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Der Aufschwung lässt warten

Egal ob auf der Baustelle oder in der Fabrik: Die Aufträge haben abgenommen. Baumeisterverband

Unklare Aussichten fürs laufende Jahr: Noch bleibt der Wirtschafts-Aufschwung aus, es gibt mehr Arbeitslose, die Ausfuhren sinken, und die Baubranche klagt.

Ob es besser wird, entscheidet sich im Ausland und nicht in der Schweiz.

Das Wirtschafts-Wachstum soll dieses Jahr nur noch 0,5% betragen, schätzen die Experten des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco). Ursprünglich hatten sie ein Wachstum von 1% prognostiziert.

Besser soll es erst im nächsten Jahr werden. Aber auch hier wurde leicht zurückgesteckt: Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) wird laut seco nun statt den erwarteten 2% lediglich um 1,7% wachsen.

Konsum als Träger

Den Entscheid, die Prognosen nach unten zu korrigieren, fällte das seco, nachdem der private Konsum in den letzten beiden Monaten gesunken war.

Der Privat-Konsum bleibt weiterhin die wichtigste Stütze der Konjunktur. Das seco rechnet hier mit einer Zunahme von 1,3% in diesem Jahr und von 1,5% im nächsten Jahr.

Arbeitslosigkeit trotz Aufschwung

Die Investitionsflaute dürfte vorerst anhalten. Das seco hat seine Prognose für die Ausrüstungs-Investitionen für 2002 von -2,0% auf -8,0% gesenkt. Im nächsten Jahr wird aber unverändert ein Wachstum von 5% angenommen.

Trotz anziehender Konjunktur sagt das seco im kommenden Jahr einen weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote auf 2,8% voraus. Dies entspricht rund 100’000 Erwerbslosen.

Zweites US-Quartal war schlecht

Für die Verzögerung des Aufschwungs macht seco-Chefökonom Aymo Brunetti die Geschäfts-Resultate des zweiten Quartals in den USA verantwortlich. «Die USA sind derzeit der Motor der Weltwirtschaft. Ihr schlechtes Quartalsergebnis bremst deshalb auch das Wachstum in Europa und in der Schweiz.»

Der Aufschwung wird ebenfalls nicht eintreten, so das seco, wenn sich die Wirtschaft in Europa nicht erholt oder der Schweizer Franken noch stärker anzieht.

Schlechter Juli im Aussenhandel

Die starke Schweizer Währung schlug sich auch in der Aussenhandels-Bilanz nieder: Die Juli-Ergebnisse gehörten zu den schlechtesten des ganzen Jahres. Das teilte das Finanzdepartement am Donnerstag mit. Besonders die Konjunktur-Schwäche in Deutschland zeigte sich im Warenverkehr. Deutschland figuriert als wichtigster Handelspartner der Schweiz.

Die Importe nahmen im Juli nominal um 7,3 und real um 1,3% ab (im Vergleich zum Vorjahresmonat). Die Exporte nahmen nominal um 2,8% ab, real nahmen sie um 0,6% zu. So ist seit Anfang Jahr die Handelsbilanz in beiden Richtungen rückläufig.

Die Handelsbilanz weist zudem im dritten Monat hinter einander einen Überschuss aus, dieses Mal 565,3 Mio. Franken. Das heisst, die Schweiz hat mehr aus- als eingeführt. Vor einem Jahr hatte der Überschuss nur gerade 20,6 Mio. Franken betragen. Dies ist üblicherweise ein Indiz einer vorsichtig agierenden Wirtschaft.

Konjunktur und Euro drücken

Unter der schlechten Wirtschaftlage im Ausland und dem hohen Franken leidet besonders die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), die drei Viertel ihres Umsatzes im Ausland erzielt.

Die Umsätze sanken im ersten Halbjahr um 17,2%. Die Exporte sanken um 10,8% auf 26,7 Mrd. Franken.

Hauptgrund für die negative Entwicklung sei die mangelnde globale Nachfrage nach Investitionsgütern, sagte Swissmem-Präsident Johann Schneider-Amman. Vor allem die Exporte in den Euroraum und nach Nordamerika waren stark rückläufig.

Mit Euro auch im Inland bezahlen

Die Firmen der MEM-Industrie nähmen wegen der Währungssituation Margenreduktionen in Kauf, sagte der Verbands-Chef. Die europäischen Firmen verlangten von ihren Lieferanten in der Schweiz aber auch zunehmend Rechnungen in Euro und gäben so das Wechselkurs-Risiko weiter, ergänzte er.

Für die anstehenden Gesamtarbeits-Vertrags-Verhandlungen hat das laut Schneider-Amman Auswirkungen: Arbeitzeitreduktionen will der Arbeitgeberverband in keiner Form akzeptieren. Diese verteuerten die Arbeit und beeinträchtigten dadurch die Konkurrenzfähigkeit des Standorts Schweiz.

NEAT rettet die Bauindustrie (vorerst)

Die Bautätigkeit in der Schweiz ist weiter rückläufig, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Das sagte der Schweizerischer Baumeisterverband (SBV) am Donnerstag. Sowohl von öffentlicher als auch von privater Hand werde immer weniger gebaut.

Der Auftragseingang sei im ersten Halbjahr nominell 8,1% unter jenem des Vorjahres gelegen, heisst es.

Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass die drei grossen Bauvorhaben für die NEAT am Gotthard mit rund 3,3 Mrd. Franken bei den Aufträgen enthalten seien. Ohne diese Sonderaufträge hätte der Rückgang bei den neuen Bestellungen gesamthaft 20% betragen.

swissinfo und Agenturen

Wachstum 2002: 0,5% (statt 1%)
Wachstum 2003: 1,7% (statt 2%)
Arbeitslosigkeit 2003: 2,8%
Handelsbilanz: + 565,3 Mio. (Schätzungen des seco)

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