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Presseschau vom 30.08.2003

Der Chef der Schweizer Luftfahrtbehörde Bazl, André Auer, ist per sofort zurückgetreten. Ein Fall für die Samstags-Zeitungen.

Der verheerende Bombenanschlag in Irak findet ebenfalls Widerhall.

Der Berner BUND fragt sich, ob der Tod des führenden schiitischen Geistlichen Ayatollah Mohammed Bakr al-Hakim in Najaf der Auftakt sei zum Bürgerkrieg in Irak und findet, der Anschlag vom Freitag sei anders als andere zuvor:

«Erstmals sind Iraker die Opfer und nicht britische oder amerikanische Soldaten. Und die Opfer gehören der schiitischen Mehrheit der Bevölkerung an.»

Vorstellbar sei, dass hinter dem Anschlag der Heisssporn as-Sadr stecke, der eine schiitische Armee gegen Hakims Kämpfer aufstellen wolle.

«Sadrs Anhänger werden auf zwei Millionen geschätzt – ein ernst zu nehmendes Unruhepotential – das den ohnehin fragilen Zusammenhalt der Schiiten ganz zerstören und die Besatzungsmächte vor die unlösbare Aufgabe stellen könnte, den Zerfall des Landes aufzuhalten.»

Aufsicht ohne Entschlossenheit

Der Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger hat den Chef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, Bazl, Andrè Auer, entlassen. Offiziell ist Auer zurückgetreten.

Die BASLER ZEITUNG richtet sich an den Departementsvorsteher und schreibt, wie Leuenberger die Gesamtverantwortung für die Staatsaufsicht über die Zivilluftfahrt wahrgenommen habe:

«Wie hat er sie wahrgenommen? Bis vor kurzem – soweit dies aus öffentlicher Wahrnehmung beurteilt werden kann – jedenfalls nicht mit jener zupackenden Entschlossenheit, die er gestern darzustellen versuchte, als es darum ging, den als ‚Ablösung gemäss Vereinbarung‘ maskierten Rausschmiss zu verwedeln.»

Ungünstiger Moment

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG bemüht die «Bruchlandung», welche die Absetzung von Auer bedeute. Nach der überhasteten Feuerwehrübung beim Flughafen Lugano-Agno sei diese Absetzung nur noch eine Frage der Zeit gewesen:

«Der erzwungene Führungswechsel trifft das Bazl in einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die Swiss steht am Scheideweg und vor einer ungewissen Zukunft, die Verhandlungen mit Deutschland über die Bewirtschaftung des süddeutschen Gebietes durch die schweizerische Flugsicherung Skyguide sind noch ohne Ergebnis, und die Situation am Flughafen Zürich ist festgefahren.»

Politische Krise nicht vom Tisch

Der TAGES ANZEIGER findet die Art der Absetzung Auers nicht gerade appetitlich. Sie sei aber nötig. Das Bazl brauche dringend einen neuen Chef:

«Nach zwei Crossair-Abstürzen, dem Zusammenstoss von zwei Jets über dem Bodensee und den miserablen Noten im Sicherheitsbericht des niederländischen Luftfahrtsinstitutes (NRL) liess das Bazl zwar endlich Handlungswillen erkennen. Aber die Glaubwürdigkeit des Amtes war unter Auers Führung nicht mehr zu retten.»

Politisch sei die Krise deshalb nicht vom Tisch, schreibt der TAGES ANZEIGER. Man frage sich, warum zwei Verkehrsminister zehn Jahre lang nicht bemerkt haben, wie der liberalisierte Luftverkehr im Preiskampf ohne radikal verstärkte Aufsicht zum Sicherheitsrisiko mutierte:

«Fragen nach der Mitverantwortung von Verkehrsminister Leuenberger sind nicht einfach Wahlkampfgekläff. Wenn die Politik den Luftverkehr oder die Stromproduktion liberalisiert, dann sind die Politiker dafür verantwortlich, dass die zuständigen Ämter unter den neuen Bedingungen ihre Aufgaben erfüllen.»

swissinfo, Urs Maurer

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