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Ermittlungs-Berg gebärt eine Maus

Attentat in Riad im Mai 2003: Unter den 35 Toten war ein Schweizer. Keystone

Die Ermittlungen betreff mutmasslicher Hilfe an die Al Kaida sind abgeschlossen. Nur zwei der zehn Verdächtigten müssen vor Bundesstrafgericht.

Anfang 2004 wurden zehn Jemeniten in der Schweiz verhaftet, im Zusammenhang mit dem Attentat in Riad 2003, das auch einem Schweizer das Leben kostete.

Die Schweizer Justiz glaubte, Terroristen gefunden zu haben. Doch hat sie in erster Linie ein Netzwerk von illegalen Zuwanderern aufgedeckt, die mit falschen Papieren handelten. Dies erlaubte es Jemeniten, mit falscher Identität und falschen Namen um politisches Asyl zu ersuchen.

Von den zehn Männern, die zwischen Dezember 2003 und Januar 2004 in der Schweiz unter Terrorismus-Verdacht verhaftet wurden, konnte acht kein Bezug zur Al Kaida nachgewiesen werden.

Sie verbrachten bis zu 16 Monaten in Untersuchungs-Haft. Sie übertraten die Ausländergesetzgebung: Der Schlepperei-Vorwurf ist geblieben, und sie werden sich vor kantonalen Instanzen verantworten müssen.

Kontakte zu mutmasslichem Al-Kaida-Mitglied

Zwei weiteren Verdächtigen hingegen konnten Kontakte mit Abdullah al-Rimi, einem mutmasslichen Mitglied von Al Kaida, nachgewiesen werden. Die beiden müssen sich vor dem Bundesgericht in Bellinzona verantworten, weil sie eine kriminelle Organisation unterstützt hätten.

Jetzt hat der Eidgenössische Untersuchungsrichter Paul Perraudin seine Untersuchung zur mutmasslichen Hilfe an die Al Kaida aus der Schweiz abgeschlossen. Die grösste in der Schweiz je gegen ein islamistisches Netz geführte Untersuchung habe somit «eine Maus geboren», wie die Freiburger Tageszeitung La Liberté am Donnerstag dazu schrieb.

Paul Perraudin hat auf einen Artikel in dieser Zeitung hin die Schliessung des Dossiers bestätigt, das Verfahren werde der Bundesanwaltschaft (BA) übergeben. Diese will die beiden mutmasslichen Al-Kaida-Helfer «so rasch wie möglich» in Bellinzona anklagen, wie eine BA-Sprecherin sagte.

Netzwerk von Menschenschmugglern

Die zehn Jemeniten werden verdächtigt, ein Netzwerk von Menschenschleppern aufgezogen zu haben. Aus den jemenitischen Landsleuten wurden zuerst «Somalier» gemacht, damit sie den Status erhielten, in der Schweiz um politisches Asyl zu ersuchen.

Zu Beginn des Verfahrens hatte die Bundesanwaltschaft die meisten dieser Männer ausserdem verdächtigt, einer kriminellen islamistischen Vereinigung anzugehören, welche die Al Kaida unterstützt.

Doch nur zwei bleiben terrorverdächtig, weil ihnen telefonische Kontakte mit al-Rimi nachgewiesen wurden.

Mitattentäter inzwischen aus dem Gefängnis entwichen

Dieser ist im Februar jedoch zusammen mit 22 anderen Al-Kaida-Kämpfern in Sanaa, Jemen, ausgebrochen und gilt seither als untergetaucht. Ein wichtiger Al-Kaida-Zeuge für die Schweiz befindet sich somit noch auf der Flucht.

Al-Rimi soll laut dortigen Behörden beim Attentat auf Ausländer-Wohnanlagen in Riad im Mai 2003 beteiligt gewesen sein. Damals gab es mindestens 35 Tote, darunter einen Schweizer.

Bevor er zwei Monate später festgenommen wurde, soll al-Rimi Kontakte zur Schweiz gehabt haben. Telefongespräche belegen, dass er die Jemeniten um falsche Pässe bat, um einreisen zu können.

Al-Rimi ist laut dem US-Bundeskriminalamt FBI auch in den Anschlag gegen den US-Zerstörer USS Cole im Jemen im Jahr 2000 verwickelt.

Laut Verteidiger ist Affäre «aufgebauscht»

Ralph Wiedler Friedmann, Verteidiger eines der beiden Terrorverdächtigen, glaubt, die Affäre sei von den Bundesbehörden «aufgebauscht» worden, ein klarer Beweis liege nicht vor.

Der Zürcher Rechtsanwalt verneint zwar die telefonischen Kontakte seines Klienten mit al-Rimi nicht. Nur sei sein Klient nicht auf den Wunsch von al-Rimi eingegangen.

swissinfo und Agenturen

Nach dem September 2001 führte die Schweiz Ermittlungen im Zusammenhang mit Anschlägen der Al Kaida und ihr nahestehenden Kreisen.

Im Mai 2003 kam bei einem Attentat auf Ausländer in Saudi-Arabien auch ein Schweizer ums Leben.

In der Schweiz wurden darauf während der Operation «al-Saud» im Frühjahr 2004 zehn Personen festgenommen.

Sie wurden verdächtigt, kriminell-terroristischen Vereinigungen nahe zu stehen.

Doch handelte es sich bei den meisten um falsche Asylsuchende und Schlepper.

Jetzt müssen sich zwei der ursprünglich zehn vor dem Bundesstraf-Gericht in Tessin verantworten.

Sie telefonierten mit Abdullah al-Rimi, einem mutmasslichen Al-Kaida-Mitglied, der letzten Februar aus dem Gefängnis in Sanaa ausgebrochen ist.

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