Thailand verschärft seine Visapolitik – zum Leidwesen von Schweizer Pensionierten
Thailand ist bei Schweizer Rentnerinnen und Rentnern sehr beliebt. Viele von ihnen fliehen vor den kalten Schweizer Wintern und verbringen mehrere Monate pro Jahr im Land. Die jüngste Verschärfung der Visabefreiungsbedingungen durch die thailändische Regierung könnte ihnen dies jedoch erheblich erschweren.
«Einige Rentnerinnen und Rentner, die mit der Digitalisierung nicht vertraut sind, werden sich nicht auf die Online-Beantragung eines Visums einlassen wollen und riskieren so, von der Massnahme betroffen zu sein», sagt Frank Dumoulin, ein Schweizer, der mehrere Monate pro Jahr in Thailand lebt.
Der Walliser bezieht sich auf den Entscheid des Landes vom vergangenen Mai, die visumfreie Aufenthaltsdauer für 54 Länder, darunter die Schweiz, von 60 auf 30 Tage zu reduzieren.
Jedes Jahr reisen Hunderttausende Schweizer Touristeninnen und Touristen nach Thailand. Tourismusfachleute schätzen, dass die grosse Mehrheit systematisch von der Visabefreiung profitiert, die der Schweiz zusteht.
Zu diesen Personen zählen Rentnerinnen und Rentner, die einen Teil des Winters unter der thailändischen Sonne verbringen.
Sie profitierten seit Juli 2024 von einer 60-tägigen Visabefreiung mit der Möglichkeit einer Verlängerung um 30 Tage vor Ort und konnten somit drei Monate bleiben, ohne nennenswerte administrativen Formalitäten erfüllen zu müssen.
Quelle der Unsicherheit
«Diese Änderung sorgt für Unsicherheit in der Community», sagt Dumoulin. Während das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) angibt, bisher nur wenige Anfragen erhalten zu haben, «haben manche Personen mitunter Schwierigkeiten, Informationen zu den neuen RegelnExterner Link zu finden», sagt Sprecher Pierre-Alain Eltschinger.
Pascale Thibaud, eine Schweizerin, die seit etwas mehr als zwei Jahren als Expat in Thailand lebt, sagt: «Diese ständigen Regeländerungen zwingen einen dazu, sich laufend zu informieren.» Sie fügt hinzu, dass es möglich sei, Agenturen einzuschalten, «aber dafür braucht man finanzielle Mittel».
Die im Januar 2024 in Kraft getretene Steuerreform hatte ebenfalls für grosse Unsicherheit gesorgt:
Mehr
Thailand stopft Steuerschlupfloch: Das ändert sich für Auslandschweizer:innen
Missbrauch bekämpfen
Vor der Corona-Pandemie machten die direkten Einnahmen aus dem Tourismus fast 20% des thailändischen BIP aus.
«Der darauffolgende Einbruch des Tourismus hat dem Land einen schweren Schlag versetzt. Infolgedessen versuchte Thailand, den Tourismus mit verschiedenen Massnahmen anzukurbeln. Die Lockerung der Visabedingungen war Teil dieser Strategie», sagt Josef Schnyder, Vertreter der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in Thailand im Auslandschweizerrat.
Mit der Änderung der Visabefreiungspolitik wollen die thailändischen Behörden Missbrauch verhindern. Mehrere Vorfälle mit Ausländerinnen und Ausländern haben in den letzten Monaten in Thailand ein breites mediales Echo ausgelöst. Dabei ging es um nicht genehmigte Erwerbstätigkeiten und diskret verlängerte Aufenthalte.
Laut Daten des thailändischen Ministeriums für Tourismus und Sport halten sich ausländische Besuchende derzeit durchschnittlich rund neun Tage im Land auf. Die politischen Entscheidungstragenden kamen daher zum Schluss, dass eine Verkürzung der visumfreien Aufenthaltsdauer wahrscheinlich keinen wesentlichen Einfluss auf die Tourismusnachfrage haben würde.
Strengere Bedingungen und Kontrollen
Neben diesen administrativen Änderungen hat Thailand die Einreisebedingungen insgesamt verschärft.
So muss eine alleinreisende Person mindestens 20’000 Baht (rund 480 Schweizer Franken) und eine Familie 40’000 Baht (rund 960 Schweizer Franken) bei sich tragen.
