Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Wirtschaftsminister Guy Parmelin ist in der Nacht auf heute kurzfristig in die USA gereist. Im Gepäck: ein neues Angebot der Landesregierung an die USA im Zollstreit.
Weiter im heutigen Briefing: Schweizer Landwirt:innen können aufatmen, für sie soll weniger Bürokratie anfallen, und – sind Sie ein Coop- oder Migros-Kind? Zwei ehemaligen Konzernchefs erzählen vom Konkurrenzkampf, besonders angesichts des Aufkommens deutscher Discounter.
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Wirtschaftsminister Guy Parmelin ist mit einem neuen Angebot der Landesregierung im Zollstreit in die USA gereist.
Zuerst hiess es lediglich, der Wirtschaftsminister sei kurzfristig in der Nacht auf heute in die USA gereist, weswegen er seinen Auftritt an einem Anlass von Economiesuisse abgesagt hatte.
Unterdessen hat Aussenminister Ignazio Cassis bestätigt, dass es sich bei der Reise seines Amtskollegen um den Zollstreit zwischen den USA und der Schweiz handelt. «Wir haben ein optimiertes Angebot an die USA ausgearbeitet», sagte Cassis vor den Medien.
Das Angebot sei nun Bestandteil von Gesprächen, die Parmelin in den USA führe. Die Reise des Wirtschaftsministers sei Teil der zweiten Verhandlungsrunde in der Zollfrage. Zum Zeitpunkt, als dieses Briefing geschrieben wurde, ist das genaue Programm von Parmelins Reise noch nicht bekannt.
Eine Veranstaltung des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse fand aufgrund Parmelins Reise ohne den Bundesrat statt. Doch auch hier waren die Zölle Thema. «Wir müssen uns auf schwierige Zeiten vorbereiten», sagte der UBS-CEO Sergio Ermotti am Anlass. Selbst wenn die Zölle von 39 auf 15 Prozent sinken würden, seien das keine «Good News». Trotzdem zeigte sich Ermotti zuversichtlich, dass der Bundesrat eine Lösung finden wird. «Wir dürfen nicht mit Isolationismus antworten.»
Mit (zu viel) Bürokratie schlägt sich niemand gern herum. Landwirt:innen in der Schweiz können nun aufatmen. Ein neuer Aktionsplan soll Abhilfe schaffen.
Konkret soll es noch eine Grundkontrolle pro Jahr und Betrieb geben anstatt wie derzeit bis zu fünf. Zudem sollen Daten konsequenter ausgetauscht und Abläufe gebündelt werden. Aktuell kann ein Betrieb mit beispielsweise Milchkühen, Ackerbau und Gemüse von verschiedenen Labelorganisationen kontrolliert werden. «Das wollen wir besser koordinieren», sagt Bundesrat Guy Parmelin.
Weniger Kontrollen würde aber nicht schlechtere Kontrollen bedeuten, stellt der Bundesrat klar. «Wenn der Kontrolleur feststellt, dass beispielsweise das Tierschutzgesetz nicht eingehalten wird, wird eine zusätzliche risikobasierte Kontrolle durchgeführt.»
Der Aktionsplan wurde von Vertreter:innen von Bundesämtern, Kantonen, Labelorganisationen und dem Schweizer Bauernverband unterzeichnet und soll ab 2026 umgesetzt werden.
Nach dem tragischen Unfall der historischen Standseilbahn «Elevador da Gloria» am Mittwoch in Lissabon stellen Schweizer Medien die Frage nach der Sicherheit der Standseilbahnen hierzulande.
Rund 200 öffentliche Standseilbahnen verkehren in der Schweiz, darunter beispielsweise die historische Reichenbachfall-Bahn im Berner Oberland. Gegenüber dem Tages-Anzeiger hebt der Seilbahn-Sicherheitsexperte Reto Canale wesentliche Unterschiede zwischen der Bahnanlage in Portugal und den Standseilbahnen in der Schweiz hervor. Das System von Lissabon würde seines Wissens in der Schweiz nicht zum Einsatz kommen.
Zwar würden auch in der Schweiz die meisten Standseilbahnen nach dem Prinzip funktionieren, dass zwei gegenläufige Wagen mit einem Zugseil miteinander verbunden sind. Doch die Schienen liegen frei, eine Schienenbremse kann somit installiert werden.
Wie sieht es bei den historischen Standseilbahnen in der Schweiz aus? Die Giessbachbahn zum Beispiel ist seit 1879 im Betrieb und zählt zu den ältesten in Europa. Hier ist für Markus Seitz, der seit Jahren sämtliche öffentliche und privaten Standseilbahnen in der Schweiz dokumentiert, eine gute Wartung zentral.
Sind Sie ein Coop- oder ein Migros-Kind? Oder doch eher Team Aldi? Letzterer feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Wie reagierten damals Coop und Migros auf den Discounter?
Im Gespräch mit SRF erzählen Anton Scherrer und Hansueli Loosli, die vor 20 Jahren an der Spitze von Migros respektive Coop standen, vom ewigen Duell der beiden Riesen. Obwohl man einander nichts geschenkt habe, sei die Konkurrenz damals weniger hart gewesen als heute mit den weltweit erfolgreichen Discountern Aldi und Lidl, sagen sie im Gespräch.
2005 kam Aldi in die Schweiz, vier Jahre später folgte Lidl, was die grossen Detailhandelskonzerne zu spüren bekamen. «Wir hatten grossen Respekt», erinnert sich Scherrer. Während Migros mit M-Budget das «Kampfsortiment» ausbaute, lancierte Coop mit Prix Garantie seine eigene Billiglinie.
Es scheint Einigkeit zwischen den ehemaligen Konzernchefs zu herrschen, auch was die Erwartungen an die Discounter angeht. Diese seien nicht wirklich erfüllt worden. «Ein wesentlicher Grund ist die Zollbarriere», sagt Scherrer. Loosli fügt an: «Sie haben nie die Marktanteile erreicht, die sie sich wahrscheinlich vorgenommen hatten. Trotzdem können sie damit erfolgreich sein, weil sie wegen des höheren Preisniveaus in der Schweiz eine gute Marge erwirtschaften.»
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