politik, die «nichts bringt oder den USA schadet». So hat Donald Trump den Klimawandel wiederholt als Schwindel bezeichnet.

Nun sind die USA als erstes und einziges Land aus dem UNFCCC ausgetreten. Zuvor war man bereits 2017 und 2025 aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen. Der jüngste Austritt trat am 27. Januar in Kraft.

«Es ist auf jeden Fall ein gravierender Schritt», erklärte Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in Deutschland, gegenüber Associated Press (AP). «Die Welt verliert viel, und der Schaden ist enorm.»

Mit dem Austritt aus dem UNFCCC sind die USA nicht mehr verpflichtet, Vertragsarbeit mitzufinanzieren oder Berichte zu den nationalen Treibhausgasemissionen zu veröffentlichen. Dadurch lässt sich die Einhaltung der Ziele weltweit in Zukunft weniger gut überprüfen.

Bis der Austritt vollzogen ist, dauert es ein Jahr – die offizielle Teilnahme der USA an UNO-Klimagremien hatte jedoch bereits vorher nachgelassen. Aus juristischer Sicht ist weiterhin unklar, ob die USA einseitig aus dem Übereinkommen austreten können.

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Geopolitische Dynamik in Klimafragen

Obwohl viele den Rückzug der USA bedauern, weisen Expert:innen darauf hin, dass dies die globale Energiewende zwar verlangsamen, nicht aber umkehren wird. «Die internationale Zusammenarbeit wird nicht zum Erliegen kommen, nur weil die UNFCCC nun 195 statt 196 Mitglieder hat», erklärte Dr. Joanna Depledge von der Universität CambridgeExterner Link gegenüber der Website Carbon Brief.

Gleichzeitig erhalten China und die Europäische Union (EU) dadurch die Möglichkeit, Klimastandards und Clean-Tech-Märkte mitzugestalten.

Die USA sind hinter China der zweitgrösste und historisch gesehen der grösste Emittent von Treibhausgasen. Der US-Rückzug aus dem Pariser Abkommen ist für Schweizer Klimabotschafter Félix Wertli zwar bedauerlich – das Klimaabkommen von 2015 hält er jedoch weiterhin für robust.

«Kein weiteres Land hat seinen Austritt angekündigt, und das Abkommen deckt nach wie vor fast 90% der weltweiten Emissionen ab», sagt Wertli gegenüber Swissinfo. «Gleichzeitig trägt die im Rahmen des Pariser Abkommens geleistete Arbeit zunehmend Früchte. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen ist in vollem Gang, und erneuerbare Energien entwickeln sich schneller als erwartet.»

Die weltweiten Investitionen in saubere Energien belaufen sich heute auf über zwei Billionen US-Dollar pro JahrExterner Link und liegen damit weit über den Ausgaben für fossile Brennstoffe. Auf erneuerbare Energien entfielen 2024 mehr als 90% der neu hinzugekommenen StromkapazitätenExterner Link, und bei Neuwagen ist weltweit jeder fünfte ein ElektrofahrzeugExterner Link.

Mehr als die Hälfte der in ChinaExterner Link und IndienExterner Link erzeugten Energie ist CO2-arm, und Chinas Exporte von CO2-armen Gütern und Dienstleistungen überstiegen in einem einzigen Monat 2025 20 Milliarden US-DollarExterner Link.

Durch den Rückzug der USA sehen sich auch andere Länder veranlasst, aktiv zu werden. Auf der COP30 letztes Jahr in Brasilien kündigten Kolumbien und die Niederlande Pläne an, gemeinsam mit den Pazifikstaaten die ersten internationalen Gespräche über den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu organisieren.

Globale Emissionsziele sind schwieriger zu erreichen

Durch den Ausstieg der USA steigt die Gefahr, dass die globalen CO2-Emissionen zunehmen. Zudem könnte der Rückzug in einigen Ländern als politisches Argument genutzt werden, um Klimaschutzmassnahmen zu verschleppen. Die USA sind für etwa ein Viertel der bisherigen CO2-Emissionen und rund 13% der jährlichen Emissionen verantwortlich.

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Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, bezeichnet den Schritt der USA als «unglücklich und kurzsichtig, aber nicht überraschend». Die unmittelbaren Folgen seien zwar beherrschbarExterner Link, das grössere Risiko bestehe jedoch darin, dass das Vertrauen in internationale Institutionen, Abkommen und langfristige Ziele darunter leiden würden.

«Wenn Verträge, Verpflichtungen, Partnerschaften und Verhandlungen als temporäres Wohlfühlprogramm betrachtet werden, dem man einfach den Rücken kehren kann, haben wir ein grösseres Problem», so Knutti.

