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Berufsbildung


Schweizer Schulen im Ausland denken über Berufslehre nach


Von Sonia Fenazzi



Das neue Gesetz ist die Grundlage für die Schaffung neuer Schweizer Schulen, die vom Bund gefördert werden und die vorhandenen 17 ergänzen. (Im Bild: Schweizer Schule in Madrid, Spanien) (Schweizer Schule Madrid)

Das neue Gesetz ist die Grundlage für die Schaffung neuer Schweizer Schulen, die vom Bund gefördert werden und die vorhandenen 17 ergänzen. (Im Bild: Schweizer Schule in Madrid, Spanien)

(Schweizer Schule Madrid)

Für die Schweizer Schulen im Ausland eröffnen sich vielversprechende Möglichkeiten. Ein neues Gesetz bietet die Grundlage, um das Angebot auf Berufslehren zu erweitern. Das internationale Interesse an diesem Schweizer Erfolgsmodell nimmt stetig zu. Doch um die Ziele zu erreichen, sind viel Zeit und Engagement nötig.

Das neue Bundesgesetz über die Vermittlung schweizerischer Bildung im Ausland gibt den Schweizer Schulen im Ausland die Chance, das von der Eidgenossenschaft subventionierte Angebot auszudehnen. Dabei soll ein Lehrplan für Berufsausbildung geschaffen werden, der die Praxis in einem Unternehmen mit der theoretischen Ausbildung in einer Berufsschule vereint.

Der Export des Schweizer Modells einer solchen Berufslehre, das im Ausland immer mehr Interesse weckt, ist zudem eine strategische Priorität des Bundes bei der internationalen Zusammenarbeit im Bildungsbereich.

"Wir wollen versuchen, die duale Berufsbildung auf internationaler Ebene zu verbreiten, weil wir überzeugt sind, dass es eine gute Art der Ausbildung ist", sagt Gaétan Lagger, stellvertretender Leiter des Ressorts Internationale Bildungsprojekte beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Und die Schweizer Schulen "könnten unserer Strategie einen zusätzlichen Impuls geben".

 (swissinfo.ch)
(swissinfo.ch)

"Wir sind der Meinung, die Schweizer Schulen im Ausland sind der ideale Ort, um die duale Berufsbildung auf internationalem Niveau aufzubauen", sagt Fiona Wigger, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesamt für Kultur (BAK).

"Dort ist diese Kultur bereits vorhanden, die Schülerinnen und Schüler verfügen über sprachliche Kompetenzen, und diese Institute können Filialen von Schweizer Firmen als Partner finden. Wir sind zuversichtlich, gleichzeitig ist uns aber auch bewusst, dass es sich hierbei um eine schwierige Arbeit handelt und deshalb ein langer Schnauf vonnöten ist."

Vorreiter-Beispiele

Auch wenn man sich noch in einer Phase der Vorverhandlungen befindet, weckt die Idee bereits Interesse. An der Jahreskonferenz 2014 von Educationsuisse, dem Zentralorgan der Schweizer Schulen im Ausland, war die duale Berufsbildung laut dessen Präsident Derrick Widmer das Hauptthema.

Ja zum Schweizer Modell, aber mit Anpassungen

Die Sicherstellung einer Ausbildung vom gleichen Niveau wie in der Eidgenossenschaft ist gleichzeitig eine Fähigkeit, sich den lokalen Strukturen und Bedingungen anzupassen.

Dies ist der Schlüssel zum Erfolg beim Export des Schweizer Modells der Berufslehre, sind sich Marco Mathis, Delegierter der SITECO für den Berufsbildungs-Campus in Cikarang auf der indonesischen Insel Java, und Arthur Glättli, bei Swissmem verantwortlich für das Projekt "Swiss VET Initiative India", einig.

Für dessen Gelingen in anderen Ländern sei wichtig, das Schweizer Modell mit einer Bottom-Up-Strategie und mit notwendigen Vorsichtsmassnahmen umzusetzen, betont Mathis.

Die Vertreter dieser Institute konnten an der Konferenz zwei Schweizer Vorreiter-Beispiele im Detail betrachten: Polymechaniker- und Mechatroniker-Lehrlinge in Indonesien, ermöglicht durch den privaten Verein SITECO (Swiss Initiatives for Technical Cooperation) sowie die gleichen Berufslehren in Indien, ermöglicht durch eine Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Organisationen.

Beide Projekte mussten Hürden überwinden. "Die grösste Schwierigkeit ist, lokale Unternehmen zu finden, die bereit sind, die Ausbildung zu finanzieren", sagt Arthur Glättli, Verantwortlicher für das Projekt "Swiss VET Initiative India" bei Swissmem, dem Verband der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie.

Dem gleichen Problem stand man laut Marco Mathis, Delegierter der SITECO, in Indonesien gegenüber. Es wurde auf originelle Art und Weise gelöst: Die Berufsschule, in der die theoretische Ausbildung durchgeführt wird, ist die Besitzerin des Unternehmens, in dem die praktische Ausbildung erfolgt.

Schweizerschulen, die an der Berufs-Grundausbildung teilnehmen möchten, können bei ihrem Unterricht von den Erfahrungen dieser Pionier-Projekte profitieren. Trotzdem müssen sie eine zusätzliche Hürde überwinden: Die Ausbildung muss zu einem Diplom führen, das einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis entspricht und auch im Land der entsprechenden Schule anerkannt ist, erklärt Wigger.

