Entführter IKRK-Delegierter freigelassen
Der 28-jährige Schweizer IKRK-Delegierte, der am Dienstag von Bewaffneten im Gazastreifen verschleppt worden war, ist wieder frei.
Nach der Erstürmung eines palästinensischen Gefängnisses durch israelische Soldaten hatten bewaffnete Palästinenser mehrere Ausländer als Geiseln genommen.
Die Freilassung des Delegierten wurde am Dienstagabend – Stunden nach seiner Entführung – in den palästinensischen Autonomie-Gebieten bekannt.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigte Berichte, wonach der Schweizer nahe einer Polizeistation in Chan Junis freigesetzt worden sei.
Der IKRK-Delegierte war am Dienstag um 13.30 Uhr Ortszeit von Bewaffneten aus dem Büro in Chan Junis verschleppt worden. In einem Telefonanruf an einen seiner palästinensischen Mitarbeiter habe der Schweizer am Nachmittag gemeldet, dass er bei guter Gesundheit sei, hiess es beim IKRK.
Der Mann ist seit Mai 2005 im Gazastreifen im Einsatz. Er leitet das IKRK-Büro im südlichen Gazastreifen, wo ihm fünf palästinensische Mitarbeiter zur Seite stehen.
Mehrere Entführungen
Nach der Erstürmung eines palästinensischen Gefängnisses durch israelische Soldaten hatten bewaffnete Palästinenser am Dienstag mindestens zehn Ausländer im Gazastreifen und im Westjordanland als Geiseln genommen.
Neben dem Schweizer wurden drei Französinnen, zwei Koreaner, ein Kanadier und zwei Australier entführt. Mehrere der Geiseln wurden rasch wieder freigelassen. Kurzzeitig wurde im Westjordanland zudem ein Amerikaner verschleppt.
Im gesamten Gazastreifen sind sechs Delegierte und 28 palästinensische Mitarbeiter im Einsatz für das IKRK. Dieses prüft nach der Entführung des Delegierten weitere Sicherheitsmassnahmen.
Spirale der Gewalt
Mit der Belagerung und Erstürmung eines palästinensischen Gefängnisses in Jericho durch die israelische Armee hat sich die Spirale der Gewalt im Nahen Osten erneut weiter gedreht.
Die Armee hatte das Gefängnis seit Dienstagmorgen belagert, mit Granaten
beschossen und Teile des Gebäudes mit Bulldozern zerstört, um den inhaftierten Palästinenser-Fhrer Ahmed Saadat und mehrere Gefolgsleute in ihre Gewalt zu bringen. Nach zehn Stunden ergaben sich diese den israelischen Truppen.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach wegen des israelischen Militär-Einsatzes seine Europareise am Dienstag ab.
swissinfo und Agenturen
Das IKRK ist in den autonomen Palästinenser-Gebieten und in Israel im Einsatz. Hauptaufgabe der Organisation sind Gefangenenbesuche. Dabei werden Haftbedingungen und Gesundheitszustand überwacht.
Die Entführung von Delegierten ist für das IKRK keine neue Erfahrung. Solche Ereignisse haben sich in den letzten Jahren vermehrt.
Weltweit arbeiten 12’000 Delegierte für das IKRK, das seinen Hauptitz in Genf hat.
In den vergangenen 20 Jahren wurden Delegierte im Kaukasus, Libanon, Somalia und Afghanistan entführt.
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