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Beerdigung der vierjährigen Liza

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Sehr geehrte Damen und Herren

Genau sechs Monate ist es her, seit die russische Armee in die Ukraine einmarschiert ist. Das Bild der Trauernden um den Sarg der kleinen Liza, die bei einem Angriff am 17. Juli in Winnyzja zusammen mit weiteren 22 Menschen ermordet wurde, fasst für mich das Leid, das Grauen und die Verzweiflung besser zusammen als alle Analysen dieses imperialen Raubzugs. Liza wurde nur vier Jahre alt.

Freundliche Grüsse aus Bern

Beerdigung der vierjährigen Liza
Copyright 2022 The Associated Press. All Rights Reserved

Tod, Leid und Zerstörung: Der Krieg gegen die Ukraine geht weiter.

Genau sechs Monate sind seit dem russischen Angriff vergangen: Zehntausende von Toten, Millionen Geflüchtete, massive Zerstörungen – und eine geopolitische Unsicherheit, wie sie es schon lange nicht mehr gab. Die Invasion hat den Westen erschüttert und wirkt sich weltweit aus, etwa durch steigende Energie- und Lebensmittelpreise.

Wie geht es weiter? Das ist im Moment kaum zu beantworten, zu viel scheint offen. Ich habe schon früh befürchtet, dass dieser Krieg lange dauern würde und ein schnelles Ende reines Wunschdenken war. Die Standhaftigkeit der Ukraine beeindruckt weiterhin und lässt alle im Regen stehen, die ihr diese nicht zutrauten.

Heute ist zudem Nationalfeiertag in der Ukraine: 31 Jahre Unabhängigkeit. Doch Feierlichkeiten gibt es keine, zu gross ist die Gefahr von Angriffen auf Ansammlungen. Und angesichts der vielen Gefallenen und Opfer ist wohl ohnehin niemandem zum Feiern zu mute. Hoffen wir, dass die Ukrainer:innen bald wieder bessere Zeiten erleben werden.

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EIn Ständer mit Zeitungen
© Keystone / Ennio Leanza

Das sagen die Schweizer Medien zum Krieg.

«Ein halbes Jahr nach der russischen Invasion in der Ukraine bleibt die militärische Option die einzig realistische», so das ernüchternde Fazit der NZZ. Der militärische Landraub könne nicht mit territorialen Zugeständnissen legitimiert werden, vor allem weil Moskau zu keinerlei Konzessionen gegenüber Kiew bereit ist. Die Vergangenheit habe der Ukraine gezeigt: Nur militärische Stärke bietet Schutz gegen den unberechenbaren Nachbarn. Hier geht esExterner Link zum Kommentar. (Paywall)

Ernüchternd auch das Fazit im Tages-Anzeiger: Ein Ende sei nicht in Sicht. «Putin hat ja nicht nur eine Falle für die Ukraine aufgestellt, er hat sein eigenes Land in einen geistigen Käfig gesperrt, damit es ihm selbst nicht gefährlich werden kann. Der ideologisch-propagandistische Überbau verbietet dem Präsidenten den kontrollierten Rückzug, es bleibt nur der Sieg oder die eigene Zerstörung.» Der Krieg wurde von Putin begonnen, er werde auch bei ihm enden. Die Analyse finden Sie hierExterner Link. (Paywall)

«Moskau hat sich in den ukrainischen Sumpf und damit in ein Desaster manövriert, aus dem es so schnell keinen Ausweg gibt», schreibt die Aargauer Zeitung. Die massiven Zerstörungen in der Ukraine könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die russische Armee deutlich weniger erfolgreich ist, als die meisten erwarteten. Die Propaganda ziehe zwar weiter – auch unter den «nützlichen Idioten» im Westen – aber die Zeit arbeite letztlich für die Ukraine. Hier finden SieExterner Link den Text. (Paywall)

Was bedeutet das alles für die Schweiz? «Unser Land hatte es sich in der Welt nach dem Ende des Kalten Kriegs besonders bequem gemacht», schreibt Watson. Russische Firmen haben sich in der Schweiz niedergelassen, reiche Oligarchen kommen hier Ski fahren, die Exporte florieren (sogar jetzt noch). Seit Kriegsbeginn stellen sich aber ernsthafte Fragen: Sanktionen, «kooperative» oder «ewige» Neutralität, Gasknappheit – der Schweiz weht ein eisiger Wind entgegen. Da rächt sich nun auch, dass wir noch immer nicht wissen, wie unser Verhältnis zur EU künftig ausgestaltet werden soll. Wohin gehören wir also? Diese Frage stellt sich immer mehr. Lesen Sie hierExterner Link den Bericht.

Werbung für das russische Militär
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Wie steht es um den Widerstand innerhalb Russlands?

Die russische Bevölkerung stehe grösstenteils hinter dem Angriff, heisst es oft mit Verweis auf Umfragen. Das kann man zwar durchaus hinterfragen, da deren Aussagekraft eher dürftig ist. Dennoch ist klar: Eine grosse Front gegen den Krieg hat sich in Russland nicht gebildet.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Repression ist gewaltig und die Strafen drakonisch. Sabotagen gibt es aber durchaus: Gleise werden in die Luft gesprengt, militärische Einrichtungen angegriffen. Wie häufig solche Dinge passieren, ist aber auch angesichts der niedergerungenen Medienlandschaft in Russland kaum zu eruieren.

Der Anschlag auf Darja Dugina, der Tochter des faschistischen Ideologen Alexander Dugin hat für Aufruhr gesorgt – auch, weil sich eine Gruppe namens Nationale Republikanische Armee (NRA) dazu bekannt hat. Noch sind die Hintergründe unklar, auch eine Verstrickung des russischen Nachrichtendienstes gehört zu den Vermutungen. Aber die Bombenexplosion im Herzen Moskaus wird auf jeden Fall Auswirkungen haben.

Baustelle
Keystone / Steffen Schmidt

Wohneigentum in der Schweiz: Eine Quelle der Ungleichheit

Ich habe mich schon längst damit abgefunden, dass ich mir in der Schweiz nie ein Haus kaufen werde. Nicht nur verdiene ich dafür zu wenig – ich werde auch keins erben. Damit bin ich bei weitem nicht der Einzige.

«Mehr und mehr wird das Eigenheim zu einem Luxusprodukt«, sagt ein Experte. Seit 2000 haben sich die Immobilienpreise im Durchschnitt mehr als verdoppelt. Das hat Folgen: Während fast 70% der EU-Bürger:innen in einer Wohnung oder einem Haus in Eigenbesitz leben, liegt diese Quote in der Schweiz nicht einmal bei 40%.

Das Ganze ist natürlich nicht eine gottgegebene Situation, sondern Resultat politischer Entscheidungen, die im letzten Jahrhundert gefällt wurden. «In der Schweiz wurde das nationale Narrativ um Währungsstabilität und Vollbeschäftigung herum geformt, aber der Zugang zu Wohneigentum war nie Gegenstand einer aktiven öffentlichen Politik», so der Experte. Was wiederum tröstlich ist – denn Politik kann auch verändert werden. Ich bin gespannt, wann die Schmerzgrenze erreicht ist und die Parteien unter Druck kommen werden.

  • Lesen Sie hier den Bericht meines Kollegen Samuel Jaberg.
  • Alle bauen in der Agglo, nur niemand zieht hin – eine Bildreihe, die das Paradoxe des Schweizer Immobilienmarktes illustriert.

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