Schweiz gibt sich an Weihnachten weltofffen
Eine breite Umfrage der Schweizer Tageszeitung "Blick" vom Samstag (23.12.)zeigt ein ungewohntes Bild: Die Öffnung des Landes wird bejaht. Die Volksinitiative "JA zu Europa" kriegt in der Umfrage gar eine 49-prozentige Zustimmung. Dank der Westschweiz!
Die Umfrage im «Blick» zeige, so schreibt das Blatt, dass die Schweizerinnen und Schweizer aufgeschlossener und offener seien, als man das villeicht annehmen möchte. Das gelte auch für aussenpolitische Fragen. Möglicherweise ist dem so. Möglich auch, dass man in weihnächtlich-gelöster Stimmung mal JA gesagt hat.
JA zu bewaffneten Einsätzen der Armee
Die Umfrage (der Blick spricht von einer Überraschung) zeigt, dass ganze 78 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer bewaffnete Einsätze von Schweizer Soldaten im Ausland zur Friedenssicherung begrüssen. Ganz klar wurde aber auch gesagt, die Einsätze müssten freiwillig sein und ein Mandat der UNO oder OSZE sei Bedingung. Welsch- und Deutschschweiz sind sich einig, kein Röschtigtraben also. Die Frauen lehnen etwas stärker ab, als die Männer.
JA zum UNO-Beitritt
Nebst dem Vatikan ist die Schweiz das einzige, völkerrechtlich anerkannte Land, das der UNO bislang fernbleibt. Aber in Genf findet sich die zweitgrösste UNO-Mission beherbergt. Das wollen in der Umfrage 63 Prozent ändern. Sie befürworten den Beitritt der Schweiz zur UNO. Auch hier kein «Röschtigraben».
Beinahe JA zu Europa
Bald einmal (am 04.03.2001)wird in der Schweiz über die Volksinitiative «JA zu Europa» abgestimmt werden. Sie will, dass die Regierung sofort Beitritts-Verhandlungen mit der EU aufnimmt. Hier sind 49 Prozent für die Initiative und nur 39 Prozent dagegen. Der Rest weiss es noch nicht, was er in die Urne legen soll.
Immer beim Thema «Europa» zeigt sich der Graben zwischen Welsch- und Deutschschweiz. Auch die Umfrage zeigt ihn wieder. In der Romandie sagen 69 Prozent JA zur Initiative, während in der Deutschschweiz das nur 44 Prozent tun.
Diese Abstimmung wird also vermutlich wieder eine zweigeteilte Schweiz zeigen. Hier die weltoffene französisch-sprachige Schweiz und da die halt doch isolationistischere Deutschschweiz.
swissinfo
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