Insekten schützen, die man nicht sieht

In der Schweiz leben 80 Arten von Libellen. 26 davon stehen auf der Roten Liste. Amici della Natura

Sie können lästig sein, aber viele sind nützlich: Die Insekten erleben einen dramatischen Rückgang. Welche Möglichkeiten hat die Schweiz, das Artensterben der meist kleinen Wesen eindzuämmen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des heutigen, ersten Nationalen Tags für Insekten, während eine Petition ein Eingreifen der Politik fordert.

Wer sich über lästige Fliegen ärgert oder das Gefühl hat, von Mücken geplagt zu werden, für den gibt es eine gute Neuigkeit: Gemäss einer Studie aus Deutschland sind in den letzten 30 Jahren drei Viertel der Fluginsekten verschwunden. "Auch in der Schweiz gibt es Studien, die einen Rückgang bestimmter Arten feststellen, aber es fehlt ein allgemeines oder vollständiges Bild der Situation", bestätigt Sebastian Jaquiéry, Mitglied von Naturfreunde Schweiz, gegenüber swissinfo.ch.

Gemäss Schätzungen sind über 40% der in der Schweiz präsenten Fluginsekten gefährdet. Im Moment sind die Ursachen des Insektensterbens noch nicht klar, betont Jaquiéry. "Wir wissen jedoch, dass die intensive Bodennutzung seitens des Menschen, der Gebrauch von Pestiziden auf den Feldern, die zunehmende Mechanisierung in Gartenbau und Landwirtschaft sowie die Lichtverschmutzung einen negativen Einfluss haben", sagt er. Eine einzige Strassenlampe beispielsweise zieht jede Nacht Hunderte von Insekten an, die nach dem Kreisen um die Lichtquelle vor Erschöpfung sterben.

Laut Jaquiéry sollte diese Situation alle beunruhigen, auch jene, die sich über das Summen und Stechen der Insekten ärgern. "Die Insekten sind ein unersetzliches Element unserer Ökologie. Sie sichern die Bestäubung vieler Nutz- und Wildpflanzen, sie tragen zur Bodenqualität bei und sie stehen am Anfang der Nahrungskette", betont Jaquiéry.

In der Schweiz gibt es 115 Arten von Heuschrecken. 40 davon sind gefährdet. Amici della Natura


Ein Tag für Insekten

Um die Schweizer Bevölkerung zu sensibilisieren, organisieren die Naturschutzorganisationen BirdLife und InsectRespekt am 15. November den ersten Nationalen Tag für Insekten. "Jeder kann zum Schutz der Insekten beitragen, beispielsweise durch das Fördern des biologischen und saisonalen Anbaus, durch die Bereitstellung von Nestern für Insekten oder durch das Belassen natürlicher Oberflächen im eigenen Garten", sagt Jaquiéry. Schutzbedürftig seien nicht die Mücken oder andere Insekten, die in Kontakt mit Menschen leben, sondern die unsichtbaren Insekten, die man kaum bemerkt, weil sie entweder schon fast verschwunden oder sehr diskret sind.

Mit einer Petition fordern einige Organisationen, darunter Naturfreunde Schweiz, der Schweizer Bauernverband und der Dachverband der Schweizerischen Bienenzüchtervereine apisuisse, auch ein Eingreifen der Politik. Insbesondere fordert der Text eine Klärung der Gründe und des Umfangs des Verschwindens von Insekten in der Schweiz sowie die Umsetzung der Aktionspläne zur Erhaltung der Biodiversität, der Bienengesundheit und der Pflanzenschutzmittel.

Mit mehr als 17'000 Unterschriften wird die Petition während der Wintersession an die Schweizer Regierung und das Parlament übergeben. "Die Hoffnung ist, dass das Parlament unsere Forderungen in einer Motion aufnimmt, damit die Regierung Mittel für die Forschung zur Verfügung stellt", erklärt Jaquiéry.

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