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Online-Shopping bisher ein Flop

In einigen Jahren hoffen die Detailhändler über 5 Mrd. Franken mit E-Commerce einzunehmen. Keystone

Online-Shopping ist für fast alle Anbieter derzeit finanziell ein Flop. Fehlendes Kauferlebnis und Sicherheits-Bedenken lassen die Kaufwilligen noch zögern. Die Euphorie der vergangenen Jahre hat in den letzten Monaten einem tiefen Pessimismus Platz gemacht.

Ausser Spesen (noch) nichts gewesen, müssen die meisten Online- Unternehmen inzwischen feststellen. Einige geben ihr Internet-Angebot deshalb auf oder redimensionieren es.

Statt Euphorie nun Ernüchterung

Die Ertragssituation im E-Business hinkt weiterhin hinter den Erwartungen her. Schweizer Detailhändler schreiben mit ihren Internetplattformen unisono rote Zahlen. Besser sieht es lediglich bei einigen wenigen Nischenanbietern aus.

Studien sprechen dennoch weiterhin von einem grossen Potenzial. So geht man im Schweizer Detailhandel davon aus, dass im Jahr 2005 der Anteil des E-Commerce 6,8% oder 5,7 Mrd. Franken betragen wird. 2010 sollen es 11,4% oder 10 Mrd. Franken sein. Im vergangenen Jahr wurden per Internet lediglich Waren mit einem Wert von rund 20 Mio. Franken umgesetzt.

Nur jeder vierte User macht Online-Shopping

Befragte Experten äussern sich wesentlich skeptischer als noch vor ein bis zwei Jahren über das Potenzial des Internets. Die riesigen Erwartungen seien bisher noch nicht erfüllt worden, heisst es.

Tatsache ist, dass heute rund zwei Millionen Schweizerinnen und Schweizer oder rund 40% der Bevölkerung das Internet regelmässig nutzen, wie Studien der AG für Werbemedienforschung WEMF ergeben haben. Nur rund jeder Vierte davon macht auch Online- Shopping.

«Die Internetfirmen müssen sich bestimmt noch ein bis zwei Jahre gedulden, bis sie Gewinne realisieren können», sagt Oliver Maslowski, Analyst bei der Bank Vontobel. Das Potential des Internet-Shoppings sei derzeit aufgrund eines «gesunden Misstrauens» gegenüber der Sicherheit des elektronischen Handels eingeschränkt.

Prestigeprojekt Internet

Aus Prestigegründen bleiben die meisten Unternehmen dennoch dabei oder steigen neu ein. Spätzünder Coop hat erst im August einen Online-Shop realisiert.

Die Umsatzgrösse wird über Erfolg oder Misserfolg entscheiden: Coop hat für 2002 für seinen Online-Shop ein Umsatzziel von 5 Mio. Franken, profitabel wird der Internethandel aber erst ab einem Umsatz von 40 Mio. bis 50 Mio. Franken.

LeShop will ab 70 Mio. bis 80 Mio. Franken Umsatz profitabel arbeiten und Migros ab 60 Mio. Franken. Davon sind beide Unternehmen noch weit entfernt: LeShop erwartet in diesem Jahr einen Umsatz von gut 11 (2000: 6) Mio. Franken. Migros rechnet mit 8 (2000: 6) Mio. Franken.

Computerspiele und CDs

Besonders erfolgreich auf dem Internet dürften nach Ansicht von Maslowski künftig Geschäfte mit digitalisierten Produkten sein, beispielsweise Softwarespiele, digitalisierte Bücher oder CDs zum Runterladen.

Karin Linz, Projektleiterin Internet bei der WEMF, bestätigt dies. Auch der Verkauf von Reisen und Versicherungen per Internet dürfte künftig anziehen. Kunden hätten vor allem Bedenken, teurere Produkte per Internet zu kaufen.

Maslowski weist auch auf das Kauferlebnis hin: Harzig laufe der Internet-Verkauf von Produkten, bei denen der Kunde ein Kauferlebnis wünsche. Uhren, Autos und Kleider würden kaum über das Internet gekauft, diese Produkte möchte der Kunden selber in Händen halten. Im Internet würden lediglich die Informationen darüber zusammengetragen.

swissinfo und Alexa Clemenz Berger (sda)

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