TAGESÜBERBLICK WIRTSCHAFT
Bern (awp/sda) – Donnerstag, 30. Dezember 2010
EIDGENÖSSISCHER BLICK AUF ZAHLUNGSSTRÖME: Schweizer Unternehmen haben im dritten Quartal mit dem Verkauf von Dienstleistungen im Ausland weniger eingenommen als ein Jahr zuvor. Die Zahlungsbilanz der Schweizer Nationalbank weist wertmässig einen Rückgang im Dienstleistungsexport um 3 Prozent aus. Gleichzeitig wurden aber auch 5 Prozent weniger für Dienstleistungen aus dem Ausland ausgegeben. Einen bedeutenden Einfluss dürfte dabei der starke Franken gehabt haben. Unter dem Strich resultiert mit 11 Mrd. Fr. aus dem Dienstleistungshandel ein gleich grosser Einnahmeüberschuss wie 2009. Rückläufig waren insbesondere die Einnahmen der Banken für Finanzdienstleistungen. Damit hat sich der Trend der sinkenden Serviceeinnahmen aus dem Ausland fortgesetzt.
BELIEBTE REKA-CHECKS: Der Verkauf von Reka-Checks ist im zu Ende gehenden Jahr um 4,7 Prozent auf 652,2 Mio. Franken gestiegen. Mit ihren Ferienwohnungen setzte die Schweizer Reisekasse 39,3 Mio. Franken um. Dies entspricht gegenüber 2009 einem Rückgang von 2,2 Prozent. Auch die Zahl der Logiernächte nahm um 1,1 Prozent auf 1,31 Mio. Nächte ab. Rückläufig war vor allem das Geschäft mit den Badeferien im Mittelmeerraum. Hingegen seien die Reka-Feriendörfern in der Schweiz weiterhin äusserst beliebt. Die Reka unterstützte auch wieder einkommensschwache Familien und Alleinerziehende: Die Nonprofit-Organisation wendete im auslaufenden Jahr für die Vergünstigung von Ferien 2,5 Mio. Fr. auf.
HISTORISCHE TIEFSTSTÄNDE: Kurz vor Jahresende sind die Weltwährungen Euro und US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken erneut auf historische Tiefststände gefallen. Am Morgen sackte der Dollar erstmals unter die Marke von 94 Rappen, nachdem in der amerikanische Währung bereits in der Nacht deutliche Verluste zu beobachten waren. Das neue Rekordtief des Dollar liegt nun bei 0.9372 Franken. Auch der Euro rutschte weiter ab und näherte sich gefährlich nahe der Marke von 1.24 Franken. Der neue Tiefststand liegt bei 1.2402 Franken. Eigentlich hatten Devisenexperten nicht mehr mit grossen Bewegungen gerechnet. Die Umsätze seien derzeit sehr gering, da sich viele Marktteilnehmer bereits in die Ferien verabschiedet hätten.
WEITERER PATENTSTREIT: Auf dem umkämpften US-Handymarkt kommt es zu einem weiteren Patentstreit: Der japanische Elektronikkonzern Sony hat in den USA eine Eingabe und Klage gegen den südkoreanischen Rivalen LG Electronics eingereicht. Sony will damit verhindern, dass LG seine Mobiltelefone auf diesem wichtigen Markt ausliefern kann. In gleich mehreren Handys und Modems von LG stecke Sony-Technik, beschwerten sich die Japaner in einer Eingabe an die US-Wettbewerbsaufsicht ITC. Der Vorstoss von Sony ist der jüngste Rechtsstreit in der Branche. Fast alle grossen Spieler liegen derzeit miteinander im Clinch. Die Auseinandersetzungen drehen sich vor allem um die boomenden Smartphones, in denen eine Reihe neuer Techniken zum Einsatz kommt.
AIRBUS BRAUCHT MEHR ZEIT: Der europäische Flugzeugbauer Airbus wird aufgrund der Probleme mit den Rolls-Royce-Triebwerken in diesem Jahr nur 18 statt der geplanten 20 Superjumbos A380 ausliefern. Die bislang für Ende des Jahres geplante Auslieferung der 19. Maschine verschiebe sich auf Anfang Januar, sagte ein Unternehmenssprecher. Kunde ist die australische Fluglinie Qantas, welche die Verschiebung bestätigte. Airbus hatte sein ursprüngliches Ziel, in diesem Jahr 20 Airbus A380 auszuliefern, bereits Mitte Dezember auf 19 Maschinen nach unten korrigiert. Grund waren die Probleme mit Triebwerken des Herstellers Rolls-Royce.
ITALIEN SETZT NEUE MASSSTÄBE: Italien will das Monopol des Bruttoinlandprodukts als Fortschrittsbarometer brechen und künftig neben dem Wirtschaftswachstum auch das Wohlergehen seiner Bevölkerung regelmässig messen. Das Statistikamt Istat wird bis Ende 2011 ein neues Fortschrittsbarometer einführen, das auch die Umwelt- und Lebensqualität einbezieht. «Der Fortschritt einer Gesellschaft kann nicht nur mit monetären Kriterien gemessen werden», sagte der Chef der Istat. Der neue Index soll mehrere neue Faktoren berücksichtigen – darunter die Gesundheit, Bildung und die Sicherheit der Bürger. Die EU startete in diesem Jahr bereits ein Pilotprojekt für ein Fortschrittsbarometer.
SUBVENTIONEN GESTRICHEN: Die Kubaner müssen für Seife, Zahnpasta und Waschmittel künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Regierung streiche ab Januar ihre Subventionen für diese Artikel, hiess in einem Beschluss. Die Artikel können künftig in Geschäften zu festen Preisen zwischen 0,20 bis 1,92 Franken gekauft werden – ein Mehrfaches des bisherigen Preises. Der Durchschnittslohn der Kubaner liegt bei 19 Franken im Monat. Die Regierung hatte zuvor bereits andere Waren des täglichen Bedarfs wie Kartoffeln und Zigaretten von den staatlichen Bezugsscheinen gestrichen. Hohe Subventionen böten wenig Anreiz für harte Arbeit und führten zu einer niedrigen Produktivität, hatte Präsident Raul Castro diesen Schritt begründet. Er will die chronisch schwache Wirtschaft ankurbeln.
FRIST FÜR ÜBERNAHME ABGELAUFEN: In der Nacht auf Donnerstag ist die erste Frist im Übernahmekampf um den grössten deutschen Baukonzern Hochtief ist abgelaufen. Der spanische ACS-Konzern geht davon aus, dass er die 30-Prozent-Hürde Anfang Januar erreichen wird und dann ungehindert auf die Mehrheit zusteuern kann. «Wir erwarten, die 30-Prozent-Hürde zu erreichen», sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Frankfurt. Den anschliessenden Zukauf der weiteren Aktien habe dann keine Eile mehr. Einen Tag vor Fristablauf hielt ACS bereits 29,4 Prozent an Hochtief. Sollte die erste Hürde im Übernahmekampf verfehlt werden, ist eine Angebotsverlängerung von 14 Tagen vorgesehen.