Kein Mann für den Hintergrund
An der Generalversammlung der Crossair werden die Weichen für die Schweizer Luftfahrt gestellt. Umstritten ist die Rolle von Crossair-Gründer Moritz Suter.
Im Zentrum der Aktionärs-Versammlung vom kommenden Donnerstag steht nach der Bruchlandung der Swissair der Umbau der Regionalfluggesellschaft Crossair zur interkontinentalen Schweizer Airline.
Für Aufregung sorgt im Vorfeld der Vorschlag für die Besetzung des Verwaltungsrates der neuen Gesellschaft. Der amtierende Crossair-Verwaltungsrats-Präsident Moritz Suter ist vom Steuerungsausschuss unter der Leitung von Rainer E. Gut für das Gremium der «neuen Crossair» nicht mehr berücksichtigt worden.
Widerstand aus Basel
Vor allem aus der Region Basel ist Widerstand gegen diese Vorschläge laut geworden. Dass Moritz Suter nicht vorgeschlagen worden ist, wird als skandalös betrachtet.
Ein Gruppe prominenter Persönlichkeiten – unter anderem Galerist Ernst Beyeler, Manor-Geschäftsführer Rolando Benedick, die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron sowie National- und Ständeräte aus den beiden Basel – riefen per Zeitungsinserate zur Unterschriftensammlung in Sachen Moritz Suter auf.
Laut der Tageszeitung «Blick» sind innert neun Tagen bereits 30’000 Unterschriften für Suter gesammelt worden.
Auch die Grossbank UBS, die zusammen mit der Credit Suisse Group (CSG) nach der Übernahme der Anteile von der bankrotten Swissair 70 Prozent an der neuen Gesellschaft hält, setzte sich für Suter ein. Sein Wissen und seine Erfahrung müssten für die «neue Crossair» weiterhin zum Tragen kommen, hiess es.
Im Sinne der Kapitalgeber
Dennoch werden die Grossbanken indirekt für die Vorschläge des Verwaltungsrates stimmen. Indirekt, weil sie den Zürcher Rechtsprofessor Peter Forstmoser, der dem Steuerungsausschuss angehört, die Vollmacht zur Ausübung ihrer Stimmrechte übertragen haben. Und dieser wird im Sinne der Kapitalgeber stimmen.
Rainer E. Gut verteidigte die Vorschläge des Steuerungs-Ausschusses ausdrücklich. Der Widerstand gegenüber Moritz Suter bei den Kapitalgebern sei gross, argumentierte er. Suter hätte nicht harmonisch in das Gremium integriert werden können. Nötig seien aber Integrationsfiguren.
Ehrenpräsident und Berater?
Suter selber hält sich bei der ganzen Debatte um seine Person im Hintergrund. Er wird die Generalversammlung am Donnerstag leiten. Zu den Wahlen in den Verwaltungsrat hiess es lediglich, er nehme keine Stellung, da dem Verwaltungsrat keine Möglichkeit gegeben worden sei, die neuen Mitglieder zu evaluieren.
Inzwischen suchen Steuerungsausschuss, Banken und weitere Beteiligte nach einer einvernehmlichen Lösung. Die könnte so aussehen, dass Suter zum Ehrenpräsidenten und Berater des Verwaltungsrates vorgeschlagen wird.
Suter winkt ab
Suter lehnt dies jedoch ab. Er wolle nicht Ehrenpräsident und Berater der «neuen Crossair» werden. Diese Ämter interessierten ihn nicht, sagte Suter.
Das Ehrenpräsidium sei ihm schon verschiedentlich angetragen worden, so auch vom Bundesrat und von den beiden Grossbanken. Er selbst sei aber der Sache verpflichtet, sagte Suter. Er werde immer alles tun, was für die Crossair richtig sei.
Wie sich Suter an der Generalversammlung vom 6. Dezember verhalten will, wollte er nicht verraten. «Ich werde diese Generalversammlung ehrenvoll und in Anbetracht dessen, was geschehen ist, würdig leiten», sagte Suter.
Zum neuen Verwaltungsrats-Präsidenten soll Pieter Bouw, der ehemalige Chef der niederländischen Fluggesellschaft KLM, gekürt werden. Ferner sind Jacques Aigrain, Philip Geier, André Kudelski, Urs Rohner, Peter Siegenthaler, Peter Wagner, Michael Pieper, Kevin Benson, Riccardo Gullotti und Claudio Generali vorgesehen.
swissinfo und Agenturen
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