Mit Technologien zum Frieden
Informations- und Kommunikations-Technologien sollen mithelfen, Konflikte zu verhindern und zu entschärfen. So will es ein Projekt der Schweiz.
«ICT4peace» will eine Internet-Plattform für die internationale Gemeinschaft ins Leben rufen, auf der Experten Ideen und Wissen austauschen können.
Das Projekt ist Teil des Schweizer Beitrags zum zweiten Welt-Informationsgipfel der UNO, dem World Summit on the Information Society (WSIS), der im kommenden November in Tunesien stattfindet.
Der erste UNO-Informationsgipfel hatte 2003 in Genf stattgefunden. Damals wurde ein Aktionsplan verabschiedet, der vorsieht, mit Hilfe von Informations- und Kommunikations-Technologien Armut, Hunger und Krankheiten zu bekämpfen. (ICT4Peace).
Seither haben die Verantwortlichen des ICT4peace-Programms mit zahlreichen Friedensexperten gesprochen, die in Krisenregionen, so in Somalia, Mazedonien oder dem Nahen Osten, stationiert sind.
Es ging darum herauszufinden, wie diese Technologien zur Förderung der Friedensbemühungen eingesetzt werden könnten.
Von Basis-Aktionen lernen
«Wir sind in Somalia auf ein Projekt gestossen, bei dem ältere Menschen auf Videobändern über ihre allgemeinen Sicherheits-Bedürfnisse sprechen», sagt William Drake, wissenschaftlicher Berater des Programms.
Gerade Basis-Aktionen wie diese würden helfen, Barrieren zwischen Gruppen und Gemeinden zu beseitigen und allfällige Konflikte im Keime zu ersticken.
Kriege verhindern
Eines der Hauptziele des Technologie-Einsatzes soll sein, Kriege zu verhindern, Konflikte zu entschärfen und den Wiederaufbau zu fördern. «Frieden ist eine Vorbedingung für soziale Entwicklung», formuliert Daniel Stauffacher, Mitglied der Schweizer Delegation am Genfer Info-Gipfel.
«Brechen Konflikte aus, können sie einen langjährigen Entwicklungsaufbau innert Wochen zunichte machen», so Stauffacher. Informations- und Entwicklungs-Technologien müssten deshalb in der globalen Agenda weiter nach oben rücken, denn es gehe um Fortschritt und die Garantie der menschlichen Sicherheit.
Frühwarn-System
Gemäss den Projekt-Verantwortlichen können Technologien genutzt werden, um in vom Menschen verursachten Konflikten wie Krieg und Genozid Menschenleben zu retten. Ähnlich Frühwarnsystemen, die bei Erdbeben oder Epidemien Alarm schlagen.
Stauffacher und Drake machen sich aber keine Illusionen: Mit Technologien allein lasse sich kein Krieg stoppen. Vielmehr dienten sie als Werkzeug zum Aufbau von kultureller Akzeptanz und verantwortungsvollem Gemeinsinn zwischen Bürgern und Regierungen.
«Manchmal sehen wir Konflikte wie auf dem Radarschirm auftauchen. Es geht also um die Beziehung zwischen Erkennen und etwas dagegen tun, was sehr wichtig ist», so Stauffacher weiter.
Humanitäres Netzwerk
Technologien sollen laut Experten auch beim Wiederaufbau nach kriegerischen Zerstörungen eine grössere Rolle spielen.
Erste Priorität ist die Bildung eines internationalen Experten-Pools, dem Technologie-Spezialisten, Friedens-Experten, Regierungen, internationale Organisationen sowie Wirtschaft und die Zivilgesellschaft angehören.
Im Vordergrund steht dabei die Verbesserung der Koordination der verschiedenen Organisationen. «Es gibt viele Leute, die Interessantes tun. Sie wissen aber oft nicht, was die anderen machen», so William Drake.
«Uns geht es um den Aufbau eines Netzwerks, das die Kommunikation erleichtert. Schliesslich sollen Technologien ja dazu dienen, dass Menschen und Organisationen besser handeln können.»
swissinfo, Anna Nelson in Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)
Die Schweizer Regierung hat zusammen mit verschiedenen Organisationen und Einzelpersonen eine Initiative lanciert, um Technologien als Instrument der Friedensförderung einzusetzen.
Das Projekt ICT4peace will mit Hilfe von Informations- und Kommunikations-Technologien Kriege verhindern helfen und den Wiederaufbau nach Konflikten unterstützen.
Zur Initiative gehört auch die Eröffnung einer Online-Plattform für Friedensexperten und internationale Organisationen.
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