Bahn 2000 verzögert sich
Der Beginn der Bauarbeiten der 2. Etappe der Bahn 2000 verzögert sich um drei bis vier Jahre. Zudem sind bei der Projektplanung Redimensionierungen in Milliarden-Höhe angezeigt.
Die Bauarbeiten der 2. Etappe der Bahn 2000 würden sich um mehrere Jahre in die Länge ziehen, bestätigte Heinz Schöni, Pressesprecher beim Bundesamt für Verkehr (BAV), eine Meldung der «Berner Zeitung». Das Geld für die 2. Etappe sei eigentlich vorhanden, dürfe aber zu einer bestimmten Zeit nicht ausgegeben werden.
Das Problem liegt beim Fonds zur Finanzierung von Eisenbahn-Grossprojekten (FinöV). Das Geld, das insbesondere aus der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe in den Fonds fliessen sollte, wird laut Berechnungen des BAV vorerst nicht reichen, um den finanziellen Bedarf für Bahnprojekte in den kommenden Jahren zu decken.
Es ist deshalb am Bund, in die Lücke zu springen und den fehlenden Betrag aus der ordentlichen Bundeskasse zu berappen. Die Limite für einen derartigen Vorschuss für Baukosten, die sich aus Neat-, Bahn 2000- und Hochgeschwindigkeitsverkehr(HGV)-Projekten ergeben, liegt bei 4,2 Milliarden.
Baubeginn fällt in «kritische Jahre»
Hier liegt der wunde Punkt: Wegen erwarteten Preissteigerungen und dem Ausgleich der Teuerung bei der Neat wird die Bevorschussungslimite laut BAV in den Jahren 2004 bis 2008 beinahe erreicht.
Der ursprünglich auf 2006 festgesetzte Baubeginn der 2. Etappe der Bahn 2000 fiele damit just in die «kritischen Jahre der Bevorschussungslimite», in eine Zeit, in der der Finanzbedarf für andere Eisenbahnprojekte sehr hoch ist.
«Ein nahtloser Weiterbau nach der Fertigstellung der 1. Etappe der Bahn 2000 im Jahr 2005 ist damit nicht realistisch», sagte Schöni weiter. Der Baubeginn der 2. Etappe verschiebe sich auf frühestens 2010. Das Ziel, bis 2020 alle FinöV-Projekte zu realisieren, gelte aber weiterhin.
Es sei auch geprüft worden, ob nicht bei der Neat das Bauprogramm erstreckt werden könne, so Schöni. Die hohen Baukreditzinsen hätten aber gegen diese Variante gesprochen.
5,9 statt 10 Milliarden
Auch um die finanziellen Mittel für die 2. Etappe der Bahn 2000 steht es nicht mehr zum Besten: Noch im Oktober ergaben Berechnungen des BAV, dass zum Ausbau des Schienennetzes 10 Mrd. zur Verfügung stehen.
Davon waren im FinöV-Fonds 5,9 Milliarden für die 2. Etappe der Bahn 2000 reserviert. Hinzu kamen als Vorgabe für die Planung Restmittel der 1. Etappe der Bahn 2000 gegen 2 Mrd., 1,2 Mrd.. für HGV-Anschlüsse und weitere 1,5 bis 2,5 Mrd. aus den Leistungs-Vereinbarungen mit den SBB.
Mit einem grossen Teil der Restmittel aus der 1. Etappe der Bahn 2000 müsse aller Wahrscheinlichkeit nach nun die Neat gestützt werden, hiess es beim BAV. Dies weil insbesondere der Neat-Bauabschnitt Sedrun GR um rund 58 Prozent teurer als ursprünglich geplant ausfällt. Weiter würden auch bei den HGV-Anschlüssen Projekte realisiert, die nicht unmittelbar für die 2. Etappe der Bahn 2000 wirksam seien.
Noch ist nicht klar, welche Projekte bei der 2. Etappe bei der Redimensionierung über die Klinge springen müssen. Die Planungspartner wurden am letzten Freitag über die neue finanzielle Ausgangslage informiert und werden nochmals über die Bücher müssen. Ein Konzept ging von einem Finanzbedarf von 40 Mrd. aus.
swissinfo und Agenturen
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