Seebeben: Schweizer Todesopfer möglich

Während der Seebeben in Südostasien sind möglicherweise auch Schweizer umgekommen. Die Zahl der Opfer beläuft sich auf mindestens 27'000.
Laut Aussenministerium gebe es Augenzeugen von Schweizer Opfern auf der Badeinsel Phuket in Thailand. Doch bestätigt werden könne dies nicht.
Bei der Flutwellen-Katastrophe im Indischen Ozean dürften nach Augenzeugenberichten auch einige Schweizer Staatsangehörige in Thailand ihr Leben verloren haben.
Personen seien aber noch keine identifiziert, teilte Micheline Calmy-Rey, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Montagabend mit.
Die Flutwelle vom Sonntag zerstörte die Küstenzonen mehrerer Länder in einem beispiellosen Ausmass und tötete nach amtlichen Angaben mindestens 27’000 Menschen. Weitere Zehntausende werden vermisst.
Allein in Sri Lanka wurden bis Montagabend 11’000 Tote beklagt. An der Südküste hatte sich das Wasser zu einer neun Meter hohen Mauer aufgetürmt, die mit einer Geschwindigkeit von 800 Stundenkilometern auf Strände krachte.
Vier Experten zur Personenidentifikation seien nach Thailand unterwegs, sagte Botschafter Peter Sutter in Bern. Dort befänden sich auch einige schwerverletzte Schweizer.
Suche von über tausend Schweizern
Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) flog am Montag mit einem Ambulanzjet nach Phuket. Sie wollte fünf verletzte Schweizer Touristen abholen. An Bord des Flugzeugs befinden sich drei medizinische Teams (Arzt und Krankenschwester).
Die Schweizer Reiseversicherung Elvia hatte nach eigenen Angaben bis am Montagmorgen mit 60 bei der Flutwelle verletzten Touristen in Asien Kontakt. Noch immer würden rund 1000 Personen aus der Schweiz gesucht. Dazu komme eine unbekannte Zahl von Individualtouristen.
Der Reiseveranstalter Globetrotter meldete, einer seiner gut 480 in der Region weilenden Kunden sei im thailändischen Khao Lak schwer verletzt worden. Seine Begleiterin gelte als vermisst. Kontakt zu den Individualreisenden sei schwierig.
Über 2000 Schweizer gestrandet
Laut Sutter von der EDA-Abteilung «Schweizer im Ausland» sind rund 2200 Schweizer Touristinnen und Touristen in den Katastrophengebieten gestrandet. Die auf 20 Personen aufgestockte Hotline des EDA habe in den letzten 24 Stunden mehr als 1500 Anfragen von Angehörigen erhalten (Tel. Nr. +41 31 325 33 33).
Der Konsularische Schutz sei namentlich im thailändischen Phuket verstärkt worden, wo zwischen 80 und 100 Schweizerinnen und Schweizern, die bei der Flutwelle ihr Gepäck verloren hätten, Hilfe gewährt werde.
Rücktransport
Die grossen Reiseanbieter Kuoni und Hotelplan begannen am Montag zusammen mit dem EDA, Kunden in die Schweiz zurückzufliegen.
Am Morgen landete ein erster Flug aus Malé mit 313 Touristen an Bord. Ein am Samstag in Colombo, Sri Lanka, zwischengelandetes und nicht nach Malé weitergeflogenes Flugzeug kehrte ebenfalls nach Zürich zurück.
Hotelplan-Gäste flogen mit Malev aus den Malediven zuerst nach Budapest und dann nach Zürich. Eine Belair-Maschine wurde am Abend mit 137 Passagieren in Zürich erwartet.
Wie Hotelplan mitteilte, ist die Evakuierung seiner rückreisewilligen Kunden von den verwüsteten Malediven-Inseln damit beendet. In Sri Lanka befanden sich 20 Personen von Hotelplan. Kontakt besteht zu allen. Zwei verliessen ein beschädigtes Hotel.
Betreuungsteam entsandt
Kuoni schickte am Montag eine Edelweiss-Maschine nach Colombo und Malé. Damit fliegen am Dienstag 180 Gäste aus Sri Lanka und den Malediven nach Hause. Mit der Fluggesellschaft Sri Lankan flogen zudem am Montagnachmittag 16 Kuoni-Kunden nach Zürich.
Ab Mittwoch bieten Kuoni und Hotelplan Rückflüge aus Phuket an. Eine 252-sitzige Maschine der Belair soll am Morgen mit einem Psychologenteam an Bord zu einem Sonderflug starten, der am Nachmittag um 14.30 Uhr in Zürich erwartet wird.
Wie Kuoni mitteilte, wurden Kunden aus Khao Lak nahe Phuket mit Bussen nach zu den Flughäfen in Bangkok und Phuket gefahren. TUI Schweiz (Reisemarken Imholz, Vögele, Flex Travel) half seinen Kunden beim Umbuchen.
Alle bis Ende Monat in die Region gebuchten Reisen bei Kuoni und TUI können spesenfrei annulliert werden. Hotelplan annulliert spesenfrei für Reisedaten bis 2. Januar.
Unterdessen sprach die Schweizer Regierung eine Million Franken Soforthilfe, die Europäische Union versprach drei Mio. Euro, und die USA 15 Mio. Dollar.
swissinfo und Agenturen
Das Beben von Sonntag morgen (2 Uhr nachts Schweizer Zeit) mit der Stärke 9 auf der Richterskala ist das stärkste Beben seit 1964 (Alaska).
Gemäss amerikanischen Seismologen handelt es sich beim jetzigen Beben um das fünfstärkste seit 1900.
Verschiedene Flutwellen haben die Küsten von Sri Lanka, Indien, Indonesien, Malaysia, Thailand, Myanmar (Burma) und die Malediven überspühlt.
Die Zahl der Toten wird auf über 23’000 geschätzt, und die Bilanz verschlimmert sich stündlich.
Die letzte grosse Flutwelle (Tsunami) ereignete sich am 17. Juli 1998. Sie forderte an der Küste von Papua-Neuguinea rund 2500 Menschenleben.
Die Hotline des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) die Verwandten von Südostasien-Reisenden Auskunft gibt: +41 31 325 33 33.
Die «Glückskette» hat ein Sammelkonto eröffnet (Konto 10-15000-6).

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