Laut Schnyder haben thailändische Medien berichtet, dass im Jahr 2025 bereits rund 30’000 Personen an der Grenze zurückgewiesen worden seien. «Das ist eine deutlich höhere Zahl als in den Vorjahren», sagt er.
Nach Ablauf der 30 visumfreien Tage kann der Aufenthalt weiterhin einmalig um weitere 30 Tage verlängert werden – zu einem Preis von 1900 Baht (rund 46 Schweizer Franken).
«Letztendlich liegt die Entscheidung jedoch bei den Einwanderungsbeamten. Es besteht daher immer das Risiko, dass der Antrag abgelehnt wird», warnt Dumoulin.
Als Administrator der Facebook-Gruppe «Suisse Romande-Thaïlande» gibt er an, mehrere Anfragen von Schweizer Rentnerinnen und Rentnern erhalten zu haben.
«Der Bussgeldbetrag für eine Überschreitung der Aufenthaltsdauer ist mit 500 Baht pro Tag (ca. 12 Schweizer Franken) gering, aber es ist besser, die Verlängerung für 1900 Baht zu bezahlen und eine einwandfreie Aufenthaltshistorie zu bewahren, um mögliche Komplikationen bei künftigen Einreisen oder Visaanträgen zu vermeiden», rät er.
Mehr
Mehr «Border Runs»
Viele Expats, die nicht offiziell als Daueraufenthaltende registriert sind, nutzen die Visabefreiung, um einen Grossteil des Jahres in Thailand zu leben. Dazu führen sie schnelle Grenzübertritte, so genannte «Border Runs» oder «Visa Runs», durch.
Wegen der Verkürzung der visumfreien Tage auf 30 verdoppelt sich die Häufigkeit, mit der sie das Land verlassen und wieder einreisen müssten.
«Personen, welche die finanziellen Voraussetzungen für ein ordentliches Visum nicht erfüllen, machen gerne von ‹Border Runs› Gebrauch. Für sie wird sich die Situation stark verkomplizieren», sagt Thibaud. Sie ist auch der Meinung, dass «es zum Teil wegen dieser Expats ist, die sich in der ‹Grauzone› bewegen, dass Thailand einen härteren Kurs einschlägt».
Gegenteiliger Effekt
Thailand verfolgt seit mehreren Jahren die Strategie, sich als attraktives Reiseziel für wohlhabende Touristinnen, Touristen und Expats zu positionieren. Zu diesem Zweck hat das Land verschiedene Visakategorien entwickelt.
«Diese Strategie könnte jedoch auch einige unerwartete Auswirkungen haben, besonders das Risiko, dass sich ein Teil der potenziellen Besuchenden oder Einwohnenden anderen Destinationen zuwendet», so Thibaud.
Dumoulin hält es dennoch für unwahrscheinlich, dass Rentner:innen, die sich für eine Saison in Thainland aufhalten, das Land verlassen: «Nach der Ankündigung dieser Änderung bei der Visabefreiung haben einige erklärt, sie würden in ein Nachbarland ziehen. Aber diese bieten bei weitem nicht dieselbe Lebensqualität. Und wer diesen Schritt wirklich wagt, kehrt in der Regel recht bald nach Thailand zurück.»
Überprüfung aller Visa
Das thailändische Aussenministerium beabsichtigt, den gesamten Visarahmen zu überarbeiten – nicht nur den touristischen Bereich. Dies wurde im Mai kommuniziert.
In der Schweizer Gemeinschaft vor Ort weckt dies die Befürchtung einer Verschärfung der Bedingungen: «Wir befürchten, dass eine Änderung der Bedingungen für bestimmte Visa, darunter das Ruhestandvisum OExterner Link, spezifische Versicherungen vorschreiben könnte», sagt Dumoulin.
Dabei geht es um kostspielige Krankenversicherungen, die Rentner:innen aufgrund ihres Alters häufig keine Deckung bieten und für die Diaspora ein bekanntes Problem sind.
Bislang wurden die angekündigten Änderungen noch nicht in der Royal Gazette veröffentlicht, dem offiziellen Amtsblatt Thailands. Sie treten 15 Tage nach der Veröffentlichung in Kraft. Bis dahin gilt weiterhin die 60-tägige Visabefreiung.
Editiert von Samuel Jaberg, Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch