Die Schweizer wünschen sich eine nächste Expo
Mehr als Dreiviertel der Schweizer Bevölkerung wünschen sich in 25 Jahren eine weitere Landesausstellung. Aber nur, wenn die Finanzierung von Anfang an klar ist.
Nebst dem Blick in die Zukunft machten die Expo-Verantwortlichen eine erste Bilanz der Expo.02.
Laut einer Umfrage der Expo.02 wollen 79% der befragten Schweizer eine siebte Landesausstellung. Wenn von Anfang an klar ist, wie sie finanziert werden soll, präzisieren 26% der befragten Personen ihr Ja zur nächsten Expo.
Eine klare Finanzierung wünschte sich auch Nelly Wenger, die Präsidentin der Generaldirektion der Expo.02, für eine nächste Landesausstellung, denn mit einem klaren Bekenntnis wäre vieles einfacher und effizienter umzusetzen. «Das Schweizer Volk will eine Landesausstellung», dies mache die Umfrage deutlich.
Expo.02 – grosser Erfolg
Und: Die Expo.02 war ein grosser Erfolg, war das ebenso deutliche Fazit der ersten Bilanz, welche am Mittwoch in Biel gezogen wurde. «Wir erzielten 10 Mio. Eintritte. Jeder zweite Schweizer kam an die Expo, die Expo sprach insbesondere auch die Jungen an, die Besucher suchten das Nationale», umschreibt Nelly Wenger, strahlend und souverän, den Erfolg der Landesausstellung.
«Die Expo.02 war ein wichtiges Ereignis für die Schweiz, das, über die Zahlen und Fakten hinaus, die Schweiz angesprochen hat», so Wenger. Die Leute seien gekommen, um ihre nationale Identität zu entdecken. Und diese Frage nach der Identität, so betonte Nelly Wenger mehrmals, sei für ein Land wie die Schweiz grundlegend.
«Es war eine Landesausstellung», sagte der Expo.02-Marketingchef, Rainer Müller, mit einem Blick auf die Besucherzahlen. Die Leute kamen an die Expo, Männer und Frauen mit 43% und 47% praktisch zu gleichen Teilen. Und auch aus der Deutsch- und Westschweiz kamen die Besucher proportional zu gleichen Teilen. Auch aus dem entfernten Tessin reiste man, wenn auch weniger als aus anderen Sprachregionen, ins Dreiseen-Land.
Jedoch entsprach das Verhalten der Besucher nicht dem, was man erwartet hatte. So hatten die Expo-Macher aufgrund von Voruntersuchungen damit gerechnet, dass die Leute mehrere Tage nacheinander an der Expo verbringen würden. Dies war jedoch nicht der Fall.
Je weiter, desto weniger oft
Generell kann gesagt werden, dass Besucher aus weiter entfernten Gebieten der Schweiz tendenziell einen Eintages-Besuch gemacht haben, und dabei auch versuchten, mehrere Arteplages an einem Tag zu besuchen.
So lagen die erreichten Ticket-Verkäufe bei den 3-Tages-Pässen denn auch um 0,9 Mio. Franken unter dem Budget. Im Gegensatz dazu haben Besucher aus der Dreiseen-Region mit einem Saison-Pass die Expo doppelt so häufig besucht als ursprünglich angenommen.
Wenig Interesse aus dem Ausland
Wenn die Hälfte der Schweizer Bevölkerung die Expo.02 besucht hat, dann blieb das Interesse an der Expo aus dem Ausland bis zum Schluss unter den Erwartungen. Mit einer Million ausländischen Besuchern hatte man gerechnet, rund 500’000 Besucher aus dem Ausland wurden schlussendlich gezählt.
Den Grund für das geringe Interesse sieht Müller vor allem darin, dass man insbesondere in Deutschland im Moment wegen den Luftverkehrsabkommen und dem Flugunfall über dem Bodensee nicht sehr gut auf die Schweiz zu sprechen sei.
Auch der starke Franken und der Umstand, dass der Euro in der Schweiz kein reguläres Zahlungsmittel sei, hätten die Leute aus dem Ausland abgehalten, meinte der Marketingchef. Zudem sei die Konsumentenstimmung sowohl in Frankreich wie in Deutschland zur Zeit gedämpft.
Nachdem man im Sommer das mangelnde Interesse aus dem Ausland konstatiert hätte, sei man aktiv geworden und habe im angrenzenden Ausland in lokalen Radio- und TV-Stationen Werbung gemacht. Nationale Kampagnen im Ausland aber hätten das Budget gesprengt, sagte Müller, eine solche würde allein in Frankreich 15 Mio. Franken kosten.
Utopie einer privat finanzierten Landesausstellung
Es war eine Utopie, zu glauben, dass man eine Landesausstellung privat finanzieren könne, sagte Nelly Wenger in bezug auf die Finanzierung der Landesausstellung, welche für Unmut auf allen Seiten gesorgt hatte. Man habe die erste Landesausstellung im 3. Jahrtausend privat finanzieren wollen, das war die Grundidee, und man hat feststellen müssen, dass dies nicht möglich sei.
Wenn die Expo.02 schlussendlich zu rund zwei Dritteln aus öffentlichen Geldern finanziert wird, so sei dies im internationalen Vergleich der Normalfall.
Mitarbeiter beweisen Schweizer Qualität
Ein dickes Lob erhielten die Expo-Mitarbeiter, welche mit ihrer zuvorkommenden Art 95% der Expo-Besucher sehr positiv beeindruckt hatten. Gerade die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten Klasse bewiesen und gezeigt, dass der Schweizer Tourismus Qualität habe, sagte der Marketingchef.
Wie stark die Mitarbeiter sich mit der Expo.02 identifiziert hatten, spiegelte sich auch im grossen Anklang wieder, den das Fest für die Mitarbeiter am Dienstag Abend gefunden hatte. 90’000 Mitarbeiter hatte man erwartet, 160’000 Mitarbeiter aller Arteplages seien zum Abschlussfest gekommen – und so habe man kurzerhand auch Pizzas aus Zürich anliefern lassen müssen.
Und so bestätigt sich denn nicht nur symbolisch Nelly Wengers dringliche Feststellung, dass die Schweizerinnen und Schweizer mit ihrem unerwartet grossen Interesse an der Expo.02 einen grossen Hunger nach Identität gezeigt haben: «La Suisse a faim d’identité.»
swissinfo, Anita Hugi
3,7 Mio. verkaufte Billette (51% der Schweizer Bevölkerung)
64% der Billette waren Tageskarten; 15% waren Dreitagespässe
Billettumsätze: 182 Mio. Franken, 115 Mio. weniger als vorgesehen
79% der Befragten möchten in einigen Jahren eine weitere Expo haben
davon:
32% ja, ohne aber
8% ja, aber an einem einzigen Standort
26% ja, aber mit einer gesicherten Finanzierung von Beginn an
13% ja, aber mit anderen Vorbehalten.
Die Landesausstellung war gemäss der Expo-Direktion ein epochales Ereignis, welches das kollektive Bedürfnis aufzeigte, sich mit den Fragen der nationalen Identität auseinanderzusetzen.
Als zu ambitiös jedoch hätten sich die Einnahmeschätzungen aus den Saisonabos, der Dreitagespässen und die Verkäufe über die professionelle touristische Distributionsschiene erwiesen.
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