
Maschinenindustrie: Handeln, nicht nur klagen

Die Wirtschaftsflaute lähmt die Schweizer Maschinen-Industrie weiterhin. Probleme bereiten aber auch Fehlleistungen der eigenen Branche und der Schweizer Wirtschaft.
An der Jahresversammlung von Swissmem sparte der Verbands-Präsident nicht mit Kritik.
«Wenn Sie mich fragen, ob der Aufschwung im nächsten Jahr kommen wird, so muss ich passen», sagte Johann Schneider-Ammann, Präsident des Dachverbandes der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Swissmem, am Freitag an der Jahresversammlung in Zürich.
2002 eines der schlimmsten Jahre
Zu viel hänge von der Entwicklung im Ausland ab. Mit einer Exportquote von 75% sei die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) von der weltweiten Investitionskrise «mit voller Wucht» getroffen worden.
Die Talfahrt der Schweizer Industrie, die im Frühjahr 2001 begonnen habe, sei erst im ersten Quartal dieses Jahres etwas gebremst worden. Das Jahr 2002 werde mit 11,7% weniger Umsatz und drastischem Personalabbau als eines der schlimmsten in die Geschichte der Schweizer MEM-Industrie eingehen.
Gegen Trittbrettfahrer
«Weshalb haben aber die europäischen Konkurrenten im Export deutlich besser gearbeitet als wir?», fragte er die anwesenden Verbandsmitglieder. Jedes einzelne Unternehmen müsse selbstkritisch prüfen, ob in allen relevanten Belangen jene Spitzenleistungen geboten würden, welche die hohen Preise rechtfertigten.
An die Unternehmer gerichtet, kritisierte er eine zunehmende Trittbrettfahrer-Mentalität und forderte mehr Solidarität: «Zu viele Unternehmer stehen abseits (des Verbandes) und profitieren gratis von unseren Bemühungen, die ja der gesamten Industrie zugute kommen.»
Sozialpartnerschaft pflegen
Hausaufgaben müssten gelöst werden, damit der Werkplatz Schweiz am kommenden Aufschwung teilnehmen könne. An erster Stelle stehe die Pflege der Sozialpartnerschaft, die angesichts des Wirtschaftseinbruchs und der markanten Arbeitsplatzverluste nicht immer mit der nötigen Sorgfalt gepflegt worden sei.
Arbeitgeber und Unternehmer seien wegen der bekannten Fehlleistungen in den Chefetagen prominenter schweizerischer Unternehmen in eine Glaubwürdigkeitskrise geraten: «Weite Kreise der Bevölkerung und der Beschäftigten glauben uns nicht mehr, wenn wir bei Restrukturierungen betriebswirtschaftlich und unternehmerisch argumentieren.»
Von der Binnenwirtschaft forderte er eine Senkung der «überhöhten Preise und Monopolrenten». Die hohen Kosten seien kein «running gag» der Wirtschaftsführer, sondern für die Exporteure «bitterer Ernst». Eine Volkswirtschaft der zwei Geschwindigkeiten könne sich der Standort Schweiz nicht erlauben.
Lob für Nationalbank
Lobende Worte fand der Präsident hingegen für die Schweizerische Nationalbank: Nach vier Zinssenkungen habe sie ihre Sprachregelung geändert und deutlich gemacht, dass sie einer weiteren Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro entgegenwirken wolle.
Bisher sei der Eindruck vermittelt worden, die Exportindustrie bleibe mehr oder weniger schutzlos dem Druck der Finanzmärkte ausgesetzt.
swissinfo und Agenturen

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