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Was will die Schweizer Armee im Weltraum?

Ludovic Monnerat
Ludovic Monnerat, Oberst im Generalstab, Kommandant des Kompetenzzentrums Weltraum. Keystone / Alessandro Della Valle

Die Schweiz will vorwärts machen bei der Sicherheit und Abschreckung im Weltraum. Verteidigungsminister Martin Pfister hat sich dazu in Berlin mit seinen Amtskollegen aus Deutschland, Österreich und Luxemburg getroffen. Die Länder wollen künftig im Weltraum enger zusammenarbeiten. Warum die Schweiz Fähigkeiten im All braucht und was diese Zusammenarbeit bedeutet, erklärt Ludovic Monnerat, Leiter des Kompetenzzentrums Weltraum.

SRF News: Wie steht es um die Fähigkeiten der Armee im Weltraum?

Ludovic Monnerat: Der Bundesrat hat 2025 die Gesamtkonzeption WeltraumExterner Link zur Kenntnis genommen. Sie ist unsere Strategie, um weltraumgestützte Fähigkeiten aufzubauen, etwa bei der Lageverfolgung, der Informationsbeschaffung, der Telekommunikation oder der Präzisionsnavigation. Der Weltraum wird für die Verteidigung wichtiger, und auch für unseren Alltag.

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Wo hat die Schweiz die grössten Lücken?

Die Schweiz hat keine eigenen Satelliten für duale Anwendungen wie für die Beschaffung von Bildern, der elektronischen Aufklärung oder der Telekommunikation. Wir sind stark abhängig von ausländischen Nationen oder kommerziellen Anbietern. Für die Verteidigung ist das keine Option. Gleichzeitig muss man sagen, dass die Schweiz eine echte Weltraumnation ist mit starken Kompetenzen bei der Industrie sowie der Akademie.

Wie gross ist das Problem der Abhängigkeit?

Das Problem ist sehr gross, denn die Verwundbarkeit von bodengestützten Infrastrukturen ist massiv gestiegen. In moderner Kriegsführung können viele Elemente relativ einfach gestört oder zerstört werden. Der Weltraum wird deshalb als Backup gegenüber bodengestützten Lösungen wichtiger. Für die Verteidigung braucht die Schweiz gewisse souveräne Fähigkeiten im All.

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Nach dem Verteidigungsminister-Treffen will die Schweiz stärker mit Deutschland, Österreich und Luxemburg zusammenarbeiten. Was bringt das konkret?

Mit der Armeebotschaft 2026 schlägt der Bundesrat dem Parlament eine erste Investition vor. Ein grosser Teil dieses Fähigkeitsaufbaus soll in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA erfolgen, aber ohne Verlust der Souveränität.

Die Idee ist, mit der ESA und in Kooperation mit anderen Ländern ein Netzwerk von Bodenstationen und Satelliten aufzubauen. Es geht darum, Ressourcen gemeinsam zu nutzen und zu bündeln, ohne dass die Schweiz in der eigenen Anwendung dieser Systeme eingeschränkt wird. Wenn es notwendig ist, muss sie sich aus diesem Verbund lösen und autonom bleiben können.

In den nächsten zwölf Jahren sind bei der Armee rund 850 Millionen Franken für den Weltraum vorgesehen. Was lässt sich damit realisieren?

Es geht um Fähigkeiten, die wir selbst betreiben können. Vor allem bei der Informationsbeschaffung und der Telekommunikation braucht es einen Kern souveräner Schweizer Fähigkeiten. Dieser autonome Kern wird ergänzt durch militärische und duale Kooperationen sowie durch kommerzielle Dienste, wenn diese günstiger oder einfacher einsetzbar sind.

Bei der Schweizer Armee liegt der Fokus primär auf der Verteidigung. Welche Rolle spielt der Weltraum da?

Die Konzeption der Verteidigung wurde mit Einbezug sämtlicher operationeller Domänen konzipiert: Boden, Luft, Cyber, elektromagnetischer Raum, Information und Weltraum. Der Weltraum bietet Resilienz und Redundanz. Er ermöglicht, weiter zu sehen, zu hören und zu operieren. Deshalb spielt er beim Aufbau der Schweizer Verteidigungsfähigkeit bereits heute eine wichtige Rolle.

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