Der Ausstieg der USA erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die globale Erwärmung fast 1,5°C über vorindustriellem Niveau liegt. «Wir müssen die Emissionen weltweit um 5% pro Jahr senken», gibt Rockström vom Potsdam-Institut zu Bedenken. «Und just in diesem Moment steigt der grösste Akteur der Welt aus dem Spiel aus.»

Bis Anfang 2026 hatten etwa zwei Drittel aller Länder aktualisierte Klimaziele bis 2035 für fast 80% der Emissionen vorgelegt. Allerdings schätzt das Umweltprogramm der Vereinten NationenExterner Link (UNEP), dass diese Ziele die Erwärmung in diesem Jahrhundert lediglich auf 2,3°C bis 2,5°C zu begrenzen vermögen. Der Rückzug der USA allein würde ca. 0,1°C des erzielten Fortschritts zunichte machen.

Die Schweiz will ihre Treibhausgasemissionen bis 2035 um mindestens 65% senken und bis 2050 das Netto-Null-Ziel erreichen.

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Brasilien hat bei der COP30 damit begonnen, auf informeller Ebene einen Zeitplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und zur Bekämpfung der Abholzung zu entwickeln.

Angesichts des US-Rückzugs unterstützt die Schweiz laut Wertli diese Pläne und «wird aktiv politische Signale senden und konkrete Massnahmen ergreifen, um das Erreichen beider Ziele zu beschleunigen».

Klimafinanzierung: Rückschlag für ärmere Länder

Das Einfrieren der US-Hilfsgelder hat zur Folge, dass auch in anderen Ländern bei Klimaprogrammen erhebliche Ausgabenkürzungen drohen. Analyst:innen warnten im vergangenen JahrExterner Link, dass fast 10% der weltweiten Klimafinanzierung gefährdet sein könnten.

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Das Ausbleiben der Beiträge aus den USA dürfte die ohnehin schon grosse Finanzierungslücke für Länder in Afrika, Asien und kleine Inselstaaten weiter öffnen. Diese Regionen sind bei der Bewältigung von Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen und dem Anstieg des Meeresspiegels zwingend auf internationale Unterstützung angewiesen.

Unter Joe Biden hatten die USA die Klimafinanzierung zwischen 2021 und 2024 auf 11 Mrd. US-Dollar pro Jahr aufgestocktExterner Link. Trump hat die Auslandhilfe nun aber auf Eis gelegt und die Klimafinanzierung gestrichen.

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Vor dem Stopp der Auslandhilfe stellte USAID etwa ein Drittel der US-Klimafinanzierung bereit, die 2023 fast drei Mrd. US-Dollar betrug. Ebenfalls gestrichen wurden die vier Mrd. US-Dollar für den Green Climate FundExterner Link (GCF), der in Entwicklungsländern die Anpassung an den Klimawandel und saubere Energie fördert.

Delia Berner ist internationale Klimapolitik-Expertin bei der Schweizer NGO Alliance Sud. Sie bezeichnet den Rückzug der USA als «herben Rückschlag» und weist darauf hin, dass die Zusammenarbeit der Schweiz mit anderen Ländern im Bereich der internationalen Klimafinanzierung dadurch umso wichtiger werde.

Ärmere Länder benötigten zudem weitaus mehr Unterstützung, um eine klimafreundliche Entwicklung zu verfolgen und von Öl produzierenden Staaten unabhängig zu werden, so Berner.

Die Schweiz unterstützte das globale Ziel, bis 2035 jährlich 300 Mrd. US-Dollar zu mobilisieren. Der Bundesrat hat aber im Dezember 2025 beschlossen, alle Massnahmen auf 2027 zu verschieben – ein Entscheid, den Berner als «unverantwortlich» bezeichnet.

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Auswirkungen auf die Klimaforschung

Die USA haben sich auch aus dem in Genf ansässigen Weltklimarat zurückgezogen, dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), das im Bereich der Klimawissenschaft weltweit führend ist.

In der Vergangenheit steuerten die USA mit rund 67 Mio. US-Dollar etwa 30% der freiwilligen IPCC-Finanzierung bei. Zudem stellten sie Fachwissen, Daten und Führungskompetenz für die Berichte des Klimarats zur Verfügung, auf die sich Regierungen berufen.

Der IPCC wird seine Arbeit auch ohne offizielle Beteiligung der USA fortsetzen, und mehrere Dutzend US-Wissenschaftler:innen werden freiwillig weiterhin mitwirken.

«Die Beiträge von US-Wissenschaftler:innen und -Institutionen werden auch in Zukunft ein Eckpfeiler des IPCC bleiben», sagt Klimaforscher Knutti.

Die Finanzierung werde aus anderen Quellen kommen, doch die reduzierte Beteiligung der USA könnte sich auf Forschung, Datenaustausch und Schlagkraft künftiger Berichte auswirken.

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Editiert von Gabe Bullard/vdv, Übertragung aus dem Englischen mithilfe von Deepl: Lorenz Mohler/raf

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