Presseschau vom 01.07.2003
Der heisseste Juni seit Menschengedenken ist vorbei. Ein Thema für die Schweizer Presse.
Auch die Lage im Nahen Osten interessiert die heimischen Zeitungen.
Mit über 35 Grad verabschiedete sich der letzte Junitag. Nicht nur die Schweiz, nein , fast ganz Europa litt unter der ungewohnten Hitze.
«Europa schwitzte, Moskau fror», schreibt der BLICK. «Ganz Europa stöhnte über den Hitzemonat Juni. In Moskau stöhnte man, weil es mit 13 Grad Durchschnittstemperatur der kälteste Monat seit 60 Jahren war», so das Boulevard-Blatt.
Laut dem BLICK übertrafen die Junitemperaturen deutlich alle Werte seit 1864. In Genf sei am 25. Juni 36,5 Grad gemessen geworden.
Wie in Sizilien
Begeisterung herrscht auch bei der AARGAUER ZEITUNG: «Glühende Hitze wie in Sizilien», kommentiert sie die Tropenhitze im vergangenen Monat.
«Alle Tage des Monats trugen zum Wetter-Rekord bei. Die gemessenen Temperaturen im Mittelland entsprechen den Werten, die für Palermo oder Sevilla normal sind.»
Geschichtsträchtig
«Juni fürs Geschichtsbuch», schreibt denn auch DER BUND. Und: «Von A bis Z schön und heiss: Der vergangene Monat war um 6 bis 7 Grad zu warm.»
Allerdings erlaube der Juni keine Rückschlüsse auf die Witterung der bevorstehenden Sommermonate.
«Letztes Jahr folgte auf den sehr warmen Juni ein verregneter Sommer», erinnert sich die Zeitung.
Problem für die Landwirtschaft
Nicht alle waren glücklich über die Hitze, will der TAGES-ANZEIGER wissen: «Unter der ungewöhnlichen Hitzeperiode litt vor allem die Landwirtschaft. Im Juni fiel fast kein Regen.» Die Situation sei teilweise dramatisch gewesen, so der TAGI.
Doch: «Das Ärgste scheint überstanden. Kühle Meeresluft strömte in der Nacht in die Schweiz ein und leitete einen markanten Wetterumschlag ein.»
Naher Osten
Der gestrige Abzug israelischer Truppen aus Gaza gibt Anlass zu Hoffnung. Für heute ist der Abzug israelischer Soldaten aus Bethlehem im Westjordanland geplant.
«Hoffen und bangen», kommentiert DER BUND das Geschehen. Und: «Ariel Scharon und Mahmud Abbas schlagen ein rasantes Tempo an. Die palästinensische Bevölkerung wird sich über die ersten Verbesserungen in ihrem Alltag wohl ebenso freuen wie die Israelis darüber, vorerst von der Terrorangst befreit zu sein.»
Allerdings gehe ohne den Druck der USA im Nahen Osten nach wie vor gar nichts.
Das Fazit der Zeitung: «Was bleibt, ist ein Aufatmen angesichts der aktuellen Beruhigung – und wieder einmal die Hoffnung, dass die politischen Führer auf beiden Seiten nicht nur für einen kurzen Moment das Wohl ihrer Völker vor ihre eigenen überholten ideologischen Wunschträume stellen.»
Wichtige Phase kommt erst
Die BASLER ZEITUNG zum Truppenabzug: «Doch so erfreulich die Waffenruhe, die humanitären und anderen Erleichterungen, alle grosse und kleinen Fortschritte auch sein mögen: Sie sind nicht mehr als die erste Umsetzungsphase der ‚Road Map‘ zum Frieden.»
Allerdings bleibt die Zeitung kritisch: «Schon sehr bald aber gibt es im Rahmen der zweiten Phase richtungsweisende politische Entscheidungen zu fällen. Dazu aber scheinen beide Parteien nicht bereit.»
Keine Spielchen
Auch die AARGAUER ZEITUNG thematisiert den Nahen Osten. Ihr Kommentar: «Waffenruhe wäre Feriengeschenk.»
Aber: «Auf palästinensischer wie auf israelischer Seite bedrohen Extremisten den dreimonatigen Waffenstillstand. Die erste Hürde dürfte die Konfiszierung palästinensischer Waffen sein.»
Das Fazit der AZ: «Israels Premierminister Ariel Scharon täte allein mit Blick auf seine Bevölkerung, für die drei Monate ohne Terror gerade rechtzeitig zu den grossen Ferien wie ein Geschenk des Himmels kommen, gut daran, von riskanten Spielchen abzusehen.»
Wieder in Ruhe Bus fahren
Die BERNER ZEITUNG: «Die israelische Regierung gibt sich zwar skeptisch, doch in der israelischen Bevölkerung herrscht dennoch Optimismus vor. Man weiss um die Probleme des Waffenstillstands, aber allein das Gefühl, einen Autobus besteigen zu können mit der Gewissheit, ihn auch wohlbehalten wieder verlassen zu dürfen, ist vielen Grund genug zur Freude.»
swissinfo, Elvira Wiegers
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