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Nullzinsgrenze erreicht die Schweiz

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sorgen sich Notenbanker wegen deflationärer Tendenzen in der Weltwirtschaft.

In der Schweiz – wie auch in Japan – sei die Nullzinsgrenze schon erreicht.

Die Geldpolitik stosse an ihre Grenzen, sagten die Notenbanker an der Generalversammlung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Montag in Basel. Die Geldpolitik versucht über Änderungen von Zinssatz und Geldmenge auf den Wirtschaftsverlauf Einfluss zu nehmen.

Nur sei zum Beispiel in der Schweiz und in Japan die Nullzinsgrenze bereits erreicht – das verbleibende Instrumentarium in diesen Ländern deshalb eingeschränkt.

Liquiditätszufuhr gross, Bereitschaft klein

Mit anderen Worten, Kapital in Yen und Franken wird real kaum mehr verzinst. Je tiefer der Zinssatz, desto höher sollte die Liquiditätszufuhr sein («expansive Geldpolitik»). Doch nutzt dieses Instrument wenig, wenn keine psychologische Bereitschaft zum Investieren existiert.

Zwar sei ein blosser Rückgang der Preise nicht problematisch, so der BIZ-Bericht. Wenn sich aber die Erwartungen verfestigen, dass es so weitergeht, und die Arbeits- und Gütermärkte nicht genug flexibel sind, dann kann die Situation in eine Deflation münden.

Das allgemeine Preisniveau entwickle sich vor allem in Japan und anderen asiatischen Ländern rückläufig. Deshalb warten dann die Konsumenten noch weiter zu, bevor sie kaufen. Und die Wirtschaft schrumpft.

Im Jahresbericht der BIZ sieht man zwar ermutigende Zeichen für eine sich erholende Konjunktur, warnt aber auch vor überhöhten Gewinnerwartungen. Die Weltwirtschaft sei im Jahr 2002 trotz erheblicher Konjunkturimpulse noch schwächer geworden.

Konjunkturabschwung anders als andere

Beruhigend ist laut BIZ-Bericht, dass sich der Finanzsektor insgesamt als widerstandsfähig erwiesen habe. Doch der jüngste Abschwung könne nicht mit den bisherigen Konjunkturentwicklungen verglichen werden, wie sie sich seit dem Zweiten Weltkrieg immer wieder zyklisch ergeben haben (sog. «Lagerzyklus», wobei die Unternehmen zuerst auf ihrem zu grossen Fabrikations- oder Produktelager sitzen bleiben).

«Was anfänglich als ein normaler Lagerzyklus hätte interpretiert werden können», so der holländische Notenbank- und BIZ-Präsident Nout Wellink, «stellte sich als eine für die Nachkriegszeit ungewöhnliche konjunkturelle Wende heraus.»

EZB anderer Meinung

Schwachstellen des an sich robusten Finanzsystem machen die Notebanker vor allem bei den Versicherungen und Pensionskassen aus. Hier sollten Systemrisiken bekämpft werden, anstatt sich auf den Kundenschutz zu konzentrieren. Mit anderen Worten seien hier Strukturreformen nötig.

Im Gegensatz zur BIZ sieht die Europäische Zentralbank (EZB) zumindest für Europa keine Deflationsgefahr. Wim Duisenberg, EZB-Präsident, meinte ebenfalls an der BIZ-Jahresversammlung, Deflation sei nicht das Hauptthema. Deshalb sei es noch verfrüht, um über weitere Zinsschritte zu spekulieren.

In Deutschland und Italien habe sich das Geschäftsklima überraschend aufgehellt, in Frankreich unerwartet eingetrübt.

swissinfo und Agenturen

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel ist die Zentralbank der nationalen Notenbanken. Sie berät Notenbanken und internationale Finanzorganisationen bei der Anlage ihrer Währungsreserven oder bei der Stabilisierung der Finanzen.
Deflation: Wirtschaftliche Kontraktion resp. Schrumpfung des Bruttoinlandprodukts aufgrund des Umstandes, dass die Preiserwartungen und die Preise fallen, der Konsumentenpreisindex negativ wird.

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