Keine Mindestquote mehr

Die Möglichkeit einer Berufslehre an einer Schweizer Schule im Ausland wird aber nicht bereits morgen eingeführt. Kurzfristig machbar scheint aber der Ausbau einiger dieser Institute. Dies dank dem Ende der Verpflichtung zu einer Mindestquote von 20% Schülerinnen und Schülern mit Schweizer Pass.

Es wird in Zukunft nicht mehr an der Anzahl solcher Schüler liegen, wie viele Schweizer Lehrerinnen und Lehrer vom Bund finanziert werden, sondern an der gesamten Schülerzahl. "Man geht von der Idee aus, dass die Schulen über eine entsprechende Anzahl Schweizer Lehrer verfügen müssen, um eine schweizerische Ausbildung und Kultur zu vermitteln", sagt Wigger.

Viele Schweizer Schülerinnen und Schüler seien allerdings nicht in der Eidgenossenschaft geboren worden; sie gehörten der Zweit- oder Drittgeneration an, sagt Irène Spicher, Geschäftsführerin von Educationsuisse. Deshalb liege die Vermittlung von Schweizer Werten – ein Auftrag des Parlaments an die Schweizer Schulen im Ausland – in den Händen der Lehrer.

Diese Neuerung erfreut sowohl Schulen mit vielen Schülern wie auch jene, die bisher Schüler anderer Nationalitäten abweisen mussten, weil sie zu wenige mit Schweizer Pass unterrichteten. Ein bitterer Nachgeschmack allerdings bleibt für jene Schulen mit einem höheren Anteil an Schweizer Schülern, die einen Rückgang der Bundesbeiträge beklagen.

"Einige erhalten zwischen 5 und 15% weniger als zuvor. Die Reduktion wird allerdings stufenweise über drei Jahre durchgeführt. Auf diese Weise werden die Auswirkungen etwas abgefangen, und die Schulen erhalten Zeit, sich anzupassen", sagt Fiona Wigger.

Trotzdem sind sich der Verwaltungsratspräsident der Schweizer Schule in Mailand, Robert Engeler, und der Direktor jener in Barcelona, Pascal Affolter, einig: Die europäischen Schulen, die bereits die grössten Verlierer seien, würden auch nicht von einem Ausbau profitieren können.

"Die Wirtschaftskrise in Europa wird wohl kaum zu einem Anstieg der Schülerzahlen führen", sagt Affolter, der zuvor während sieben Jahren die Schule in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota geführt hat. "Momentan sehe ich mehr Wachstumsmöglichkeiten für die Schweizer Schulen in Lateinamerika."

Ambitionen in Schwellenländern

Auch über die Eröffnung neuer Schweizer Schulen im Ausland wird gegenwärtig diskutiert. So sei in China beispielsweise ein Verein mit dem Ziel gegründet worden, im Land der Mitte eine solche zu eröffnen, sagt Derrick Widmer. Seiner Meinung nach sollte rasch gehandelt werden, besonders in Schwellenländern.

Ein solches Unterfangen sei allerdings nicht leicht angesichts der starken Konkurrenz internationaler Privatschulen. Vor allem, weil "heute die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer nicht mehr das gleiche Zugehörigkeitsgefühl zur Schweizer Kolonie haben wie früher. Heute zügelt und kommuniziert man ganz einfach, jeder hat ein Mobiltelefon, eine Internet-Verbindung. Man braucht im Ausland nicht mehr zwingend Beziehungen zu seinen Landsleuten".

Und in diesem Zusammenhang seien nicht mehr viele Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer "bereit, ihr Portemonnaie zu öffnen, um eine Schweizer Schule zu gründen, die keinen Gewinn abwirft", sagt der Educationsuisse-Präsident.

"Das alte Gesetz ist seit 28 Jahren in Kraft. Nun wurde mit dem neuen Gesetz die Basis für viele Jahre gelegt", sagt Fiona Wigger. "Hoffen wir, dass neue Projekte wie Neugründungen und Berufs-Lehrpläne realisiert werden. Doch um die Nützlichkeit des Gesetzes zu beweisen, muss dies nicht unbedingt gleich im ersten Jahr geschehen."

Schweizer Schulen

Gegenwärtig gibt es weltweit 17 Schweizer Schulen in Europa, Asien und Lateinamerika. Sie unterrichten insgesamt 7500 Schülerinnen und Schüler, wovon 1800 die Schweizer Nationalität haben.

Diese Institute übermitteln typisch schweizerische Werte. "Zuallererst einmal die Mehrsprachigkeit, das ist ihr Haupttrumpf. Dann auch Disziplin, Zuverlässigkeit und kritisches Denken", sagt Irène Spicher, Geschäftsführerin von Educationsuisse.

Der Unterricht findet immer mindestens zweisprachig statt: in einer Schweizer Nationalsprache und in der lokalen Sprache oder Englisch. In der oberen Mittelstufe ist eine zweite Nationalsprache obligatorisch. Die Schulung sollte zu einem Diplom führen, das zumindest entweder im Gastland oder der Schweiz anerkannt ist.


(Übertragen aus dem Italienischen: Christian Raaflaub)



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